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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1935-06-21 · 25 (21.6.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
11 (1935)
Issue
25 (21.6.1935)
Date
1935-06-21
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 21. Juni 1935 Aus dem Gemeindeamt Verhalten in Bädern (Mitteilung des C.V.-Syndikats). Die Badezeit erfordert es, daß das Auftreten in den öffentlichen Schwimm*, Sonnen- und Luftbädern mit größter Zurückhaltung erfolgt. Wir erwarten dringend von allen weiblichen und männlichen Gemeindemitgliedern, daß sie sich bei dem Besuch von Bädern den notwendigen Takt und die notwendige Zurückhaltung auferlegen, die zur Aufrechterhaltung der Würde erforderlich sind. Musterung jüdischer Wehrpflichtiger. Die Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: $ 15 des \\ ehrgesetzes, der den aktiven Wehrdienst grundsätzlich an die Voraussetzung der arischen Abstammung knüpft, hat vereinzelt Zweifel darüber hervorgerufen, inwieweit die jetzt stattfindende Musterung und Aushebung 10 55 die deutschen Juden betrifft. Zur Behebung einer etwa hier bestehenden Unkenntnis gibt die Reichsvertretung der deutschen Juden folgendes bekannt: Der Wehrdienst, durch den die Wehrpflicht erfüllt wird, umfallt sowohl den aktiven Wehrdienst als auch den Wehrdienst im Beurlaubtenstande. Arische Abstammung ist lediglich Voraussetzung finden aktiven Wehrdienst. Hieraus folgt, dalt die deutschen Juden Dienstpflichtige im Sinne der auf Qrund des Wehrgesetzes ergangenen Verordnung über die Musterung und Aushebung 1935 sind. Zu dieser werden jet/t erstmalig die Wehrpflichtigen der Jahrgänge 1914 und 1>M5, in Ostpreußen auch des Jahrganges 1910, herangezogen. Der Dienstpflichtige hat sich /ur Musterung zu Bestellen und jedem Einberufungsbefehl /um Wehrdienste Folge zu leisten. Da die deutschen Juden wehr- und dienstpflichtig sind, auch wenn sie nicht zum aktiven Wehrdienst herangezogen werden, haben sie ihrer Gestellungspflicht im vollen Umfange nachzukommen. Es wird in dieser Beziehung auf die Verordnung vom 1. Juni ll)15 (RGBl. I S. 697), auf die öffentlichen Anschläge und Tageszeitungen verwiesen. Nach S 1') Abs. 2 der genannten Verordnung werden wehrfähige Dienstpflichtige nichtarischer Abstammung, die innerhalb der I rist von zwei Wochen nach dem Musterungstage keinen Antrag auf Heranziehung /um aktiven Wehrdienst einreichen, der Ersatzreserve II überwiesen, womit sie in den Beurlaubtenstand übergehen. Die Möglichkeit dieser Antragstellung beruht darauf, dal! nach § 15 des Wehrgesetzes ausnahmsweise von der arischen Abstammung bei der Heranziehung für den aktiven Wehrdienst abgesehen werden kann. Diese Ausnahme kommt für reinrassige Juden nicht in I rage; der Leiter des Wehrmachtamtes im Reichskriegsministerium, Generalmajor von Reichenau, erklärte in seiner amtlichen Auslassung vor der deutschen Presse am 22. Mai 1035: „Reinrassige Juden werden zum aktiven W ehrdienst nicht herangezogen" (vgl. den Abdruck im „Völkischen Beobachter' vom 23. Mai ly35). Es ist demnach /wecklos, du Ii deutsche Juden ihre ausnahmsweise Heranziehung zum aktiven Wehrdienst beantragen. Dies muli festgestellt werden, so schmerzlich auch die gesetzliche Regelung das deutsche Judentum berührt. Die Stellung solcher Anträge wäre auch unverträglich mit dem Gebot jüdischer Zurückhaltung. (JTA.) Neue Bücher Manfred Sturmann: Herkunft und Gesinnung. Jüdische Gedichte. Berlin 1035 (Erich Reiss Verlag). I Ke dichterische Kraft Manfred Sturmanus, von Buch zu Buch gewachsen, zeigt sich in diesen reinen, reichen Versen stark und Bedeutend. Diese „Jüdischen Gedichte" sprechen aus unserer Gegenwart zu uns, besonders stark zu unserer Jugend. In knappen Worten verbinden sie unsere Qegenwirtigkeil mit dem grollen jüdischen Erbe unserer Väter, der ewigen judischen Aufgabe. Wie in einer Lösung klingt dies Motiv in dem fast inarschliaft festen Rhythmus und Keimklang der Gedichte „Der Siedler" und „Hachschara" aus. In anderen Gedichten formt Sturmanu das urewige, gewaltige Bild der Schöpfung in neuen Worten, in neuem Erleben. Lin dritter Zyklus ist der dichterischen Gestaltung Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte und Tradition gewidmet. So rundet sich das Qanzc dieses Buches zu einem starken, packenden Bilde unseres jüdischen Bereiches. Neue Veröffentlichungen der Jüdischen Buchvereinigung. Unter Bezugnahme auf die an gleicher Stelle in der vorigen Nummer veröffentlichte Notiz teilt die JBV. mit, dali alle näheren Auskünfte in der Geschäftsstelle Leipzig, B. Kahn, Mahlmannstr. Ol, Fentspr. 36214, erteilt weiden. Jüdischer Sport. (Von unserem ständigen Berichterstatter Deka.) König > ulihall geht nun allmählich in die Sommerfellen, nach fast elfmonatiger ununterbrochener und anstrengender Tätigkeit hat er sie auch verdient. Was erlebt er nicht alles während dieser Zeit, I reude bei den einen, Enttäuschung bei den anderen, und doch freut man sich wieder, wenn er wieder in Tätigkeit treten kann. Andere Sportarten müssen jet/t in den Vordergrund treten, und dem ist recht so, denn zu einem echten Sportler gehört die Vielseitigkeit in seiner Aktivität. „Bar Kochba" eröffnete die Leichtathletiksaison mit einer kleinen internen Veranstaltung, die leider der bösen Laune v<,|i l'etrus zum grolien Teil zum Gpfer fiel, dafür steigt am Sonntag auf seinem Platze das grolle Jugendturnier gegen zwei Berliner Mannschaften. Und was sagen Sie zum „Schild"?! Einen solchen Aufstieg der spielerischen Leistung hatte man sich vor einem Jahr noch nicht im entferntesten erträumt. Die I. Fußballmannschaft ist mit einem 3.1-Sicg am Sonntag gegen „B.S.0.33" in Berlin Endspielgegner für die Reichsmeisterschaft geworden, ilie auch sehr wahrscheinlich im August gegen „Schild"-Frankfurt in Leipzig zur Durchführung kommen wird. Das war eine Aufregung schon die ganze Woche vor diesem Kampfe, denn es bedeutet immerhin eine grolle seelische Belastung für die Spieler, in solch kurzer Zeit so viel spielerische Verantwortung tragen zu müssen. Erhöht wurde diese Spannung, daß in der zweiten Hälfte des Spieles nur noch Kl Mann zur Verfügung standen, da der Halblinke sich nach 2(1 Minuten den Kampf der anderen von außen ansehen mußte. Bei Halbzeit hieß es 1:1, und nun gab es nur noch eine Losung gewinnen! Alle Manu nach vorn, war ilie Parole, und diese Taktik hat auch zum Siege geführt. Der Erfolg ist groll, aber noch schöner und grölier war die restlose Hingahe und Aufopferung des einzelnen in diesem Spielabschnitt bis zum letzten. Das war echte Sportauffassung, die in dieser Art auch das letzte und grolle Ziel erreichen lällt. Es wäre unangebracht und u irecht, hier den Mallstab der Kritik anzulegen, denn alle gaben ihr Bestes, und dieser Sieg gegen den vorjährigen Reichsmeister spricht für sich und die grolle Mannschaftslcistuiig. Im Vorspiel trafen sich die I. Handballmannschaften beider Vereine, und auch hier gewann die Leipzigei Elf mit 0:4. Trotz vielem Ersatz, und wohl gerade deshalb, hat auch sie sieh restlos eingesetzt und damit bewiesen, dall doch allerhand in dieser Mannschaft steckt. Herausgegeben vom VoriUnd der israelitischen Religionsgemeinde in Leipzig. Schriltleitung: Oemeinderabbiner Gustav Cohn, Leipzig C1, Walter Blftmel-Str. 10, III. Anzeigen : Verlag Elsa Ooldlreund, Leipzig OS, CichorlusstraBe Sa. Anzeigenleller: Ernst Ooldlreund, Clchoriusstraße 2a. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Nummern und in bestimmten Plätzen wird keine Qewihr übernommen. Druck: Druckerei der Werkgemeinschaft, Leipzig Cl, Brflderttr.19. D. A. I. 35. 4250. Für den Inhalt der Inserate fibernehmen Gemelndevorstand und Schriftleitung keine Verantwortung. Vereinsnachrichten. Die Veröffentlichungen dieser Rubrik gehen von den Vereinen aus; die Schriftleitung trägt für sie lediglich die im Gesetz festgelegte Verantwortung. fReichsbund jüd. Frontsoldaten, Ortsgruppe Leipzig. Geschäftsstelle: Dr. Jacoby, Markt 8, Aufg. A.III. Tel.70251. /ur Juhiläunis-Ktindgchung am Montag, 24. Juni, 20 Uhr, im Grollen Theatersaal des Krystallpalastes haben alle Kameraden bis spätestens '-'/fi Uhr zu erscheinen. Näheres siehe Inserat. Sportverein „Schild", Leipzig. Geschäftsstelle: Leipzig C 1, Markt IcDÖDTl Nr.8, Aufg. A.III. Sportplatz.: Thekla, Theklaer Stralle, \zlii \ Endstelle der Linie 1. RIF1 Anläßlich der Jubiläums-Kundgcbung des Reichsbundes \// jüdischer Frontsoldaten erfolgt der offizielle Einmarsch der aktiven Sportler und Sportlerinnen des Sportvereins ,,Schild" in den Theatersaal des Leipziger Krystallpalastes. Hierüber ergehen noch nähere Anweisungen. Eür sämtliche Sportkameraden und Sportkanieradinnen ist es Pflicht, an dieser Kundgebung teilzunehmen. Näheres siehe R. j. L.-Inserat. Am Sonntag-Vormittag findet auf unserem Sportplatz. Leichtathletik-Training, sowie Euß- und Handhallwettkämpfe statt. Jüd. Sportverein Bar Kochba e. V. Leipzig. M a k k a b i j u g e n d treibt Sport! Sonntag, 23. Juni, findet im Rahmen ML eines Klub/w eikampfcs Bar-Kochba-I lakoah Berlin gegen aw^c*.Ä Bar Kochha-I.cipzig ein großes Jugendsportfest statt. Es ist keine Mülle gescheut worden, um es unseren gesamten Jugendlichen zu ermöglichen, sportlich ihre Kräfte mit den besten Berliner Makkabisportlern zu messen. Ein großer Aufmarsch sämtlicher Jugendlichen mit gemeinsamen gymnastischen Übungen, die nicht eingeübt wurden, sowie eine Makkabi-Weihestunde werden die Veranstaltung umrahmen. Wir fordern alle Eltern, Gönner und Mitglieder auf, am Sonntag mit anwesend zu sein, wenn ihre Kinder auf dem Platz ehrgeizig um sportliche Ehren kämpfen. Die Spiele der Wettkämpfe finden zu folgenden Zeiten statt: 11 Uhr: Jugend Eußball (großes Feld), 11 Uhr: IL Knaben Handball (kleines l eid), 12,15 Uhr: Mädchen (bis 17 geboren) Handball (großes Leid), 12,15 Uhr: II. Knaben Fußball (kleines Feld), 14,30 Uhr: I. Knaben Handball (großes Feld), 14,30 Uhr: Mädchen (bis 20 geboren) Handball (kleines I cid), 15,30 Uhr: Allgemeiner Aufmarsch mit unvorbereiteten Freiübungen, sowie Makkabi-Weihestunde, 17 Uhr: I. Knaben I uliball (großes Feld), IS Uhr: Jugend Handball. Ii o x a b t e i I u n g : Nach den großen sportlichen Erfolgen der letzten Veranstaltungen findet der nächste Boxabend am Sonntag, 11. Juli, statt. Nach langwierigen Vorverhandlungen ist es gelungen, den besten jüdischen Boxer Deutschlands, den Deutschen Makkabim eist er und Makkabiah/weiten Franke zu einem Kampfe gegen den in Leipzig gut bekannten ehemaligen mitteldeutschen Meister (i a b 1 e r (Chemnitz) zu gewinnen. In einem weiteren Kampfe wird Lieser I gegen seinen Berliner Bezwinger Rüben antreten. Makkabi-Chemnitz entsendet ebenfalls einige sehr gute Boxer. aji

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