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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1932-10-07 · 23 (7.10.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
8 (1932)
Issue
23 (7.10.1932)
Date
1932-10-07
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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7. Oktober 1932 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 5 Jüdischer Fi Mittwoch, d. 12. Oktober, 20 Uhr Im Hotel Hauffe Während der Vortrage bleiben die SaaltUren geschlossen * Oaste, auch Herren und Jugend herzlich willkommen ' Es wird um einen kleinen freiwilligen Kostenbeltrag gebeten. ra luenbund / Ortsgruppe Leipzig 1 EDITH HERRNSTADT-OETTINGEN: „Vom Ringen des Menschen" aus den Werken zeitgenössischer Dichter: Wildgans, Kästner, Feucht wanger u. a. .Edith Hcrrnstadt-Oettingen hat das Hirn der Zeit, das Heri der Ewigkeit. Hier Ist Frauentum. Menschentum, eine Künstlerin, die unsere Tage brauchen." Walter von Molo. „Sorgenfreies Alter tt Dr. Felix Goldmann. m\ IIP t k •. «i ■ ^^"•^•1 N ül ""'■^nliÜjt!■ T>. 3 : T jJT 1. ':m *sZt***^\?j£ *■ " v-kuU^W m < ' ■ Wir Juden hüben uns mit Recht auch stets der Taten gerühmt, die Glieder unserer Gemeinschaft im allgemeinen öffentlichen Leben vollbrachten! Erblicken wir doch in allen Werken der Liebe und der Menschenfreundlichkeit einen Ausfluß echten jüdischen Geistes! Mit Stolz und mit Freude dürfen wir darum an dieser Stelle einer Gründung gedenken, die unsere Stadt unserem Glaubensgenossen Siegfried Schußheim verdankt. In aller Stille hat er mit weitschauender Voraussicht und klugem Sinne ein Altersheim ganz eigener Art gegründet, das wegen seiner Grundidee ebenso beachtet zu werden verdient wie wegen der ausgezeichneten praktischen Verwirklichung, die der Plan gefunden hat. Schußheim ging davon aus. daß er dem großen Kreise der Abonnenten seines Familiculesczirkels die Möglichkeit gewähren wolle, im Alter ein würdiges und bequemes Unterkommen zu iinden. Er wollte mit voller Absicht nicht, daß die Insassen seines Altersheims das bedrückende Gefühl haben sollten, Wohltaten zu empfangen, frei und ungezwungen, auch seelisch aufgerichtet, sollten sie ganz nach ihren eigenen Wünschen in einem Heime leben können, das ihnen auf Jer einen Seite zwar jede alltägliche Sorge, die im Alter besonders ■ehwer empfunden wird, ahnahm, auf der anderen Seite aber ihren individuellen Wünsc'.en auf Lcbensgestaltung freien Lauf ließ. Man wird freilich fragen, wie denn alle solche Wünsche vereinigt werden können, wenn nicht ein ganz großer Geldaufwand vom einzelnen Insassen verlangt wird. Und das ist das eigentliche Wunder! Ohne udere Mittel als die von den Heimbewohnern gezahlten Vcrpflegi'eiträgc in Anspruch zu nehmen, ist es gelungen, bei einem Tagegeld von nur zwei Mark alle Bedingungen zu erfüllen. Der einzelne bezahlt lediglich zwei Mark täglich und hat dafür ein helles, ^hönes, großes und sauberes Zimmer, eine Verpflegung, die so abwechslungsreich und reichhaltig ist, daß sie auch von einer sehr guten Pension nicht leicht übertroffen wird, und er kann sich ferner in scmütlich eingerichteten, umfangreichen Gescllschaftsräumcn aufhalten "der sich im Sommer in einem herrlichen großen Garten ergehen. Obwohl noch im Weichbilde von Leipzig gelegen, grenzen die Heime >ni einen großen Wald, ein Vorteil, der gewiß zur Erhöhung der Lebensfreude dient. Wenn man im Heime weilt, wenn man mit den Einwohnern spricht, wenn man ihre Zufriedenheit verspürt, fragt man sich wirklich, was wohl noch behaglicher und schöner gestaltet werden könnte. Man weiß nichts zu sagen! Daß es aber möglich ist, trotzdem alle Ausgaben der Lebensführung aus den geringen beitrügen der Insassen zu bestreiten, liegt nur an einer peinlich genau berechneten und ebenso streng durchgeführten Wirtschaftsführung. Der schöne große Garten, der an den h'iuß grenzt, bringt fast alles Gemüse hervor, dessen das Heim bedarf. Eine genau durchdachte Planwirtschaft gestattet es so, ganz außerordentlich billig zu wirtschaften, und es ist klar, daß die jetzt erfolgte Vergrößerung des Unternehmens diesen Vorzug noch mehr hervortreten läßt. Darin, daß bereits jetzt, nach zwei Jahren, eine Erweiterung der Anlage erforderlich geworden ist, liegt der beste Beweis dafür, daß das Werk in seinem Ziele einem bestehenden Bedürfnis abgeholfen hat und daß es in seiner Ausführung geglückt ist. Neben dem behaglichen alten Bau erhebt sich ein neuer, der in kurzer Zeit eingeweiht und bezogen werden wird. Auch er entspricht modernsten hygienischen Anschauungen, und auch er wird den Insassen jenes Gefühl individueller Behaglichkeit geben, das für dieses Altersheim so charakteristisch ist. Jeder nämlich hat das Recht, seine eigenen alten Möbel und Einrichtungsgegenstände. zwischen denen er gelebt hat und groß geworden ist, in das Heiin mitzubringen. Man unterschätze den psychologischen Wert einer solchen Möglichkeit nicht. Sie trägt bei alten Leuten viel, viel zur inneren, seelischen Ruhe bei. Die Zahl der Anmeldungen für das neue Heinigebäude ist bereits so groß, daß man aus ihr die Anerkennung der weiten Öffentlichkeit für das Werk unseres Mitbürgers Schußheim entnehmen kann! Und gehört es auch nicht zu dem engeren Kreise der konfessionellen Anstalten unseres Gemcindebezirks, so sei doch hervorgehoben, daß auch Gemeindemitglicder dort Aufnahme gefunden haben und sich wolilfühlen. Der bevorstehenden Einweihung des neuen Gebäudes und der dadurch bedingten erheblichen Erweiterung des Heims gelten darum auch unsere herzlichen Glückwünsche. Der von Siegfried Schußheim erdachte und ausgeführte Plan bedeutet fraglos eine wertvolle Ergänzung der in Leipzig bestehenden Wohlfahrtsinstitute. Und es sei ihm an dieser Stelle von Herzen gewünscht, daß er stets Freude am Werke habe und daß es ihm immer vergönnt sei, Gutes zu stiften! Was wird aus dir, wenn deine Kräfte einmal versagen, wie wird dir geholfen, wenn du einmal durch einen Unfall für kurze oder längere Zeit erwerbsunfähig wirst, wo nimmst du schnell Hilfe her in einem Todesfall? Das sind die Fragen, die sich heute sehr viele Leute vorlegen müssen, die früher nie daran gedacht hätten, einmal auf diesen Gedanken kommen zu müssen. Hilf dir selbst! ist heute die Parole, und du kannst es! Nicht durch Entbehrungen oder Einschränkungen aller Art, sondern dir wird Gelegenheit gegeben, auf leichte und bequeme Weise zu diesen Wohltaten zu kommen, die nicht einmal solche sind, sondern wohlerworbene Rechte. Durch Lesen sich bilden. Vergnügen in einsamen Stunden haben, sein Kulturniveau zu erhöhen sind Annehmlichkeiten, die sich heute jeder durch ein Abonnement auf ScmiBhelms Familien-Lesezirkel mit den oben angeführten wirtschaftlichen Annehmlichkeiten erwerben und leisten kann. Schon für 1.25 M. kann man wöchentlich sieben ganz neue Zeitschriften lesen. Schußheims Lesezirkel hat bereits an 8983 Abonnenten Tagegelder für durch Unfall verursachte vorübergehende Erwerbsunfähigkeit im Betrage von 462 667 M., an 43 Abonnenten für Unfälle mit tödlichem Ausgang 117 450 M., an 570 Abonnenten für natürliche Sterbefälle 113 900 M. und an 1811 Abonnenten als üeburtsbeihilfe 85 120 M., also insgesamt 779 137 M. ausgezahlt. Mehr als M Millionen Mark. Und zu alledem erwirbt der Abonnent noch das Recht auf Aufnahme in das Altersheim, in dem er für einen geringen täglichen Betrag seine alten Tage in Ruhe und Zufriedenheit verleben kann. Die Adresse ist: Kohlgartenstraße 52a. Telefon Nr. 66 513 und 66 565.

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