Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-10-04 · 40 (4.10.1935) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
40 (4.10.1935)
Date
1935-10-04
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4876568-5968806-5969547--5643-4881389
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4. Oktober 1935 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Neue Bücher Helden der Kwuzah. Unter diesem Titel ist soeben im Verlag Kedem, Berlin, ein jüdisches Jugendbuch von Salo Böhm, illustriert von Heinz Wallenberg, erschienen. Dieses Buch unterscheidet sich wohltuend von den meisten bisherigen Jugendbüchern, indem es jede Bezugnahme auf Bibel und biblisches Geschehen zu vermeiden trachtet und in einer schlichten, anspruchslosen Erzählung das Leben von Kindern und ihren Anverwandten in der selbst gegründeten Siedlung „Kfar Hajaar" darstellt. Schon das erste Kapitel beginnt lebendig, nahezu dramatisch, indem es ein Mitglied einer kürzlich in Erez Israel gelandeten Jugend-Alijah, den erst zwölfjährigen Michael, in Jaffa hungernde Elendskinder jüdischer Rasse entdecken und mit dem ganzen frischen Draufgängertum seiner eigenen beschützten Kindheit sich dieser Opfer der Armut annehmen läßt. Es ist sehr reizvoll zu lesen, wie hier ein Knabe von Tempo, Temperament und Temperatur die Großstadt Tel-Aviv mobilisiert; wie dann dank mildtätigen Spenden eine neue Kwuzah gegründet wird und wie und was die Kinder — männliche und weibliche — in dieser Kwuzah im Laufe der Jahre erleben. Nicht Brand, nicht Vernichtung ihrer Setzlinge, nicht Überfälle, nicht Mißverständnisse, nicht unerwartete Wiedersehensfreuden mit Freunden und Verwandten, nicht Orangenkrieg, geschweige denn der Chamsin bleiben diesen jungen Pionieren erspart. Aber sie lassen es selbst an kühnen Streichen nicht fehlen und sie bieten den Überfällen der Araber oder Beduinen stets wohlgelungenen Widerstand. Es gibt reizende Episoden in diesem Buch, wie z. B. den Brief der Chaluzim von Kfar Hajaar an „Die Herren Professoren der Hebräischen Universität Jerusalem", worin die Kinder, in Anbetracht ausgegrabener Mosaikgcmälde, mitteilen, daß sie offenbar ein Schloli der Familie der Makkabäcr entdeckt hätten. Und als Clianukkah herannaht, erklärt der Führer der Jugendgruppe der junge Arzt und Lehrer Saul, den Heldenkampf der Makkabäer und beendet die Feier, indem er die beiden jugendlichen Helden dieser Kwuzah, Michael und Jonathan, selbst zu jungen Makkabäeru schlägt und mit den Worten schließt: „Unser Volk, das solche jungen Helden besitzt, wird ewig leben." Es ist rühmlich zu bemerken, daß dieses Buch keine falsche Lederstrumpf-Romantik enthält, sondern das Leben von Chaluzim und Chaluzoth so darstellt, wie es sich wirklich in einer springlebendigen, von fremden Einflüssen freibleibenden Kwuzah in Erez Israel entwickelt (oder entwickeln kann). Hier spricht nur Jugend zur Jugend. Und in dem allgemein verständlichen Stil von Kindern oder Halberwachsenen. Die Illustrationen von Wallenberg setzen dem reizvollen Buch eindrucksvolle Lichter auf. Dieses Werk wird ein vorbildliches Geschenk für jene Kinder bilden, die heute vielleicht noch auf Hachscharah arbeiten, um sich für ihren eigenen Auszug als Chaluzim oder Chaluzoth vorzubereiten. Gesundheit und Lebensfreude steckt darin, aber keine falsche Illusion. Darum sollte man es Eltern wie Kindern empfehlen. Doris Wittner. Konzerte. Kulturbund — Gustav Mahler-Abend. Zum ersten Male wurde uns in der Reihe der Kulturbund-Veranstaltungen ein Abend geboten, der für das Publikum von großem belehrenden Wert war. Man kann nur aufrichtig empfehlen, mindestens jährlich an 2—3 Abenden diesem wertvollen erzieherischen Gebiet Raum zu geben. Wenigen nur ist die Persönlichkeit Gustav Mahlers gut bekannt und es soll hier Fräulein Dr. Landau im besonderen gedankt werden, daß sie es verstand mit schlichten, einfachen Worten uns den Menschen und Künstler „Mahler" nahezubringen. Sehr lebendig schilderte sie uns seine temperamentvolle Veranlagung, seine glühende Musikernatur als Dirigent und Komponist, seine Wahrhaftigkeitsliebe als Mensch. — Bei den Erläuterungen der „Lieder eines fahrenden Gesellen" verstand sie sehr gut die einzelnen Stimmungen und Situationen des Schaffenden dem Publikum verständlich zu machen. Nur sollte Dr. Landau noch mehr vermeiden, die nur dem Fachmusiker vertrauten Momente (Ton-Tempiarten usw.) zu oft anzuwenden, der nicht musikalische Zuhörer wird dadurch leicht ungeduldig und verliert den Zusammenhang. Fritz Lechner, der uns noch vom vorigen Winter in bester Erinnerung ist, bewährte sieh wiederum als kultivierter Sänger, stimmlich wie darstellerisch. Dabei hatte er in Wolfgang Rosse einen geradezu idealen Begleiter, dieser ausgezeichnete Pianist erhöhte mit seinem Einfühlungsvermögen die Gestaltung der Lieder ungemein. Da Dr. Landau neben der „Fischpredigt" die „Kindertotenlieder" erwähnte, so wäre es bestimmt angebracht gewesen - vor allem auch, um deu Abend gesanglich nicht so knapp zu gestalten - , daß Fritz Lechner diesen ergreifenden Zyklus noch gesungen hätte. Alles in allem war es ein wertvoller Abend für die Zünftigen und ein erzieherisch aufklärender für das allgemeine Publikum. — — Publikum, ach so, damit haben wir zu rechnen, dessen Geschmacksrichtungen sind natürlich verschieden, und so möchten wir nur wünschen, daß man mehr Rücksichten aufeinander nehmen sollte! Ebenso wie wir es schroff ablehnen, daß sich m..... 1 Die neuesten Herbst- und Wintermoden A M. sind eingetroffen. Diese bekommen Sie 4*1 fl G Ml! bekannter Güte und billigsten Preisen bei 1 Oeorg Boritzer, Leipzig W35, Aureliensträße 14. •St iriüii V ayiinhiTl Der Saal des Felix Goldmannheimes (Jugendheim) jetzt neu hergerichtet, steht für Veranstaltung, jed. Art zur Verfüg. Telefonische Bestellung Kr. »3805 Herausgegeben vom Vorstand der israelitischen Religionsgcmeindt zu Leipzig. Schriftleitung: Oemeinderabbiner Oustav Cohn, Leipzig C 1, Walter-Blümel-Str. 10, III. | Anzeigen: Verlag Elsa Goldfreund, Leipzig O 5, CichoriusstraBe 2 a. Anzeigen cilcr: Ernst Qoldfreund, CichoriusstraBe 2 a. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Nummern und an bestimmten Plätzen wird keine Gewähr übernommen. Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig Cl, Brüderstr. 19. ' D. A. II. IS 4150 Für den Inhalt der Inserate übernehmen Gemeindevorstand und Schriftleitung keine Verantwortung. ttnPW'iHhfcr Kulturbufril-V^a^^frg'HbefiHiItW.^''t^ Vereinsnachrichten. Gesellige Vereinigung jüdischer Berufstätiger.- Am Mittwoch den 10. Oktober, 21 Uhr, spricht in den Logcnräuwe^^indtstriJJ Fräulein Edith Ludwig über „Probleme praktischer FTaiisIialtffili rung". Gäste willkommen! ,n'' ßfuiaWi I Verein polnischer Kaufleute und Gewerbetreibender e. V. Leipzig Sämtliche männlichen polnischen Staatsangehörigen vom lg. bu zun 50. Lebensjahr sind verpflichtet, sich bis /um 1 5. Uktuiwi Mi ic^wuc ren. Diejenigen polnischen Staatsangehörigen, die slrti treretts 'trftrifl registriert haben und auch solche, die nicht invBesfirVe' •4incs, pon| sehen Passes sind und Anspruch auf die polnische Stantsarigehfingkt erheben, sind ebenfalls registrierpflichtig. Die Registrierung erfolfl in der Geschäftsstelle des Vereins Polnischer _Kauflcute und Gi werbetreibender e.V., Ritterstr. 44/48. .t „»»»m ■ ( .. ' . > s Sportverein „Schild", Leipzig. Geschäftsstelle: Leipzig Cl, Markt icpnoTl Nr. 8> Aufgang AMI. Sportplatz: Thekla, Iheklatr Straüe, Wl£ Endstelle der Link L ~ „ . „ [Dipl Tischtennis: Nächster SpieH&entl*'Werktag,'<r*A N. )/ 8. Oktober, im Indanthrenhaus, Grimmaische Str. 2<). Schach: Nächster Spielabend: Dienstag, den 8. Oktober, abends Uhr im Felix-Goldmann-Heiio, Elsterstr, 7. Au diesem Abend Beginnt ein Schachkursus für Anfänger. Interessenten bitten wir, sich pünktlich einzufinden. Jüdischer Sportverein Bar Kochba Leipzig e.V. Achtung! Vom 31. Oktober bis einschließlk.4) 'S. November 1035 A\ wird in Lehnitz bei Berlin ein MakkabiSemiuar abge- «fvW*JV halten. Der Preis einschließlich Verpflegung ist für alle 1 M.tlt Teilnehmer RM. Ib. . Kar-Koehbaner, die an dieser JWlJ^ Tagung teilnehmen wollen, melden sich bis spätestens den 10. Oktober in der Geschäftsstelle, Brühl 45, wo ~ auch jederzeit Auskunft über .die ArbeitsgemciuscJufJcu erteilt wird. Box-Abteilung: Die Boxabteilung trainiert jetzt wieder regelmäßig unter der Leitung von Frischer jeden Mittwoch in der Turnhalle u. z. Jugendliche von 7 8 Uhr, Erwachsene von 8 10 Uhr. Es können auch ältere Herren au den gymnastischen Pbunges und am Training teilnehmen. Schachabteilung. Achtung, Turniertellnehmer! Erste Runde am Dienstag, dem 8. Oktober, pünktlich 20,15 Uhr im österr. Vaterlandsheim. Cfl'Cn •-■-•'■•r rjrrrt Schule für die hebräische Sprache und Literatur „Techijja", Pfaffendorfer Str. 4 II. Es können noch Schüler uud Sehüleriuueu im Alter von 7—14 Jahren mit genügenden Vorkenntnissen jetzt in die bestehenden Klassen Aufnahme finden. Die Anmeldung muH durch die Eltern erfolgen. — E r w a c h s e n e n k u r s e : U begiiuieu jetzt folgende für das Winterhalbjahr angrset.tr: Kurse:!. Im neuer Anfängerkursus tür Teilnehmer mit guter Allgemeinbildung. 2. Ein Kursus für I o r t g»t 6 brSTt e n t (»artsetruu^), für Teilnehmer mit genügenden Vorkenntnissen, i. Ein Bibe.lkursus: Lektüre der Bücher Arnos (ganz) und Jcsgliaja (Die Trostnrophetie). 4. Ein L i t e r a t u r k ti rs u *: Auswahl aus den Dichtungen von Bjalik und TschernicluuvsJd. 5^rheitsgemcinschaft Maimonides: Die das ganze Jahrl limtittcrhrtK ftwi Jl* leitete Arbeitsgemeinschaft findet ihre FortsetMifi£ -jiaW ftralmgTlr ptirC"' arbeitung des Buches Madda (Erkenntnis) Werden ausgewählte Abschnitte aus sämtlichen 1» Büchern des „Mischnä Thora" gelesen und interpretiert. Mit Rücksicht auf die bei diesen Kursen notwendige Beschränkung der Teilnehmer zahl wirdilntM&sttttun sbforluje schriftv liehe Anmeldung nahegelegt. Sekretariat iPfaffendOrlierstr.,:4 li.i Jmi phon 17069. .II.T.itS-billhsda ,nüj;nnarniniX

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.