Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 26 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4__0EME1NDF.BLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG- 28. Juni 1935 Da es für das Sozialamt ungemein schwierig ist, geeignete Ausbildungsstellen ausfindig zu machen, auf denen diese Personen ihre bereits in Kursen erworbenen Kenntnisse vertiefen können, ergeht an alle Stellen der Gemeinde, aber auch an alle Mitglieder, welche Bauarbeiten zu vergeben haben, die dringende Bitte, bei Vergebung du Arbeiten darauf hinzuwirken, daß auch den Umschichtlern des Sozialamtes Gelegenheit gegeben wird, auf dem Hau mitzuarbeiten, um so ihre Ausbildung /u vervollkommnen, selbstverständlich ohne Entschädigung beiderseits. Wir bitten deshalb in jedem einzelnen I alle, wo Hau- und Maurerarbeiten vergeben werden, sieh mit dem Sozialami Fernsprecher Nr. 12938) fernmündlich in Verbindung zu setzen. Private Erholungsheime und Pensionen. Im Wohlfahrtsamt unserer Gemeinde, Walter-Blümel-Str. 10, Erdg., liegen ein Verzeichnis der jüdischen Badeärzte und eine Adressentafel von jüdischen Pensionen in Hadem aus, in die täglich voii 17—17' j Uhr Einsicht genommen werden kann. Die Jüdische Blindenanstalt für Deutschland E. V. ist das einzige ItiMitut in Deutschland, welches ausschließlich jüdische Blinde betreut. Im eigenen Heim, Berlin-Steglitz, Wrangelstr. 6/7, wird eine Werkstatt /ur Erzeugung von Bürstenwaren unter Aufsicht eines sehenden Meisten unterhalten. Die hergestellten Waren sind erstklassig und werden von Herrn Hecker und seinen Untervertretern, die zur Zeit den hiesigen Bezirk bereisen, nach Katalog verkauft und frei Haus geliefert. Mit jedem Auftrag auf Lieferung von Bürstenwaren wird die Not der jüdischen Blinden gelindert. Es wird laher höflichst gebeten, den Vertreter berücksichtigen ZU wollen und hm Aufträge auf Bulstenwaren aller Art zukommen ZU lassen. Neue Bücher Dr. Julius Höxter: Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur. Kleine Ausgabe. Krankfurt a. M. 1935 (J. Kauffmann Verlag). Oeb. RM. 3.50. Ein ausgezeichnetes Hilfsmittel für den Unterricht in der jüdischen Geschichte und Literatur stellt seit Jahren das von Julius Höxter, dem bewährten Schulmann, in fünf Banden herausgegebene „Quellenlesbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur dar, das in erster Linie für jüdische Volks- und Mittelschulen, aber auch für höhere Schulen ein Lehrmittel an die Hand gibt, das in ausgezeichneter Weise den Gcschichts- und Literaturunterricht lebendig ZU untermauern geeignet ist. In sehr geschickter Auslese sind <v>uclleiistuckc aus allen Perioden der jüdischen Geschichte wiedergegeben, die das Leben der Juden in den verschiedensten Ländern betreffen. Besonders willkommen wird der Anhang sein, in dein ausgewählte Quellenstücke in sorgfältigem hebräischen Druck vereinigt sind. Wenn v. ünsche ausgesprochen werden sollen, so wäre es die Hinzufügung des Meteg bei den hebräischen Stücken, um auch den weniger (ieubten die richtige Betonung nahezubringen. Bruno Walter: Von den moralischen Kräften der Musik. (Herbert Reichner Verlag. Leipzig C I, 19J5.) Ein Vortrag des berühmten früheren (iewandliausdirigenten, gehalten im Kulturbund zu Wien, liegt nunmehr in Broschurcnforin vor. Im Anfang seiner Ausführungen will der Verfasser dem möglichen Mißverständnis vorbeugen, dal! die moralischen W irkungen der MiMk als ihre wichtigste Mission anzusehen seien, mau solle die I onkunsl nicht als Erzieherin, als eine Art „Edelgouvernante". betrachten, das wesentliche blieben ihre musikalischen Kräfte und Wirkungen. W enn sie aber dabei außerdem eine Weltverbesserung bewirkte, so wäre dies nur zu wünschen, Sodann betrachtet W alter die Persönlii hkeiten der großen Musiker und kommt zu dem interessanten Ergebnis, daß bei ihnen geniale Schöpferkraft nicht unbedingt mit dem edelsten Charakter Hand in Hand zu gehen braucht. Lr sagt: „Nur empfiehlt es sich..., nicht anzunehmen, dal! die Musik uns gut und vollkommen, vielleicht aber doch, dal! sie uns besser machen kann." Sehr eingehend beschäftigt sich der Verfasser dann mit dem Problem der „atonalen" Musik. Er behauptet mit Recht, die Tonkunst beruhe auf der Tendenz der Auflösung einer Dissonanz in eine Konsonanz, des Stiebens von der Unruhe zur Ruhe. Hier liege der Irrtum der Atonalen: da sie die IOnalit.it kiigneten, seien ihre Dissonanzen nicht der I Ortschreitungen bedürftig, hätten also ihren Sinn verloren. Doch Walter betont, dal! selbst die kühnste Harmonik nie atonal genannt werden darf, solange sie sich auf eine noch irgendwie erkennbare lonalit.it bezieht. Wenn jeder Komponist auch seine Gefühle durch die Sprache der Musik ausdruckt, so warnt der Verfasser doch davor, musikalische Werke als eine Art „Privatbrief'' ihres Schöpfers aufzufassen. Dann untersucht er die dramatische Musik und findet, daß diese bei der Schilderung von Grauenhaftem, Dämonischem sieh auf Gebiete begibt, die außerhalb ihres eigentlichen Elementes liegen. Er meint, am ehesten stünden der Tonkunst zwei Gebiete zur Verfügung: Ethos und Eros. Zuletzt spricht Walter von der Wirkung der Musik auf asoziale und antisoziale Elemente; er bringt Beispiele, wie Zuchthaussträflinge sich allmählich durch gemeinsames mehrstimmiges Singen nesselten. Der Verfasser schlieltt seine Ausführungen mit dein Gedanken, dal! genau genommen alles Reden über Musik unnütz sei; man mÜSSC sich selbst in ein Meisterwerk versenken und seine ethischen Werte auf sich wirken lassen. Das in schöner, klarer Sprache geistvoll abgefaßte und in vorzüglicher Ausstattung herausgegebene Werkchen ist jedermann — besonders aber dem Musikliebhaber wärmsten! zu empfehlen. W. Lpl Nachlath Schemuel; Diwre Bina; Talmudischc Abhandlungen. In alten Zeiten war es das Bestreben jeder jüdischen Gemeinde, die etwas auf ihren Ruf hielt, an der Bereicherung der zeitgenössischen jüdischen Literatur irgendwie beteiligt zu sein. Mit dem Vorhandensein aller erforderlichen Einrichtungen zur Hebung und Förderung des religiösen Lebens, auch mit Institutionen wie Beth-I lamidrasch und Jesclüwa, pflegte mau sich noch nicht zu begnügen; zum Stolz einer echten Kchilla gehörte es, dalt Gelehrte aus ihrer Mitte eigene Werke verfaßten, daß aus ihrem Kreise heraus die biblische oder talmudischc Wissenschaft bereichert wurde. Aus solchen Erwägungen haben wir Veranlassung von einer Neuerscheinung attl dem jüdischen Büchermarkt mit Freude und Befriedigung Kenntnis zu nehmen. Ein seit vielen Jahren in unserer Stadt lebender hervorragender Talmudgelehrter, der gewill weiteren Kreisen unserer Gemeinde bekannt wäre, wenn ihn nicht die edle Tugend der Bescheidenheit in einem Maße auszeichnete, daß er sich immer im Hintergrund hält und die Öffentlichkeit meidet, Herr Rabbiner Isaak Wolf Mclamed, hat in Gemeinschaft mit seinem Bruder Samuel, dem Q$meinderapbiner in Zeikaschak (Litauen), ein rabbinisches Responsenwerk herausgegeben, das den beiden Verfassern bei Kennern und Fachgenossen zweifellos grolle Anerkennung erwerben wird. Wichtige Partien des Talmud werden lichtvoll behandelt, zu bedeutsamen religionsgesetzlichen Problemen wird dort mit groller Sachkenntnis, teilweise mit Überraschendem Scharfsinn, vor allem aber mit erstaunlicher Bclesenheit in unserer heiligen Responsenliteratur Stellung genommen; wenn auch in den meisten Kapiteln auf Aktualität der behandelten liegenstände kein Gewicht gelegt worden ist, so werden doch auch solche Fragen behandelt, die aus der Problematik der Gegenwart entstanden sind; ich greife da zum Beweis die halachische Auseinandersetzung über das Schächten heraus, ob und inwieweit das Religionsgesetz mit den zurzeit in Deutschland herrschenden staatsgesetzlichen Bestimmungen in Einklang zu bringen wäre. Da das W erk auch schöne, geistvolle homiletische Stücke enthält, die in leicht verständlicher Sprache geschrieben auch den Weg zum Herzen finden, so ist die Anschaffung dieses, übrigens auch recht ansprechend ausgestatteten Buches jedem thoralichciidcn Mitgliede unserer Gemeinde und darüber hinaus jedem Glaubensgenossen zu empfehlen. Das Buch ist vom Verfasser, Rabb. I. Mclamed, Leipzig, Qneisenaustraße 7, zu beziehen. Rabb. Dr. Carlebach. Jüdischer Sport. (Von unserem ständigen Berichterstatter Deka.) „Makkabi-Jugend treibt Sport", unter diesem Motto stand das ruinier, das der hiesige „Bar Kochba" mit 7 Mannschaften gegen „Bar Kochba Hakoali" Berlin zur Durchführung brachte und das wiederum zeigte und bewies, mit welcher Begeisterung die Jugend ihre sportliche Aufgabe auffallt, wenn sie nur richtig geleitet und geführt wird. Sport ist Aufgabe an der Jugend, und darum ist es kaum verständlich, dal! die Eltern und die Älteren dieser Veranstaltung nicht das Interesse entgegenbrachten, das sie verdiente. Es genügt nicht, sich ab und zu einmal ein Fußballspiel der I. Mannschaft anzusehen, man hilft erst tlem Sport, wenn man der J u g e u d wahrhaft dient. Im Mittelpunkt des Sonntags stand der Aufmarsch von etwa 400 Jugendlichen, und die anschließende Kundgebung mit der Ansprache von Norbert Mnuchim. Ein herrlicher Anblick, diese jungen Menschen, denen man die grobe Liebe und Freude au der jüdischen Sache vom Gesicht ablesen kann. Im sportlichen Teil mit Fußball, Handball und Leichtathletik errang Leipzig den Gesamtsieg, dank der guten Leistungen seiner Handballer und seiner Knaben-Leichtathleten. Seine beiden Fußball-Vertreter, die Knaben und die Jugendclf, mußten als Besiegte vom Platze gehen, diu erstere führte bereits nach kurzer Zeit 2:11, aber der Kampfgeist des Gegners und einige Fehler der Hintermannschaft brachte noch ein 3:2 fiir die Berliner zustande, die Jugend unterlag knapp 0:1. Die „Damen" zeigten sieb von der besseren Seite, da beide Garnituren, die Mädchen 1:1) und die Jugendlichen 3:0, gewannen, die „Herp-n" Handballelf beschloß den l ag und holte auch den höchsten Sieg von 7:3 heraus, technisch war der Gast wohl überlegen, aber Leipzig zeigte mehr Kraft vor dem Tore. Die beste Leistung der Leichtathleter vollbrachte Syradsky, Berlin, es sei jedoch nicht unerwähnt, dal! er bis vor 2 Monaten beim hiesigen „Bar Kochba" in die Lehre ging. Alle drei Disziplinen des Dreikampfes (100 m-Lauf, Kugelstoßen, Weitsprung) beendete er als Sieger, womit seinem „väterlichen" Verein der beste Beweis gegeben ist, dal! er mit seiner Jugendarbeit den richtigen Weg geht. Beim „Schild" herrscht schon I crienstimnumg, allerdings nur bis zum grollen Entscheidungsspiel um die Reichsmeisterschaft. Nur ilie II. Mannschaft trat in Akbon und besiegte eine Finnenelf glatt mit 7:2. Die Knabenelf sollte und wollte spielen, aber der Gegner, Spieler der 1. und 2. Klasse der jüdischen Volksschule, liel! zum groben Teil auf sich warten, ist das sportlich gedacht, Ihr Fehlenden?! Herausgegeben vom Vorstand der Israelitischen Rellgionsgemelnde tu Leipzig. Schriftleltnng: Oemeuiderabblner Oustav Cohn, Leipzig CK Walter Blfimel-Str. 10,111. Anzeigen : Verlag Ein Ooldlreund, Leipzig OS, UcborlnsstraBe Sa. Anzeigenleiter: Ernst Ooldfreund, ucboriosstraBe Sa. Für die Aufnahmt von Anzeigen in bestimmten Nummern und an bestimmten Plätzen wird keine Qewähr übernommen. Druck: Druckereider Werkgemelnschatt, Leipzig Cl.Bruderslr.19. D. A. I. 35. 4250. Für den Inhalt der Inserate fibernehmen Gemeindevorstand und Schriftleitung keine Verantwortung.