Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-11-29 · 48 (29.11.1929) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
48 (29.11.1929)
Date
1929-11-29
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4876568-5968790-5969126--2839-4880401
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

29, November 1929 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQ10NSQEMEINDE ZU LEIPZIG Seite II Neue Bücher Micrlui (ieschichten. Maassc-Kuch. Buch der Sagen und Lesenden aus Talmud und Midrasch nebst Volkserzählungen In jüdischdeutscher Sprache. Nach der Ausgabe des Maasse-Buches Atnsterdam 17-M bearbeite! vom Bertha Pappenhelm. Mit einem Qeleitwort von J. El bogen. Herausgegeben vom Jüdischen Frauenbund. Prankfurt a. M. 1929 (J. Kauffmann Verla«). Wie dem kühnen Meeresforscher zur kurzen Hast und Erholung ein Inselchen so winkt dem mit den Wogen des Talmudmeeres ringenden (ieist liier und d;i ein (icschichtcheii, ein Gleichnis, eine Fabel oder Parabel. Die Kürze ist die Würze dieser hebriisch-aramiischen Geschichten: aphoristisch! voll tiefer und geheimer Anspielungen aul Zeitlrazen und Zeitereignisse sind sie charakteristisch für den (icdankcnllug unserer Weisen, deren profane Ausspruche noch intensives Stadium heischen Zur Unterhaltung und Belehrung der Frauen wurden im Mittelalter diese (ieschichten aus Talmud und Midrasch zusammen mit manchen anderen aus ipiterer Zelt In jüdisch-deutsche Mundart Dhersetzt und als Maassebuch gedruckt. Durch die Uelicrsctz.ung in das etwas breite Jüdisch-deutsch Italien die (ieschichten an geistiger Pointiertheit und künstlerischem Schliff verloren, an (ietnutswerten, Naivität, schlichter Volkstümlichkeit und (icmcinvcrstlndlichkeit alter entschieden gewonnen. Frflulein Hertha Pappenheim, die grolle Realistin der sozialen Praxis und Romantikerin des Judentums, bringt uns ein solches MaasSebuch in deutschem Qewande mit allen Zieraten und Schnörkeln des 17,?.t gedruckten Textes, mit allen Spracheigentümlichkeiten der damaligen Zeit, Die Mannigfaltigkeit und Buntheil der Gestalten, die Harmlosigkeit, mit der von den heiligsten und menschlich allzu menschlichen Dingen fast in einem Atem gesprochen wird, erinnert manchmal an den Decatncronc des Boccaccio. W elch ein himmelweiter Unterschied aber in der Tendenz der Erfüllungen! Bei Boccaccio eitel Sinneslust, Zucht- und Sittcnlosigkeiti in unserem Maasschuch der (ieist des Judentums: Sittsamkeit. Reinheit. Heiligkeit. Mit dem Lobe der Lehre und der Bescheidenheit Moses, nnserers Lehrers, fangt es an und führt uns allmählich fast alle QroBeU in Israel, ihre Guttaten, ihr heldenhaftes Martyrium und ihre gelegentlichen kleinen Verfehlungen vor. Alle Prinzipien der Lehre: Sabbatbelllgung, Armen- und Krankenpflege, Qottes- Inrchl und Menschenliebe, Eltern- und Lehrerverehrung und immer und immci wieder Liehe zum Studium der Thon werden schlicht und unauffällig gepredigt. Deutlich ersteht heim Lesen der (ieschichten vor unserem Auge das Itild der Plauen, für die sie einstens zusammengestellt wurden, das Mild unserer UrgroBmütter, jener frommen, tapferen Frauen vom Schlage einer Glücket van Hameln, Von einer unendlichen Liehe zu der Lehre beseelt, ebneten sie selbstlos Iiis zum Sich-telbst-aus!eschen den Männern die lieblichen Pfade /um Studium und nahmen auf sich alle Mühseligkeiten und Lasten des Daseins. Wie dankbar waren sie. wenn sie in ihren MuBestunden sich an einigen Brocken vom goldenen Tisch der Thora Iahen durften. Uns modernen Frauen stehen die Tore offen zum Tempel des Wissens und der Weisheit. Die Wissenschalt des Judentums, von den Söhnen Israels nicht mehr so stark begehrt, sie sollte und mUBtC unsere 'Töchter, die künftigen Mütter in Israel immer mehr atiziehen. Anna Neumann. Ne'iiian, Schitchtfragc und Tierschutz. Ein Appell an Wahrheit und Qerechtigkelt. Leipzig 1929 (Verlag Qustav Kugel). Die Trage des Schachtverliotes kommt durch die Bemühungen dei Schicht- Keiner nicht zur Ruhe. Der Charakter dieser Bemühungen wird dadurch gekennzeichnet, dali die angeblich nur zur Verhütung von Tierquälerei erhobene Forderung fast überall von den ludenieindlicben politischen Parteien ausgeht. Neuerdings soll die Trage durch einen dcutsclinationalcn Antrag wieder in Sachsen aufgerollt werden, wo erst zu Anfang des Krieges das Schächtverbot aufgehoben worden ist. Die vorliegende Broschüre des unermüdlichen Kämpfers für den Schutz des Schichten) wendet sich vornehmlich an die Tierschützler und die Tierärzte, die sich gegen das Schichten wenden. In Anlehnung an seine früheren Veröffentlichungen verteidigt er il IS Schächten: es liegen keine sachlichen, wissenschaftlich begründeten Argumente gegen das Schächten vor: wo überhaupt Beweise versucht werden, sind sie als nicht stichhaltig zurückgewiesen worden. In Wahrheit gilt der Kampf nicht die Tierquälerei: sonst müUte er gegen tatsächliche Uualcrcicti gerichtet werden wie vor allein die Hetzjagden. AcuBerSl Interessant ist ein Versuch, den Verfasset und Verleger zur Klarstellung in der Schächtiragc .in kündigen: sie wollen durch ein Inserat in der „Deutschen Schlachthofseitung" auf diese Broschüre aufmerksam machen, erklären sich bereit, sie jedem Herarzte in Deutschland auf Wunsch unentgeltlich und portofrei zuzusenden und legen jedem Empfinger die moralische Verpflichtung auf. die Broschüre vollständig zu lesen und sich gutachtlich, insbesondere auf die in ihr gegen die Schächtgegner gerichteten Angriffe zu iuBern, Verfasser und Verleger verpflichten sich, auch beleidigende AeuBerungen hinzunehmen, ohne Beleidigungsklage zu erhellen. Mau darf gespannt sein, welches (wenn überhaupt) Material aul diese Weise gewonnen werden wird. 0 Vereinsnachrichten Poalc Zion, Ortsgruppe Leipzig Freitag, den 2t. November 1929, 20,30 l In. wichtige Mitglieder-Versammlung. Sonnabend, .tu. November \t2t, >n I hr in der Coburger Hierhalle, Brühl s. Ocffcntlicliu YVählervcrsatlliltliinK (näheres siehe Inserat). Sonntag, den 1. Dezember, Wahltag, versammeln sich alle Parteig e n OS S e n und arbeitswillige W a h 1 Ii e I f e r pünktlich 8,30 Uhr früh im Horochow-Heim. Ebcrhardstr. 13, Keiner darf fehlen. Der Wahlausschuß. Tür das Winter-Semester 1929/30 wurde folgender Vorstand gewählt: Vorsitzender: caud. oce. M. Abramowitz; Kassierer: cand. oec. M. Pischtnamt: Sekretäre: cand. med. Ch. Bruskiu und cand. agr. A. Kaczor. Kulturlciter: cand. oec. Deutsch, lieisit/er: stud. med. S. Kogau. Kontrollkommission: Herling. Kapel. Schächter. Jung-Jüdischer Club Am Mittwoch, dem 4. Dezember spricht Herr Qemeinderabbiner I'i V. (i o I d in a n n über ..Die jüdische Kultur in Palästina u n d in der Diaspora." Dieser Vortrag ist der Abschluß der Reihe „Begriff und Wesen einer jüdischen Kultur". Die Veranstaltung findet im Saale des Jugendheims, UniversititsstraBe 24, statt. Beginn p U n k t I i c h Jo..(o V h r. Um unliebsame Störungen zu vermeiden, wird ersucht, rechtzeitig za erscheinen, (iäste lierzl. willkommen. Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe Leipzig. Donnerstag, den 12. Dezember, 20,30 Uhr im Saale der Alten Morse (Naschmarkt): Referat der Pra« Anna Neumann über: Ost jüdische Literatur, (iäste. auch Herren und Jugend, herzlichst willkommen. Von den in dieser Nummer unter ..Neue Bücher" angezeigten „M lallt- Büchern' sind noch einige wellige Exemplare zum Subskriptionspreis^ (M. (i. statt M. 9, ) bei Frau Else Cohn. LOhrstr, 10, zu haben. Jüdischer Tarn- und Sportverein Bnr Knehha. Leipzig. Schwlmmabtsiloag: Am Sonntag, dem Id. November startete unsere Kampfmanschaft, anliBlich eines Schwimmlestes, im Carolabad. W ir können mit diesen ersten Krfolg der W elleiibadsaison. nur zufrieden sein. Unsere KnabenstaRel mit der Mannschaft: Plaschmann, Sieradski III. Neger, Vogclhut, l'.irn..ss II. Hausmann, konnte einen Sieg in der (> X 50m BrustStalfel errinzen. Ebenso blieben wir in der Juniorenfrelstilstaffel über A X 100m, mit dci Mannschaft Hudnick, Sieradski II. Berlinski IL Berlinski I. Sieger. In der Itrustsi.iffel über 4 X Inn tu konnten wir dagegen nur auf dem -'. fl.it/ enden. Wer mit angesehen hat. mit welchem Lifer unsere Mannschaften. VOI allein die Knaben kämpften, wird unsere Freude am Schwimmsport erst richtig miterlebt haben, und für unsere Abteilung in seinem Kreis sicher werben. Jungem und Mädchen: LaBl euch nicht, durch Einwinde, dafi es schlechtes Wetter sei. vom Schwimmen abhalten, nichts ist so gesund als gerade das Schwimmen. Kommt zu unseren Scliwnumabenden. Dienstags im Stadt - bad von \>i .'1 Uhr. Mischnajoth Wir werden lebeten, darauf hinzuweisen. daU allwöchentlich am Freitaz abend L9v30 Uhr im Lokal des V ereins Mischnajoth. Humboldstr. 24 I der ehemalige Rosch icschiwa. Herr Rabbiner (iinsberg mit Erklärungen vorlernt. Iis wird besonders darauf aufmerksam gemacht. daU der Schiur Infolge der tiefgründigen (ielehrsamkeit das Dozenten alle Hörer vollaul zu befriedigen VerUlaf und wesentlich zur Hebimg des (bieg Schabbos beiträgt. Emlen Kelhegger ■ . » m Wm w . ein ■< «i.-iBetferssiraiie ÄO im Meßhaus-Neubau „Petershof" Elegante Herrenwäsche, stels das Neueste in vornehmen Krawatten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.