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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-07-05 · 27 (5.7.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
27 (5.7.1935)
Date
1935-07-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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\ 6, Auflage 4150 Stück "4 V' J (Semeitiö cblatt DER ISRAELITISCHEN RELi&IONSGEMErlNDE ZU AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT In I VMm I ^7 DER GEMEIN DEVERWALTUNG■ Schrift leitung i Oemetnderabbiner Oustav Cohn Leipzig Walter Blümel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Oenebmigung de« Verfassers gestattet Nummer 27 ■ Jahrgang 11 5. Juli 1935 Anzeigenannahme i E. Qoldfreund, Leipzig OS, CichoriusstraBe 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschart, Leipzig C 1. Die Wendung ins Geistige Ende Juni konnte der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden auf eine zehnjährige, erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken. Zum Beginn des zweiten Jahrzehnts seiner Arbeit stellt uns der Syndikus des Verbandes, Dr. Hermann Schildherger, den nachfolgenden Aufsat/, zur Verfügung. Vertiefung und Vermehrung sind die Kennzeichen der jüdischen Arbeit in dieser neuen Zeit. Aber nicht als zwei nebeneinander auf« tretende Erscheinungen, sondern das eine als I unktion des anderen—: die Vermehrung soll die ändere Lolge der Vertiefung, die Vertiefung die innere Folge der Vermehrung sein. Es ist doch klar und konnte auch gar nicht ausbleiben, daß die erhöhte Aktivität hin und wieder auf diesem oder jenem Teilgebiet zu allzu rühriger Betriebsamkeit führen mußte, die, obschofl so viel echte Begeisterung der zur Selbstbesinnung zurückgeführten Menschen vorbanden war, in I allen der hier gemeinten Art keine echten Werte zu schaffen vermochte. So ist unter dem Austurm der neuen Zeit - man erinnert sich daran aus der jüdischen Presse und aus den Vorträgen — neuerdings die Kleingemeinde für die jüdische Öffentlichkeit „entdeckt" und der Betreuung empfohlen worden, und das zu einer Zeit, in der der PreuBische Landesverband jüdischer Gemeinden ebenso wie die anderen jüdischen Landesverbände im Reiche schon viele Jahre auf diesem ihm als llauptgebiet zugewiesenen Arbeitsfeld erfolgreich tätig war. Vergegenwärtigt man sich, wie schwach in früheren Jahren das Interesse an jüdischen Dingen und gar an der so geringschätzig angesehenen „Vcrwaltungsarbcit" war, so ist es nicht verwunderlich, daß diese Unkenntnis nun an dem Beispiel der Kleiiigemeiiulearbeit so handgreiflich zutage tritt; aber gerade an diesem Beispiel ist es auch ersichtlich, daß die wirklich Kundigen und die au verantwortlicher Stelle Tätigen diejenigen Probleme gekannt haben, von denen die jüdische Öffentlichkeit sonst wenig wußte. So darf gesagt werden: das Problem der Provinzgemeinde besteht nicht erst seit dem Jahre IQ33, und die Arbeit für die Provinzgemeinde — das soll gerade anläßlich des Jubiläums des Landesverbandes ausgesprochen werden — wird nicht einmal erst seit 1925 geleistet, sondern umgekehrt war es die srhon vorher aus der Kenntnis des Kleingetncinde-Problems und im Dienste der Kleiugemcinde geleistete Arbeit, die vor mehr als einem Jahrzehnt zu der (iründung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden geführt hat. Und wie wenig selbst damals das jüdische Publikum an den bedeutendsten Problemen und Arbeiten der deutschen Judenheit interessiert war, ist daraus ersichtlich, daß die Gründung — obwohl zur Gründungstagung sogar Vertreter der staatlichen Behörden erschienen waren — sich fast unter Ausschluß der jüdischen Öffentlichkeit vollzog. Und doch hatte die damals neu geschaffene Institution es sich zur Aufgabe gemacht, die preußische Judenheit, und damit den weitaus größten Teil der deutschen Juden, nach außen zu vertreten und nach innen die lebenswichtigste Aufbauarbeit zu leisten. Der weitere Verlauf der Dinge zeigt, daß der Landesverband nicht nur nach der Absicht seiner Gründer sich diese Aufgabe .gestellt hat, sondern daß ihm die gleiche Mission auch noch von einer weit höheren Instanz zugewiesen war: von der geschichtlichen Entwicklung. Das Beispiel der angeblich erst jetzt erfolgten Entdeckung der Kleingemeinde beweist aber, daß die Kenntnis vom Preußischen Landesverband und seiner Arbeit auch heute noch nicht genügend verbreitet ist. Dabei hat gerade der Lande .verband einen ganz besonderen Anspruch auf die allgemeine Aufmerksamkeit —: nicht nur wegen des Umfanges seiner Leistung auf dem Gebiete der Erhaltung und Betreuung der Gemeinden; nicht nur weil ihm sowohl in räumlich-geographischer wie auch in sachlicher Beziehung eine fülle neuer Aufgabengebiete zugefallen ist, sondern vor allem auch deshalb, weil er zwei gerade heute besonders fühlbare Erfordernisse für jede jüdische Arbeit erfüllt: Systematik und Neutralität. Gerade die Fülle der heutigen jüdischen Aufgaben macht es ja so schwer, alle nötige Arbeit nach einem einheitlichen Plan auszuführen; der Aufbau des Landesverbandes ist seit jeher derart gewesen, daß seine Arbeit stets eine systematische war. Die gesaintjüdischc Situation erfordert gemeinsame Arbeit aller inner jüdischen Richtungen; die dem Laudesverband gesetzte Hauptaufgabe Erhaltung der Gemeinden — hat alle Richtungen des deutschen Judentums seit jeher zu gemeinsamer Arbeit verbunden. Systematik bedeutet es, wenn man aller ideellen Arbeit eine lußert Grundlage gibt, die jederzeit je Jen gewünschten Uberblick über den Erfolg und den möglichen Ausbau der Arbeit gewährt. Um dies zu erreichen, ist die Verwaltung des Landesverbandes in einer Eorm aufgebaut worden, die sich die Arbeitsweise eines Ministeriums zum Vorbild nahm . Das mag manchem als Bürokratie scheinen; es ist dennoch Bürokratie im guten Sinne, und dieser behördenähnliche Charakter, den sich der Landesverband gab, hat ihm auch auf seinen einzelnen Arbeitsgebieten zur Systematik befähigt. War es doch sein Ziel, das ganze Land mit dem Netz seiner Arbeit zu erfassen, keinen einzigen Juden, gleichgültig ob in Großstadt, Kleinstadt oder auf dem Lande, außerhalb der jüdischen Betreuung zu belassen. Der immer weiter fortschreitende Ausbau der Bezirksrabbinate ist eines der vielen Beispiele dafür, wie die Maschen dieses Netzes immer enger gezogen werden, so daß bald auch der in entlegenster Gegend wohnende Jude noch einen für ihn zuständigen Rabbiner haben wird. Nicht minder bedeutungsvoll ist - heute mehr denn je — die Neutralität des Landesverbandes, die nichts mit Kompromißlern zu tun hat, sondern höchst positiver Art ist. Mögen auch die Menschen im Rat und im Verbandstag aus verschiedenen jüdischen Lagern gewählt sein, so muß doch festgestellt werden, daß sie alle in dem Augenblick, in dem sie ihre Arbeit im Landesverband aufnehmen, sich auf ein gewissermaßen neutrales Ciebiet begeben. Diese Tatsache ist im Laufe der nunmehr zehnjährigen Verbandsarbeit immer

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