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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1934-09-07 · 36 (7.9.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
10 (1934)
Issue
36 (7.9.1934)
Date
1934-09-07
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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September 1934 Seite 5! Inter Vorantritt der Fahnenabteilung zogen die Bünde in die Kampfbahn ein. Es war ein eindrucksvolles Bild, das diese fast Ireitausend Jugendlichen boten. In ausgezeichneter Haltung marichierten sie au den Ehrengästen, den Vertretern aller großen Orga- Isationen des deutschen Judentums und den Tausenden von Zuichauern vorüber und nahmen auf dem Platze Aufstellung. Dr. Friedrich Brodnitz, der Vorsitzende des Reichsausschusses, egrflBte die Anwesenden, insbesondere die Vertreter der Organisationen und den Vorsitzenden der Berliner ludischen Gemeinde, Herrn Direktor Stahl, dein er dafür dankte, daß auf dem Platze der iemeinde das Sportfest stattfinden könne. Dies ist, so führte : lr. Brodnitz aus, ein Sportfest, auf dem sieb zum ersten Mal die 'iiiidisclic jüdische Jugend aller Richtungen zu einem Wettkampf treffe. Auf diesem Sportfest komme es, so meinte er, nicht auf überragende Einzelleistungen an. „Wir wollen hier nur nach den den Leistungen der Bünde fragen. Wer beute zum Wettkampf antritt, stellt nicht für sieb, sondern für seinen Bund. Wir wollen eigen, dali der Gedanke des jüdischen Sportes von der gesamten Bauchen Jugend Besitz ergriffen hat. Die jüdische Jugend bat nit den veralteten Vorstellungen gebrochen, als ob (ieist und Korper Gegner seien. Erst aus der Vereinigung beider kann der harmonische Mensch entstellen. Wer je das Glück erlebt bat, die Kräfte seines Körpers in sportlicher Übung zu spüren und sie im sportlichen Wettkampf zu erproben, der weiß, daß der kein vollwertiger Mensch sein kann, der sich dieses Erlebnis nicht erarbeitet bat." Der Einzelne, so fuhr Dr. Brodnitz fort, vertrete lim Sport seine Gruppe und seinen Bund. „Deshalb können wir auch den Sport im Rahmen jüdischer Gemeinschaftserziehung junger Menschen nie missen. Wenn wir uns beute liier zusammengefunden haben, so wollen wir damit mehr als die Gemeinschaft sportlichen Wettkampfes zeigen. Wir wollen beweisen, dalt wir uns als eine große Einheit empfinden, die Einheil einer ganzen < ieneration, die mit Anspannung aller ihrer körperlichen und seelischen Kräfte auf neuen Wegen sieb ein neues Leben aufzubauen 'ersucht. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendvcrbändc darf mit Stolz darauf hinweisen, daß er seit seiner Begründung durch Ludwig Tietz auf eine achtjährige Tradition jüdischer Gemeinschaftsarbeit zurückblicken kann. Uber alles Trennende hinweg ist der (iedanke jüdischer Gemeinschaft nicht nur proklamiert, sondern ii lebendige Tat umgesetzt worden. Wir Jungen, so fuhr Dr. Brodritz fort, wünschen so sehr, dall dieser Oedanke das ganze deutsche ludentum in allen seinen (iruppen und Schichten erfassen möge. Wir haben durch die Tat bewiesen, dali man verschiedene Wege der Erziehung gehen und sieb trotzdem als eine Einheit empfinden ' Hin. Wir stehen beute hier auf diesem Platz zusammen, deutlich gegliedert in (iruppen und Bünde, aber doch alle zusammengefaßt Iii geeint durch den Willen, eine fest in sich geschlossene Generation sein zu wollen, die (ieneration, der die Zukunft des deutschen Judentums gehören wird. Wie der Rcichsausschuß der jüdihen Jugendverbinde der berufene Hüter dieses (iemeinschaftsdankeus und dieser Gemeinschaftsarbeit ist, so soll auch sein portfest ein Symbol der Einigkeit junger jüdischer Menschen ■ in." Dr. Brodnitz, schloß mit dein Gelöbnis, dall diese Jugend ich Einsatz ihrer Kraft und ihres Lebens arbeiten wolle für jüsche Einheit, jüdische Lebcnsgestaltung und jüdische Zukunft. Dann begannen die Wettkämpfe, die einen spannenden Verlauf nahmen und bemerkenswerte sportliche Leistungen boten. Zahli iche jüdische Organisationen hatten wertvolle Ehrenpreise geltet, die von Dr. Brodnitz den siegreichen Mannschaften überi cht wurden. (JTA.) Die deutschen Makkabi-Meisterschaften 1934. Die am 2. Sep- ' nber auf dem B. S. C.-Stadion in Berlin abgehaltenen Wertkämpfe tun die deutsehen Makkabi-Meisterschaften 1934 und die leichtliletische Ausscheidung für die 2. Makkabiab, die vor über bOOO schauem stattfanden, gestalteten sich zu einer eindrucksvollen 1 ndgebung für die körperliche Erziehung der jüdischen Jugend •ltschlands und die Pflege des nationalen Bewußtseins. Der Aufn tisch der fast 2000 Mitglieder jüdischer Turn- und Sportvereine I der Jugendgruppen mit ihren Fahnen wird allen Teilnehmern Veranstaltung ein unvergeßliches Erlebnis bleiben. Im Mittel-;. nkt des Festes stand die Weibe des Banners für die Mannschaft, die der Deutsche Makkabi-Kreis im Frühjahr 1935 zur 2. Makkabiab nach Tel Awiw entsenden wird. Die Weiherede hielt Rabbiner Joachim Prinz, der die jüdische Turn- und Sportbewegung als Ti igerin der körperlichen Wiedergeburt des jüdischen Volkes in ihrem Zusammenhang mit der geistigen Erneuerung des Judentums darstellte und einen Rückblick auf ihre Entwicklung seit dem Jahre '8 8, in dem insbesondere auf die Anregung Max Nordaus die erste tu iiumcnfassiing jüdischer Sportorganisationen erfolgte, gab. Dr. Rabau, der Vorsitzende des Deutschen Makkabi-Kreises, konnte in seiner Begrüßungsansprache das große Interesse fest- •tellen, das von der jüdischen Bevölkerung dieser Heerschau jüdischen Sports entgegengebracht wurde. Er begrülite die zahlreich erschienenen Vertreter von Körperschaften, insbesondere diejenigen der Keichssportbehörde und des Gaues 3 Berlin, die bei diesem Sportfest unter anderem Gelegenheit hätten, sich von den Leistungen i der in Jie Olympia-Vorbereitungskursc aufgenommenen Verbands- I Mitglieder zu überzeugen. Er begrüßte ferner das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Prof. S. Brodetsky, die Vertreter der Reichsvertretung dei deutschen Juden, des Preußischen Landesverbandes indischer Gemeinden, der jüdischen Gemeinde Berlin, des Reichsausschusses des jüdischen Jugendverbandes und der Sportleitung des Reichsbundes jüdischer I rontsoldaten. Mit der Preisverteilung an die Sieger der zahlreichen leichtathletischen Konkurrenzen durch Präsident Dr. Rabau fand das Sportfest seinen Abschluß. An den Wettkämpfen waren fast 300 Sportleute aus sämtlichen Vereinen des Makkabl-Verbandes Deutschlands und Danzigs beteiligt. Die sportlichen Ergebnisse waren zum Teil sehr bemerkenswert. So lief Schattmann-Berlin loo .Weier in 10,8 Sekunden; im loo ni-Laiif für alte Herren, siegte Mezger-Frankfurt a, M. in 11.ö Se künden, einer Zeit, die in Deutschland in diesem Jahr noch nicht erreicht wurde. Im Hochsprung erreichten Lang-Hannover und Wasser-Berlin 1,95m. Bei den Frauen schlug Iii- Schulmann die Meisterin I rl. Mattel Jacob im Diskus mit 11,28; im Kugelstoßen wurden 10,42 m erreicht. Die Sieger des Sportfestes kommen in die deutsche Makkabiah-Vannschaft. Makkabi-Meisterschaften. Bei den am Sonntag in Berlin ausgetragenen Deutschen Makkabi-Meisterschaften wurde Friul. Fried-Leipzig deutsche Makkabitneisterin im Hoehsprung. Einige aussichtsreiche Sportler konnten aus Gesundheitsrücksichten nicht starten. Sportverein „Schild", Leipzig. Anläßlich des Sportfestes des Sportvereines „Schild", Dresden, spielte unsere 1. Mannschaft gegen die Erste unseres Dresdner Brudervereins. In einem bis /um letzten Augenblick fesselnden Spiel gelang es uns, mit _': 1 den Sieg davonzutragen. Kennzeichnend für unsere Mannschaft war das kameradschaftliche Zusammenspiel, äußerste Fairneß und volles Einsetzen bis zum Schlußpfiff. In bewährter Form leitete Sportkamerad Schmulewitz das Spiel. Die Spieler und Schlachtenbummler waren von der Dresdner Aufnahme und allem dort Gebotenen begeistert und werden den 1(). August I0J4 lange in bester Erinnerung haben. Am Sonntag, dem 2. September, war bei uns eine aus befreundeten Spielern zusammengesetzte Mannschaft zu (iaste. Unsere Erste erkannte die Schwierigkeit der ihr gestellten Autgabe und wollte mit Ehren besteben, um zu beweisen, daß sie des Vertrauens würdig ist, das von der Vereinsleitung ihr geschenkt wurde. Vom Anpfin an merkte man, dali die Aufgabe in unserem Sinne gelöst wurde, denn jeder Spieler gab sein Bestes und konnten darum Erfolge nicht ausbleiben, Bereits zu Halbzeit führten wir 4: 1 und das Ende hieß 7:2. Man sah schönste Kombinationszügc, gepaart mit kraftvollen Torschüssen bei fairem Spiel. Wir haben gesehen, daß in unserer 1. Mannschaft großes Können steckt und wir hoffen können, in Zukunft überall mit dieser Mannschaft in Ehren zu bestellen. Zahlreiche Zuschauer aus den verschiedensten jüdischen Kreisen wohnten dem Spiel bei. — er — Jüdische Zeitschau Arbeitstagung des Bundes Deutsch jüdischer Jugend. Die Bundesleitung des Bundes Deutschjüdischer Jugend teilt mit: Am 1. und 2. September trafen sich in Berlin sämtliche Landesverbands- und zahlreiche Ortsgruppenleiter des Bundes Deutsch jüdischer Jugend zu einer Aussprache über den zukünftigen Weg ihrer Gemeinschaft. In einem ausführlichen Bericht legte die Bundesleitung durch Norbert Wollheim Rechenschaft ab über die Entwicklung, die der Bund in der kurzen Zeit seines Bestehens genommen bat. Zur Zeit seiner Gründung im Dezember 1933 umfaßte er kaum 3000 Mitglieder in 35 Ortsgruppen; heute sind es 9000 Mitglieder, die in 105 Ortsgruppen zusammengefaßt sind. In mühevoller Aufbauarbeit gelang es auch, in die Kleingemeinden vorzustoßen und den Menschen, die dort mehr als anderswo der Hilfe und Anlehnung bedürfen, die bloße Bundesgemeinschaft nahezubringen. Das Wachstum des Bundes, das organisch den inneren Oesetzen der Jugendbew egung folgte, hat ihn in wenigen Monaten zu, einer jüdischen Großorganisation werden lassen, die sich in der „Seite der Jugend", Beilage der „C V.-Zeitung", ein Organ geschaffen hat. Der Buiidesbericht w urde ergänzt durch die Belichte dei 14 Landesverbandsleiter, die den besonderen Stand der Arbeit in ihren Gebieten schilderten. Am zweiten Tage umriß Heinz Kellermann in einem großangelegten Referat, dem er die Veröffentlichungen führender Buudesmitglieder zugrunde legte, die ideologische Stellung des Bundes und seine Aufgaben innerhalb der jungen (ieneration des deutschen Judentums. Die Diskussion ergab vor allem den starken Willen, das Verhältnis zum religiösen Problem und eine jüdisch betonte Lebensgestaltung zu finden. Die Arbeitstagung erhielt ihre besondere Bedeutung durch die Umbesetzung der Bundesleitung. Martin So botker, der in den vergangenen Monaten für den Bund rastlos gearbeitet und das unbedingte Vertrauen seiner Menschen gewonnen hatte, trat aus beruflichen Gründen zurück. Es war natürlich, daß seine engsten Mitarbeiter seinem Vorschlag gemäß sein Amt übernahmen. Neuer Bundesleiter ist Heinz Kellermann-Berlin; seine Stellvertreter sind Günter Friedländer und I ranz kosentbal-Breslau. Diese Menschen geben Gewähr dafür, daß die bisherige Linie des

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