Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 10 (9.3.1934)
- Date
- 1934-03-09
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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9. März 1934 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSÜEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 5 Jüdischer Frauenbund Ortsgruppe Leipzig Dienstag, den 13. März 1934, 1630 Uhr in den Räumen der Leipzig-Loge Referat: Frau Anna Neumann j§§ „Jüdischer Kulturwille in der Ausgestaltung häusl. Festesfeuer" j (Das Pessachfest) Zur Veranschaulichung des Referats dient ein schön gedeckter Sedertisch § 15 Jahre Leipziger „Bar Kochba"! Die Gründung des Leipziger „Bar Kochba" ist nicht von außen her veranlaßt worden. Weder gaben die in anderen Städten beuchenden Bar Kochba-Vereine, noch etwa die lokalen sportlichen Verhältnisse einen Anstoß dazu. Wir wenigen aktiven jüdischen Sportler waren vor dem Kriege in den allgemeinen Sportvereinen wohl gelitten. Trotzdem beschlossen wir, von Feld und Gefangenschaft zurückgekehrt, im Jahre 191Q, uns zu einem jüdischen Sportverein zusammenzuschließen. Was waren die Beweggründe? Wir hatten die Bedeutung des Sportes für unsere Jugend beruften. Wir hatten erkannt, daß Sport nicht nur Zeitvertreib, vorübergehende Modeerscheinung, sondern daß er eine soziale Notwendigkeit ist, insbesondere für uns Juden, die wir in der Großstadt zusammengeballt, von manueller Arbeit losgelöst und noch mit dem Erbe eines jahrhundertelangen Ghetto-Lebens belastet waren, in dem jeder Sinn für Kraft und Schönheit verlorengegangen war. Wir wollten die Masse der jüdischen Jugend für den Sport gewinnen, sie körperlich und auch geistig ertüchtigen; aus Judenjungen junge Juden machen! Und noch etwas anderes war es. Wir hatten gesehen, daß man uns gegenüber, die wir körperlich trainiert waren, kein Aufhebens machte; rückte aber einmal ein Jude ein, der schwach und ungeschickt war, so war es eben „der Jude". Mit dieser Bewertung der Juden, die sich immer nur nach den Schlechtesten richtete, wollten wir wenigstens auf dem Gebiete des Sportes Schluß machen. Ls gelang dem Bar Kochba bald, die gesteckten Ziele zu erreichen. Der größte Teil der jüdischen Jugend Leipzigs schloß sich ihm an. An die alte Turnabteilung mußten bald Leichtathletik*, Fußball-, Handball-, Sehwimm-, Box-, Tischtennis-, Schachbteilungen angegliedert werden; mit seinen 6—81)0 Aktiven ist der ar Kochba seit langem der weitaus größte jüdische Jugendverein tigl geworden. Wenn heute unsere Jugend anders aussieht wie früher, wenn trotz des lastenden Druckes stark und aufrecht ist und unirocjien in die Zukunft schaut, so ist dies nicht zumindest ein Verdienst der fünfzehnjährigen Arbeit des Bar Kochba. Es würde den hier zur Verfügung stehenden Raum sprengen, wollte man hier auch nur andeutungsweise die vielen herrlichen i i folge anführen, die im Laufe der Jahre in den verschiedensten Sportarten von einzelnen Kämpfern oder Mannschaften des Bar Kochba errungen worden sind. Mit der Mär von der körperlichen Unterlegenheit der Juden hat der Bar Kochba jedenfalls gründlich aufgeräumt. Würden wir uns auf allen anderen Lebensgebieten fr: ebenso offen als Juden bekannt haben und auf unbestreitbare Leistungen hinweisen können — es wäre um uns besser bestellt! (Iber seine rein sportliche Tätigkeit ist der Bar Kochba sehr bald hinausgewachsen. Es war nur zu natürlich, daß unsere Jungens und Mädels, wenn sie einmal im blau-weißen Dreß mit dem Mögen David auf der Brust vor Hunderten oder Tausenden von Zuschauern um den Sieg gekämpft hatten, es spürten, daß es da nicht nur um persönlichen Ehrgeiz oder um die Ehre des Vereines ging, sondern daß man in ihnen die Vertreter des jüdischen Volkes sah. Dies führte zu einer Steigerung des Verantwortungs- und Selbstbewußtseins unserer Jugend, und damit war auch die Voraussetzung gegeben zu einer intensiveren Beschäftigung mit jüdischen Dingen, für die sonst ein großer Teil unserer Jugend unempfänglich gewesen wäre. Die Erziehungsgruppen der Jugendlichen schlössen sich im Bar Kochba zum Makkabi Hazair zusammen, in dem jüdische Geschichte, Palästinakunde, hebräische Lieder, hebräische Sprache getrieben wurden. Diese Arbeit wird jetzt zusammen mit dem im Erziehungsziele gleichgerichteten jüdischen Pfadfinder-Bund fortgeführt. Es zeugt für diese Arbeit, daß sämtliche Führer des Hazair und ein großer Teil der Kampfmannschaft des Leipziger Bar Kochba heute als Chaltizim in Erez Israel leben. Die positive Einstellung zum jüdischen Volkstume und zum Aufbau Palästinas verbindet den Leipziger Bar Kochba mit den Makkabivereinen Deutschlands und der ganzen Welt. An allen großen Veranstaltungen des Makkabi-Weltverbandes, so in Mährisch-Gstrau, Antwerpen und Tel Aviv haben Leipziger Bar Kochbaner erfolgreich teilgenommen. Sie haben dort die beglückende Gewißheit erlangt, daß im gleichen Schritte mit uns, vom selben Willen getragen, eine Armee von hunderttausend Makkabim marschiert, die über alle Parteigegensätze und alle Grenzen hinweg nur ein Ziel kennt: den Weg zur Selbstbefreiung. An der Arbeit und der Einstellung des Bar Kochba haben die Ereignisse des letzten Jahres nicht rütteln können; im Gegenteil! Die Bedeutung und die Notwendigkeit der vom Bar Kochba geleisteten Arbeit ist durch diese Ereignisse bestätigt worden und wird heute auch von denen anerkannt, die ihr bisher fernstanden. Die allgemeine Teilnahme der jüdischen Bevölkerung Leipzigs an der Rettungsaktion für den Bar Kochba-Platz, die jetzt mit unerwartet großein Erfolge zu Ende geführt wird, ist ein sicherer Beweis dafür. So wie wir vor fünfzehn Jahren ohne jeden Zwang von außen die Arbeit im Bar Kochba begannen, so werden wir sie auch fortsetzen: in der Überzeugung, daß hinter dieser oft klein erscheinenden Arbeit das Größte und Schönste steht, was Menschen überhaupt leisten können, nämlich Arbeit an der eigenen Volksgemeinschaft, an einer besseren Zukunft des jüdischen Volkes! Dr. L. Jüdischer Sportverein Bar-Kochba e.V. Leipzig. Donnerstag, den 15. März 1934 IS jähriges Stiftungsfest Ab 24 Uhr Nachtkabarett der Berliner Prominenten u. a. mit anschließendem Ball im großen Festsaal des ,,C. T." (Eingang Gottschedstraße) Einlaß 20 Uhr - Beginn 2030 Uhr Kaufmann> ßrüh, g _ Adolf Rotter> 2 Tanzkapellen — Turnerische u. künstlerische Darbietungen l Brühl 45 - Rest, zdiner, Nicoiaistr. EIN Bannas, Else Dublon Annemarie Haase Eintritt 2.- RM. Vorverkauf: M. W.