Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 1 (6.1.1933)
- Date
- 1933-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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0. Januar 1933 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 5 Ceff enf liehe Versammlung! Montag, den 9. Januar 1933, spricht abends 8</2 Uhr im großen Saal des „Könstlerhauses", Nikischplatz Herr Ministerialrat Hans Goslar, Berlin vbhermda„Der Wirtschaftskampf d. deutsch. Juden" Jfiettochc* Frauenbund ggjpgtg Cefp»fg-Coge B.C.B.B. 4Honf«iiacIie Verefnigr/nji, Eetpmtg. Zur gel• Beachtung! Um allen Ansprüchen gerecht zu werden, habe ich im Hause NordstraBe 25 meinen Verkaufsräumen jetzt auch die Baek- und FabrikatlonsrUume angegliedert. — Durch Neuaufstcllung modernster Backöfen und Maschinen bin ich in der Lage, zu jeder Zeit beste und hygienisch einwandfreie Ware nachstehender Backwaren: Reines Roggenbrot, Kümmelbrot, Vollkornbrot, Schrotbrot, Grahambrot, Eier-, Wasser-Berches, Karlsbader Zwieback. — Als Spezialität empfehle ich: Krakauer Käsekuchen und Wiener Apfelstrudel, Konditoreiwaren in erstklassiger Qualität. — Probieren Sie meine Eiernudeln, Veriel, Plätzchen aus garantiert frischem Vollei. — Allerielnstes selbstausprobiertes AuszuKmehl — Mazze — Mazzemehl Schmeidlers Brötchen von morgens bis abends irisch Die Preise sind der heutigen Zeit angepaßt zu liefern. — Ueberzeugen Sie sich selbst von der Güte 21. Sthmeid/er, Feinbäckerei, Konditorei, Fabrik feinster Fi er nudeln NordstraBe 25 — Ranstädter Steinweg 45 — Fernspr. 255 68 Sonderlieferungen für Vereine und Festlichkeiten Reichsverband ambulanter Gewerbetreibender. Fachgruppe Textil. Am Sonnabend, dem 7. Januar, \9% Uhr, im Restaurant „Ullrich- Quelle", Brühl 8, findet die erste Generalversammlung statt. Da die Tugusordnung sehr wichtig ist, werden im eigenen Interesse alle ambulanten Gewerbetreibenden um zahlreiches Erscheinen gebeten. Gäste herzlich willkommen. Schachabteilung des J. S.-V. Bar Kochba. Am Donnerstag, dem 12. Januar 1933, wird unser Mitglied, der sächsiche Schachmeister Fajarowicz, einen Vortrag über die „Theorie des Schachspiels" halten. Gäste willkommen. Eintritt frei. Spielabcnde: Montags und Donnerstags im Künstlerhaus. Nikischplatz. Verband Jüdischer Frauen für Palästinaarbelt. Mittwoch, den 18. Januar 1933, abends %% Uhr, im Hotel Hauffc. Roßstraße. Vortrag von Herrn Prof. Dr. Siegfried Rosenbaum über: „Erbgut und Umwelt im Schicksal unseres Kindes". Gäste willkommen. Theater und Konzert Gewandhaus. Im neunten Konzert eröffnete Otto Klemperer den Reigen der Gastdirigenten während des Amerika-Urlaubs Bruno Walters. Er brachte wieder Bruckner, diesmal die gewaltige Fünfte, mit der bei ihm geschätzten Intentionstreue, schien aber etwas nervös und dadurch gehemmt in der Entfaltung seiner hinreißenden Suggestivität. Die. Tempi, besonders im 1. Satz und im Trio, hatten eine bei ihm nicht Kewohnte Unruhe. Das unbeschreibliche Finale mit seiner triumphanten Krönung zeigte ihn dann wieder in höchster Form. Solisten waren Günther Ramin mit einer großartigen Bach-Passa-caglia für Orgel und der liebenswerte Artur Schnabel, der das Klavierkonzert C-Moll von Mozart, eines der düsteren und melancholischen Mozartwerke, mit wunderschöner Innerlichkeit und einem bezaubernden Anschlag spielte. Dr. R. Konzert Israel Alter. Nun hat der stimmgewaltige Kantor von Hannover sich auch dem Leipziger Publikum vorgestellt und reichen Beifall eingeheimst Alter verfügt über eiaen schönen, weichen Tenor, strahlend in der Höhe und satt und klangvoll auch noch in baritonaler Lage. Hinzu tritt ein bei konzertierenden Kantoren selten anzutreffender geschmackvoller Vortrag. Nicht nur. daß er sich dankenswerterweise aller sattsam bekannten üblen Mätzchen enthält, die mimischen und szenischen Mittel, mit denen er, ohne sich selbst in den Vordergrund zu spielen, das Gegenständliche der Gesänge verdeutlicht, sind angenehm diskret und von einer künstlerischen Selbstzucht im Zaume gehalten. Ueber die Wahl des Programms wäre viel Prinzipielles zu sagen, es würde aber im Rahmen dieser Rezension zu weit führen, unsere schon oft dargelegte Ansicht über Chasonus im Konzertsaal wieder einmal in aller Breite zu erörtern. Wir können nur nach den von Aller gehörten Proben erweiternd hinzufügen, daß wir auch die Notwendigkeit von eigens für den Konzertgebrauch komponierten Stücken der Liturgie nicht einzusehen vermögen, ebensowenig, wie wir ein Bedürfnis nach der Komposition eines philosophischen Textes, etwa einer Mischna aus den „Sprüchen der Väter", feststellen können, sei sie auch Mischnah aus dn „Sprüchen der Väter", feststellen können, sei sie auch melodisch so gut erfunden und inhaltlich so prägnant ausgedeutet wie Alters „Akawjo ben Mahalalel". In den vielen ernsten und heiteren jiddischen Liedern gibt es genug dankbare Nummern für den jüdischen Sänger, und was Alter von diesen sang, verdient uneingeschränktes Lob. Die ausgezeichnete diskrete und feinfühlige Begleitung von Fabian Gonski, dessen Initiative das Zustandekommen des interessanten Konterten zu danken ist, sei besonders hervorgehoben. Dr. R. Am 12. Januar bietet sich dem Leipziger Publikum eine seltene Gelegenheit, einen Teil der wertvollsten und reinsten slawischen Volkskunst kennenzulernen. Eine Gruppe der Goralentänzer aus Zakopane (Hohe Tatra), die sich auf einer Europatournee befindet, gibt auch in Leipzig ein Gastspiel. Die Tanzkunst dieses rüstigen Gebirgsvolkes ist >n einer reichen Tradition mannigfaltiger Sitten und Gebräuche verankert, die Schönheit und Wildheit der sie umgebenden Natur und der schwere Kampf um das nackte Leben als Hirten und Jäger geben ihren Bewegungen und ihrer eigenartigen Musik ein besonderes Gepräge. Für alle, denen die Teilnahme an ursprünglicher Volkskunst Unterhaltung, Vergnügen und Belehrung ist, wird diese Darbietung der Goralen in ihren farbenfreudigen Kostümen zusammen mit dem Klang der alten Instrumente ein genußreicher Abend sein. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, dem 12. Januar, um 20 Uhr. Im Festsaal des Künstlerhauses, Nikischplatz, statt. Neue Bücher Colin Roß, Der Wille der Welt. Leipzig 1932. (F. A. Brockhaus.) Der vielgereiste, vielleicht bekannteste deutsche Reiseschriftsteller der Gegenwart unternimmt in diesem gedankenreichen Buch „eine Reise zu sich selbst". Bescheiden betont er, daß er nur persönliche Eindrücke vorträgt. Ein Mann von diesem Format darf dennoch beanspruchen, beachtet zu werden, auch wo man die Dinge nicht sieht, wie er sie empfindet. Er kam zu der Erkenntnis, daß wir Menschen von heute zwar ein riesiges Wissen von Einzelheiten, allerhand Anschauungen über die Welt haben, daß aber vielen, vielen Tausenden die große tragende Weltanschauung verlorengegangen ist. Er meint: weil unsere Zeit die Kraft des Schauens eingebüßt hat, weil ihr der Glaube fehlt. Der letzte große Glaube, der in die Entwicklung der Menschheit entscheidend eingriff, war der des 19. Jahrhunderts, der Glaube an den Fortschritt, In Wahrheit stellt der Glaube nur eine „Welle" des großen Weltgeschehens dar, die Selbständigmachung des Geistes. Dieses „männliche" Zeitalter des Geistes habe Quellen verschüttet, die einst reiches Leben sprudeln ließen: die „weibliche" seelische Schöpferkraft. Daraus ergibt sich für ihn der Weg aus der Krise heraus, aus der Sackgasse, in der sich die abendländische Zivilisation zu verrennen droht. — Eine Fülle brennender Zeitfragen leuchtet im Scheinwerfer dieses Weltdenkens auf. Man muß das Buch selbst lesen, um die Fülle des Stoffes aus allen Gebieten des heutigen Wissens und Lebens zu erfassen. Und wird es nicht ohne Erweiterung seines Verständnisses der gegenwärtigen Weltlage lesen; und, auch wenn man eigene Wege der Weltanschauung geht, nicht ohne wesentliche Bereicherung. Dr. I. Welgl. Das Judentum. Eine volkstümliche Darstellung. Berlin 1932. (Philo-Verlag GmbH.) Diese „volkstümliche Darstellung" des Judentums, aus der Feder eines Nichtjuden. hat seine Aufgabe seit seinem ersten Erscheinen in hohem Maße erfüllt: es hat in die religiös-sittlichen Gedankengänge der jüdischen Religion eingeführt; es bot besonders für ferner Stehende einen Weg, die Weltanschauung des Judentums zu betrachten. Viele, die anfangs das Buch mißtrauisch aufnahmen, weil sie von Vorurteilen gegen Juden und Judentum eingenommen waren, haben sich der Objektivität des Verfassers nicht verschließen können und manche schiefe Meinung korrigieren gelernt. Auch diese neue Auflage wird diesem Zwecke dienen. Der gelehrte Verfasser hat sich in seinem Suchen nach der Wahrheit so ausgezeichnet in das Verständnis für unsere religiöse Gedankenwelt und unser Brauchtum eingelebt, daß ihm gelingt, was eben nur dann gelingen kann, wenn man aus reifer Erkenntnis schöpft: in schlichter Klarheit und durchsichtiger Lebendigkeit Dinge darzustellen, die in seelischen Tiefen wurzeln. Ein solches Werk fesselt, klärt und wirkt dadurch für die Wahrheit. C. Herausgegeben vom Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. SchrifUeitung: Gemeinderabbiner Gustav Cohn, Leipzig Cl, Löhrstrafie 10, III. Anzeigen: Verlag Ernst Gold freund, Leipzig O 5, CichorlusstraBe 2 a. Druck: Qebr. JunghanB, Leipzig O 5, TBubchenweg 26. Anzeigen-Vertretung In Berlin: M. Badascn. Neukölln. Sanderstr. 24, Tel. F.2. 1926 Das Deutsch-Oesterreich—Schweiz—ItaUen-Verkehrabdro veranstalte* Ja. nuar—März verschiedene Gesellschaftsreisen nach Tirol. Besucht werden die bekanntesten Wintersportgebiete Tirols. Fahrkarten, Fahrscheinhefte für alle südlichen Linder sind im Büro zu amtlichen Preisen erhältlich. Für Italienfahrer sind zurzeit 70 Prozent FahrprcisvergünstiEung. Andcrs-Autolinien fahren Jeden Sonn- und Feiertag nach Oberwiesenthal zum Wintersport. Die konzessionierte Linie Leipzig—Düben ist alltäglich im Betrieb. Prospekte aller deutschen, österreichischen und schweizerischen Wintersportkurorte sind im Büro, Leipzig C 1, Richard-Wagner-Str. 8, Tel. 282 14 und 152 14 erhältlich. Und wohin am II. Februar? Zum fratüfionellen Kcstünitesi der 8chach-&kleilung des J. -5. V, &m~K«>chbat