Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 4 (26.1.1934)
- Date
- 1934-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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26. Januar 1934 Sonntag, den 4. Februar 1934,1030 Uhr im Schauspielhaus: Gastspiel des Kulturbundes Deutsther luden Nathan der Weise muH In der Berliner Premieren-Besetzung hhhbmh Karten zu RM 5. bis - .50 bei: M. W. Kaufmann, Brühl 8; Kaufhaus Brühl; Zigarrenhaus D. Rosen Nachf., Peterssteinweg 10; Der „Bucherkreis" Rose Neumann, Passage Königshaus und an der Abendkasse Zum Gastspiel des Kulturbundes: Nathan der Weise (4. Februar 1934 1030 Uhr) I Sinn und Zweck des Kulturbundes deutscher Juden kann nur der sein, aus der Not kultureller Isolierung zu der Tugend des Z.usamntenhaltcns vorzustoßen; daß Gebende und Empfangende in einem Bund gleicher geistiger Interessen geeinigt sind; daß wir betont jüdisch denken, fühlen und handeln, ohne an Verbundenheit mit deutschem Kunst- und Geisteswert zu verlieren; daß jeder einzelne sein Eigenes und Bestes hergibt, um dem großen Ganzen zu dienen, voll der Verantwortung, der jüdischen Kunst ein Beispiel von Würde, Gesinnung und Tatkraft zu geben. Kurt Singer. Lessings Nathan. Das letzte große Bühnengedicht Lessings, „Nathan der Weise", brachte vor anderthalb Jahrhunderten den jambischen Vers, den lebensvoll hohen Sprachkläng Shakespeares zuerst zur Macht auf der deutschen Bühne. In diesem Oedicht vollendet sich das Zeitalter dei Aufklarung und zugleich beginnt die große Epoche der deutschen Klassik: das natürlich Starke erscheint in der erhöhenden Ordnung des Oeistes. — Man hat oft darauf hingewiesen, daß der Jude, der im Mittelpunkt dieses Qedichtes steht, nur deshalb so ganz und gar im Rhythmus jeder Acußerung ein Jude sein könnte, weil Lessing diesen Tonfall in seiner nächsten Umgebung studieren konnte, bei seinem Freunde Moses Mendelssohn, dem geistigen Vater der Judenemanzipation zu Berlin. Man hat weniger erkannt und bedacht, daß eines noch größeren Juden Qestalt hinter dem Nathan steht: der Philosoph Spinoza, der Lessing in seinen letzten Lebensjahren tief bewegte und dessen „Amor Dei" wunderbar Qestalt wird in diesem Nathan, der da spricht: „Ich stand und rief zu Qott: Ich will; willst Du nur, daß ich will!"-- Aber was dem großen deutschen Dichter auch von jüdischer Seite her als äußere und innere Anregung zugekommen sein mag und ihn bewegen konnte, zum letzten und stärksten Ausdruck seines innersten Wesens die Oestalt des Juden zu nehmen — entscheidend ist natürlich im Oanzen und für immer das Lessingsche Wesen selbst, das sich in diesem Qedicht mit hinreißender Macht offenbart. Er ist, und zwar im allerpersönlichsten Sinne, dieser herrliche Derwisch, der „wilde, edle, gute" — der „wahre Bettler", der doch einzig und allein „der wahre König" ist. Er ist dieser edle Sultan, dieser frei schweifende und kämpfende Oeist, der nie mehr gewollt hat als „ein Pferd, ein Kleid, ein Schwert und einen Qott". Und er im tiefsten Orunde ist auch dieser Nathan, der mit der erschütternden Reinheit seines großen Willens uns über zeitliche Nöte hinweg mit der ewigen Mahnung hebt: „Es eifre jeder seiner unbestochenen, von Vorurteilen freien edlen Liebe nach." Julius Bab. Wegen der am 1. Februar beginnenden Inventur ausverkaufe [erscheint die nächste Ausgabe des |„Gemeindeblattes" schon am Donnerstag, den 1. Jebruar Anzeigenschluß für diese Nummer ist Montag, den 29. Januar Reichsarbeitsgericht zur Frage der fristlosen Entlassung jüdischer Angestellter. Das Rcichsarbeitsgericht hat in einer Entscheidung vom 25. November 1933 grundsätzlich zur Frage Stellung ge- Inommcn, ob Angestellte, insbesondere leitende Angestellte, lediglich wegen ihrer Rasscnzugchörigkeit fristlos entlassen werden können. In der erst jetzt bekanntgewordenen Begründung stellt das höchste Arbeitsgericht ausdrücklich fest, daß der Satz, jeder Angestellte nichtarischer Abstammung könne fristlos entlassen wer- Uen, nicht anzuerkennen ist, auch nicht unter der veränderten Einstellung gegenüber dem Judentum im nationalsozialistischen Staat. Immerhin könne die Zugehörigkeit zur jüdischen Rasse einen ürund Vur fristlosen Entlassung abgeben. Doch seien dabei stets die Verhältnisse des Einzelfalls zu prüfen, und zwar, „aus den geklärten Anschauungen der tiegenwart heraus". Keinesfalls könne der Boykott vom 1. April 1933 für sich als Grund augesehen werden, da s sich hierbei um eine vorübergehende Maßnahme gegen die jütischen Geschäfte gehandelt habe. Auch die bloß subjektive Beurchtung des Arbeitgebers, die Weiterbeschäftigung des jüdischen Arbeitnehmers werde sich schädlich für das Unternehmen auswirken, genügt nach dem Reichsarbeitsgericht keineswegs. Es bedarf vielmehr stets einer genauen Prüfung, ob in Wirklichkeit imstande vorhanden sind, die objektiv eine Weiterbeschäftigung |s für den Dienstberechtigten schädlich oder seine Interessen gcilmUud erscheinen lassen können. (JTA.) Gründung der jüdischen Buchvereinigung (J.B.V.). Der JTA. fird mitgeteilt: Unter Mitwirkung und Förderung der folgenden Organisalonen: Reichsvertretung der deutschen Juden, Preußischer Landeslerband jüdischer Gemeinden, Kulturbund Deutscher Juden, Großloge für Deutschland U.O.B.B., Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Verband jüdischer Lehrervereine, K.C., Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Freie jüdische Volkshochschule, Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau, Jüdisch-liberale Vereinigung, Soucino-Oesellschaft, Jüdischer Frauenbund, Reichsausschuo jüdischer Jugendverbinde ist die Jüdische Buchvereinigung gegründet worden. Sie soll ausschließlich gemeinnützigen /wecken dienen und sieht ihre Aufgabe darin, Werke jüdischer Verfasser, insbesondere solche, die für das Judentum von Interesse sind, zu veröffentlichen und au ihre Mitglieder zu verbreiten. So werden jüdische Dichter und Denker zu der Wirkung kommen, auf die sie und wir angewiesen sind. Die vier Bücher des ersten Jahres sind von programmatischer Bedeutung. Den Anfang macht der neue Roman von Georg Hermann „Eine Zeit stirbt". Besondere Beachtung verdient die Herausgabe einer neuen Übersetzung der gesamten jüdischen Bibel in drei Bänden, deren erster Band schon in der ersten Jahresreihe des Programms erscheint. Daran schließt sich ein Palästina-Bilderbuch, und als letztes Werk kommt „Die Geschichte der Juden in Deutschland" von Professor Dr. Elbogen heraus. Ein Nachrichtenblatt wird die dauernde Verbindung mit den Mitgliedern der Buch Vereinigung herstellen. Der Mitgliedsbeitrag beträgt im Monat eine Mark. Außerdem wird eine einmalige Einschreibegebühr von RM. 0,25 erhoben. Die Mitglieder der Jüdischen Buchvereinigung (Erwin Löwe) werden von der neuen J.B. V. übernommen und beliefert. Anmeldungen sind zu richten an die Jüdische Buchvereinigung, Berlin W15, Pariser Straße 7. Aus benachbarten Gemeinden. Planen. Am 11. ds. Monats fand hier eine Oemeinderatssitzung statt, die sich mit der Ersatzwahl zur Gemeindevertretung beschäftigte Auf Wunsch des Ministeriums sollen in Zukunft nur noch Deutsche Staatsangehörige Gemeinderatsmitglieder sein. Die Neuwahl ist auf den 11. Februar er. festgesetzt worden. Von dem aus 14 Personen bestehenden Gemeinderat werden 11 Personen neu zu wählen sein. Der neu gegründete Kulturausschuß beginnt seine Tätigkeit am 20. ds. Monats und zwar wird der erste Abend im Zeichen des Frohsinns stehen. Josef Plaut kommt zu uns. Erfurt. Der 3. Gemeindeabend am 13. Januar wurde vom Mendelssohn-Trio-Leipzig (Hella Chitrik-Piano, Konzertmeister Leo Schwarz- Violine, Prof. Afrem Kinkulkin-Violoncello) mit eindrucksvollstem Erfolg bestritten. In musterhaftem Zusammenspiel bei höchster Präzision