Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 14 (5.4.1935)
- Date
- 1935-04-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Auflage 4250 Stück ® cmcinö eblatt OER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZV LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLAT? DER GEMEINDEVERWALTUNG! Schrittlei tu ngi Qcmt inderabbin er Quslav Cohn Leipzig Walter Blümel-Str. 10. — Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Nummer 14 - Jahrgang 11 5. April 1935 Anzeigenannahme i E. Ooldfreund, Leipzig 05, CichoriusstraBe 2a, Fernsprecher Nr. 60771 Druck: Druckerei der Werkgemeinschall, Leipzig C I. Zehn Jahre Universität Jerusalem. Skeptiker schüttelten vor zehn Jahren über die Einweihung einer Hebräischen Universität in Jerusalem die Köpfe. Meinten, dall dieses Institut nichts als eine (ieste, eine Demonstration sei, dali ihm nie eine praktische Wirksamkeit zukommen würde. Heute kann es niemanden mehr geben, der nicht voller Dankbarkeit auf das Werden und Wachsen dieser in der Tiefe jüdischen Wesens ruhenden Forschunga- und Lehrttfttc blickt. Mehr und mehr hebt sich die ungeheure Bedeutung ab, die diese jüdische Hochschule in dem Neubau jüdischen Daseins haben wird. Ihr obliegen wissenschaftliche Anfallen, die nur auf dem geschichtlichen Boden des alten Israel gelöst werden können; nur sie kann die Erforschung der palästinensischen Verhältnisse durchführen und damit die Klärung praktischer Ver- .\ ertungsmöglichkeiten, die der Neubelebung des Landes wichtigste I Haute leisten. Aber darüber hinaus wird sie ihre Tore den Wissenchaftlern, Gelehrten und Studierenden offenhalten, denen der Zugang /u den akademischen Bildungsstätten anderer Länder versperrt ist. Und so wird die Hebräische Universität innerer und äulierer Notwendigkeit jüdischen I )aseins gerecht. Der Gedanke eines geistigen Zentrums begleitet das Judentum lurch lange Jahrhunderte seiner Geschichte. Hille] den Babylonicr drängt sein Wissensdurst aus seiner Heimat nach Jerusalem, um im Lehrhause der bedeutenden Gelehrten Schema ja und Abtaljon seine wissenschaftliche Ausbildung zu vollenden. Jochanan b. Sakkai sammelt die Gelehrten in Jawne, als Jeruilem von den Römern zerstört wird. Nach Utcba, nach Sepphoris, nach Tiberias werden nacheininder die Qelehrtcnschulen verpflanzt: Mitchna und Jerusalemischer I almud sind die bleibenden Zeugnisse Umfassender Forschungsarbeit, die in diesen Hochschulen auf palästinensischem Boden geleistet wird. Mit Ende des 1. Jahrhunderts sinkt die Bedeutung dieser Lehr- '.ätten im Lande Israels; die seit dem 3. Jahrhundert in Babylonien iitstandcnen Hochschulen erlangen das Übergewicht. In Sura und 'umbedithj hatten sich geistige Zentren gebildet, in denen jüdisches Forschen und Denken nuammenflofl und jenes gewaltige, anlassende talinudische Schrifttum hervorbrachte, das wie eine machtvolle „Universität" bis auf den heutigen Tag Untergrund aller jüdischen Geistesarbeit geblieben ist, eine Universitas im wahren Sinne, weil in ihm kein Gebiet wissenschaftlicher Arbeit vermiBt w ird. Lange Zeiten blieb Babylonien durch diese Schulen geistiger Schulgeld für die jüd. Schule. Auf Grund einiger Rückfragen wird unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung in Nr. 13 des Gemeindeblattes darauf hingewiesen daß für den Monat April 1935 das Schulgeld in voller Höhe zu bezahlen ist. Kinder, für die das Schulgeld für den Monat April nicht bezahlt worden ist, werden zu Beginn des neuen Schuljahres zum Unterricht nicht zugelassen. Leipzig, den 2. April 1935.) Der Vorstand der Israel. Religionsgemeinde zu Leipzig Mittelpunkt, bis einzelne Länder durch eigene Schulen lieh loslösten. Solche aber konnten, bei aller Grölie ihrer Leiter und Lehrer, nicht die Aufgabe eines einheitlichen Hochtchulwerket erfüllen: sie bildeten ilie geistigen Führer der (lemeinde ihres Bereiches heran, gaben auch den gröltten unter ihnen das Küstzeug für ihre Werke und ihr Wirken; manche der wichtigsten und cinfhillrckhstcii Schriften sind ihnen zu danken. Aber nicht den Schulen, nicht der üelehrtcngemeinschaft, sondern den grollen Persönlichkeiten als solchen. Dann, beim ausgehenden Mittelalter, kamen Zeiten, in denen das wissenschaftliche Streben der Juden auf den allgemeinen Uni: verspäten Nahrung zu finden begann. Die jüdischen Schulen hatten ihr Arbeitsgebiet auf das Rabbinische eingeengt, an Kenntnissen aus den profanen Wisscnskreiseii nicht mehr die Ergebnisse eigener Arbeiten vermittelt, sondern den Niederschlag, den sie im alten Schrifttum gefunden hatten. Die Möglichkeit, eigene Institute zu errichten, hatte wohl hie und da bestanden, aber nicht ergriffen «erden können. So fielen die einst durchaus zusammenstimmenden gelehrten Arbeiten der Juden auf speziell jüdischem und auf allgemeinem Gebiete aufeinander. Es lehlte der Ausgleich zwischen den ja gar nicht zu trennenden Bezirken geistiger Betätigung. Der Ruf nach der jüdischen Universität ist oft gehört worden, er verhallte. Auch als der XI. Zioiiistcnkongrell in Wien 1913 den Beschluß1 ihrer OrQndung fällte, hatte es einer beharrlichen, nicht zu entmutigenden Vorarbeit bedurft, ehe hinreichendes Verständnis zu schaffen war; und es verstrichen noch weitere zwölf Jahre, ehe die wissenschaftliche Arbeit in Angriff genommen werden konnte. Um so tiefer und echter muß die Genugtuung sein, mit der heute auf das zehnjährige Wirken gesehen werden darf. Uesen der Festtose erscheint die Hr. v. 13. April als Doppelnr. Am 20. April erscheint kein Semelndeblatt.