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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1938-07-15 · 28 (15.7.1938) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
14 (1938)
Issue
28 (15.7.1938)
Date
1938-07-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JODISCHES GEMEIN liehen an Eltern, Angehörige und Freunde geschrieben worden, deren Inhalt teilweise auch für die größere jüdische öffentlichteil und besonders für die judische Jugend in Deutschland von Interesse ist. Wir bitten deshalb alle diejenigen, die im Besitze solcher Briefe und Berichte sind, uns diese — wenn möglich in Auszügen -- zw ecks Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen. — Die Originalbriefe werden selbstverständlich wieder zurückgesandt — Hie Briefe und Berichte sind zu senden an die Jüdische Jugendhilfe U.V., Berlin- Charlottenburg Kantstr. 15S, Oartenhaus 2. Stock, mit Vermerk ,.H". Bevorstehende Veranstaltungen 18.Juli: Reichsbund jüd. Frontsoldaten: Vortragsabend. 21.Juli: Jüd. Kulturbund: „Der Tanz der Geselligkeit" (Dr. Anneliese Landau) 31 Juli: Schildplatz: Reichsoffenes Feriensportfest für jüdische Sportvereine und Vcrcinslosc. Neue Bucher Leo Baeck, Das Evangelium als Urkunde der jüdischen Glaubensgeschichte. (Bücherei des Schocken-Verlags, 87.) Berlin 10'iS. Schocken-Verlag Jüdischer Buchverlag. Einen äußerst interessanten Versuch unternimmt Leo Baeck in diesen knappen, aber auf tiefschürfenden Gedankengängen begründelen Buche. Er geht von der Feststellung aus, dal! die Bücher, die heute als die Evangelien textlich bestimmt vorliegen, nicht gleichzeitig mit den Vorgängen niedergeschrieben wurden, von denen sie belichten, sondern erst einen Weg durch mündliche Überlieferung zurückgelegt hatten. Solche Tradition ist uns aus der jüdischen l.ehrentwickluug durchaus geläufig. Auch in unserem religiösen Schrifttum hat sie wesentliche Bedeutung: Halacha und Agada sind erst aufgezeichnet worden, nachdem sie Jahrhunderte hindurch schon eine gewisse Prägung erhalten hatten, in dieser aber nur mündlich bewahrt und entwickelt worden waren. Durch den gleichen Prozell i-t auch das Evangelium hindurchgegangen, ehe es in Gestalt der Evangelien feste Form erhielt. Baeck betrachtet nun mit scharfer literarischer Scheidung die Momente, an denen Einflüsse der verschiedenen 1 berlicfcrungsstadicn zu erkennen sind. Das führt ihn dazu, aus dein bekannten Text des Neuen Testaments ein ursprüngliches Evangelium herauszuschälen und zu zeigen, in welcher engen Verbindung diese-; mit den jüdischen Glaubensanschauungen und -lehren gestanden hat. Die neue Religion wurzelte geistig durchaus im Judentum und hat erst in ihrer Entfaltung eigene Wege beschritten. Baeck belegt diese Beziehungen zwischen wichtigen Sätzen des Neuen Testaments und Lehren unseres jüdischen Schrifttums durch eine stattliche Zahl von Beispielen und gibt dadurch denen, die für eine intensivere Beschäftigung mit den behandelten Problemen wissensmällig die notwendigen Voraussetzungen besitzen, einen Anreiz, dieser neuartigen Behandhing der oft untersuchten Fragen näherzutreten. G.G. Moritz Zobel, Gottes Gesalbter. Der Messias und die inessianische Zeit in Talmud und Midrasch. (Bücherei des Schockcn-Vcrlags 90791.) Berlin 1938. Schocken-Verlag Jüdischer Buchverlag. Die inessianische Lehre ist im jüdischen Gedankengut schon in •.ehr früher Zeit festzustellen: in verschiedenen Teilen der Heiligen Schrift begegnen sich Äulterungen dieses Glaubens. Er hat dann in der judischen Traditionsliteratur, im Midrasch und im Talmud, eine vielfältige Darstellung erfahren. Mannigfache Aussprüche beschäftigen >ich mit den „Vorzeichen" des messianischen Zeitalters, den „Vorläufern" des Messias; sie suchen die ..Endfrist" zu bestimmen, in der die „Erfüllung der Weissagungen" sich vollzieht. „Der Gesalbte", als die bestimmende Gestalt dieses Zeitalters, und die Wirkungen, die von ihm ausgehen, und seine Leiden sind Gegenstand der Vorstellung, die sich immer wieder von alledem angezogen fühlt. Martin Zobel gibt in dem vorliegenden Küche eine systematische Zusammenstellung und Erörterung der auf den Messias und die inessianische Zeit bezüglichen Texte der jüdischen Traditionsliteratur. In der Einleitung zu seinein Buche verzeichnet er in knappen Strichen, was sich in der Bibel auf den Messiasglauben bezieht In einem Anhang werden die messianischen Gebetteilen und Äulterungen zur Messiaslehre im nachtaluiudischen Schrifttum beigefugt. — Das Buch gibt in seiner Vereinigung aller bezüglichen Textstellen die Möglichkeit, die Auffassung des Judentums vom Messias und des durch ihn herbeigeführten Zeitalters zu übersehen. Gemäß der Dllgleichartigkeit des Ursprungs der Äußerungen in Zeit und Person stimmen sie keineswegs immer zusammen. Gerade dadurch aln-r wird das Bild besonders interessant: zeigt es doch, wie unter verschiedenen Voraussetzungen der gleiche Kerngedanke verschieden geprägt wird. Das Buch erfordert Vertiefung und immer wiederholte Beschäftigung mit den einzelnen Stücken und mit dem Problem als Oanzcm. C. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Juni 1018. „P a I ä s t i ii a in Vergangenheit und Gegenwart" sd ließen sich die Studien überschreiben, welche das soeben er- >chieneno Jumlicft der Monatsschrift tur Gesclüchte und Wissenschaft de- Judentums in zwangloser Folge zusammenstellt. Es handelt sich dabei z. T. um recht aktuelle l>inge. So bespricht I. Elbogen die Funde von Lachisch und veranschaulicht ihre Bedeutung für die Oeschichte des Landes und der Sprache. I. Heine mann beleuchtet das Problem der Makkabäerzeit. Wie kam es, daß Antiuclios als einziger Herrscher da Altertums den Juden eine fremde Religion DE BLATT LEI PZIO__T>. Juli 1938 / Nr. 18 aufzwingen wollte? Mau hat geglaubt, er habe auf Anstiftung von Männern gehandelt, diel das Judentum nach Art der Reform des 19. Jahrhunderts zeitgemäß umgestalten wollten; H. lehnt diese gels volle These ab und zefigt, daß sich der Glaubenszwang vorwiegen aus der Erbitterung des leidenschaftlichen Königs über die Ablel, innig des Staatskultes durch die Juden erklärt. S. Krauß besprich Typen der Städteaiedlung in Palästina zu Ende des Mittelalter S. Klein berichtet über neuere Arbeiten zur Kunde des Lande i und seiner Gesclüchte. Sport vom Sonntag (Von unserem ständigen Berichterstatter Deka.) Die am Tage des B.K.-Leichtathletik-Sportfestes durchgeführten Spiele gegen den B.K.-Dresden wurden beide glatt gewonnen, di ■ Mädels kamen abermals zu einem ganz überlegenen 7 :0, und di 1. Fußballer hatten schon etwas mehr zu kämpfen, um ihr 3:0 zu erzielen, das mit Hilfe von zwei, jedoch völlig berechtigten, Hand elfmctern zustande kam. Bei diesem Spiel zeigte sich wieder einmal, daß einigen in hiesiger Elf mitwirkenden jungen Leuten doch noch ein gut Teil Entschlußkraft und Schnelligkeit fehlt, um sich völlij gleichwertig in das Ganze einzuschalten, denn Wulff und Fehl mann waren die mit Abstand Besten der Mannschaft. Trotz de; Niederlage muß man der Gastelf ein großes Loblied anstimmen, welche Mannschaft bringt trotz Fehlens jeder Trainingsinöglichkei1 diesen Kampfgeist und diese immerhin gezeigte beachtliche Leistung auf, die auf jede Schnörkelei verzichtete und durch ihre gan/ junge Elf ein ungekünsteltes, rasches, aber noch unproduktives Spiel vorführte, der das Ehrentor wirklich zu gönnen gewesen wäre Einige Tage später trafen sich die ,,AIten Herren" der beiden hiesigen Vereine abermals zu einem „Stelldichein", das B.K. in den letzten Minuten 5:3 für sich entschied. Im darauf sonntägigen Spiel dei beiderseitigen Jugendhandballer „rächten" Schilds Jungens dieses Resultat, indem es ihnen, gleichsam als Anerkennung für ihre fleißigt Trainingsarbeit, zum ersten Male gelang, die sieggewohnte B.K. Mannschaft mit dem gleichen Ergebnis zu schlagen, nachdem dies« bei Halbzeit noch 2 : 1 in Front lag. Gewiß mußten die Unterlegend auf ihren Rechtsaußen Holzer verzichten, aber das Fehlen eine Spielers darf eine Einheit nie so stark abfallen lassen, wie es am Sonntag geschah. Die Kunst des Spielens besteht in dem Sichuni stellenkönnen, gerade dann einmal etwas auf eigne Faust zu ris kieren, wenn ein Rädchen in der sonst eingelaufenen Maschinen« fehlt. Vorher spielten die Frauenmannschaften vom hiesigen B.K. um! Schild, das wiederum mit einem 3 :0 an den ersteren ging, wohl fehlt« bei „Schild" der 11. „Mann", der sich schon kurz „vor" dem Spiel« für sein Nichtautreten entschuldigen ließ, aber andrerseits fehlte einigen Mädels, scheinbar infolge Traiiiingsmangcl, die nötige Frische, um ganz durchstehen zu können. IX-s Siegers Spiel war viel systemvolli und vor allein durchschlagskräftiger. Am Vormittag waren drei Mannschaften des Schild in Chemnitz, die Mädels unterlagen knapp 4:3, was die beiden anderen Einheiten mehr als wettmachten, denn die g« mischt'-' Handballclt erzielte ein kaum glaubhaftes 18:2, und die kombinierte Fußballmannschaft schlug die dortige 1. Schildelf 10:4. Abendveranstaltungen versprechen nur dann «erfolgreich zu seil, wenn sie mit der Präzision durchgeführt werden, wie es bei den Leichtathletikfest des Schild am vorletzten Mittwoch geschehen ist In knapp 2 Stunden waren die 18 Konkurrenzen mit ihren über 100 Nennungen abgewickelt, denen trotz des Fehlens einer Aschenbahn manches beachtliche Ergebnis beschieden war. Als das hervorragendste ist unbedingt der 100 m-Lauf des Jugendliche nKrombach vom Schik Chemnitz in 11,7 Sek. zu bezeichnen, der wiederum Obstler mit 12.1 Sek. auf den 2. Platz verwies, bei den Herren benötigte Kauber 12 2 Sek. Fränkel (Jg. 22/23) lief diesmal diese Strecke in 12,8 Sek., diel t gefolgt von Kalter, der mit 10,03 m die relativ beste Weite bcii i Kugelstoß erreichte. Bei den Mädels schaffte Hannelorc Warschau« r vom B.K. die 75 m in 10,5 Sek., beim B.K.-Sportfest vor 14 Tagen ge brauchte sie für die 100 m gar nur 13,4 Sek. Auch im Wiitsprun | sicherte sie sich mit der ganz fabelhaften Leistung von 4,45 m den Sieg, womit sie Anneliese Sachs vom Schild mit ihren 4,37 m aherma I hinter sich ließ. Bei den Herren erreichte Wasscrlauf 5,78 m, Sterrheim kam auf 5,75 m, Hans Nathan auf 5,55 m, sie alle übertraf wie« derum Bubi Braun vom B.K. Jugend A mit seinen 5,80 m. Das Spee - werfen holte sich Sternheim mit 36,60 m und mit 1,53 m ebenso dal Hochspringen knapp vor Hans Nathan, der bei der vorherigen Hole einen Versuch mehr aufzuweisen hatte. Beim Jg. 20/21 holte si«li Krombach den Sieg vor Nomis, der m. E. nicht ganz voll aus st«. Ii herausging. Man sollte es nicht zur Gewohnheit machen, erst bei der voll ausgesprungenen Höhe seinen Trainingsanzug abzulegen, sondern von Anfang an mit der nötigen Konzentration an den Wettkampf herangehen. Äußerst interessant verliefen die Schlußläufe, bei den 1000 fl kam Hartfeld mit 3,1,7 Min., wiederum vor Berdaß-Chemnitz. als zweiter zum Siege, der seinen Lauf unbedingt taktisch besser einteilen muH. vor allem aber seinen Laufstil gewaltig verbessern muß. Die abschließende 4X100 m-Staffel sah B.K. als Sieger, dank der vorzüglich« n Leistung von S. Holzer, der Schilds 3. Mann förmlich stehen ließ. - Heinz Weißenstein als Verantwortlicher und Organisator der Veranstaltung verteilte die Diplome und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß dit-M-r Abend die enge und notwendige Zusauunenarb>it aller beteiligten Vereine sicherlich noch m«ehr gefestigt habe.

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