Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 19 (10.5.1929)
- Date
- 1929-05-10
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 0 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer Montag, den 13. Mai, 20 Uhr Im Feurichsaal, Schulstraße 1 Konzert an 2 Flügeln S. Weinberger Werke lür 2 Klaviere, auch Sonaten uni Solouückc Karten an der Abendkasse Ausgeführt von einigen Schülern des Pianisten Ausbildender Lehrer in modernen AnschlaRsarten vom Elementaren bis zur künstlerischen Keife. Weinberger, Hallische Straße ic an, daß die Organisation der Wanderfürsorge sich nunmehr ii her d;i s g .1 11 1. e Reich erstreckt, und d;iü sämtliche ProvinzJalkassen In den letzten Jahren vertrauensvoll zusammengearbeitet haben. Pank dem Aushau der Organisation konnte eine wesentliche Verminderung der Wanderung herbeigeführt werden. Während Im Jahre 1926 noch Uber 18000 Vorsprachen von Wanderern gezählt wurden, sind Im Jahre 1928 nur etwa 15000 zu verzeichnen gewesen. Audi die Zahl der Wanderer ist geringer geworden. Aus dem vorliegenden Material ist auch die bedauerliche Tatsache zu verzeichnen, dafl die Zahl der reichsdeutschen Wanderer von J .ihr zu .1 a Ii r ansteigt, was als weiterer Beweis für die Verarmung der .luden In Deutschland und für die Verdrängung des jüdischen Arbeitnehmers vom Arbeitsplatz anzuseilen ist. Als ein besonderer Erfolg der Tätigkeit In den letzten zwei Jahren kann die Herausgabe der Zeitschrift ,,.l üdische Arbeits- 1111 d Wanderfflrsor g e" angesehen werden. Pas in der Zeitschrift veröffentlichte Material findet in der allgemeinen Fachpresse und In lüdischen Zeitungen grollte Beachtung, Eine ganze Anzahl öffentlicher und staatlicher Stellen haben der Zeitschrift ihre Anerkennung ausgesprochen. Im Hinblick auf die immer schwerer werdende Wirtschaftssituation In Deutschland und aus der Erkenntnis heraus, daß die unmittelbare Einordnung In das Wirtschaftsleben wichtiger ist als alle unterstützenden Hilfsmaßnahmen, wird die Hauptstelle In den kommenden Jahren ihre größte Aufmerksamkeit den Prägen der P r 0 d 11 k t i - vieriing der Wanderer zuwenden, und zwar soll nicht nur das bereits längst geplante Projekt einer jüdischen Arbeiterkolonic schon In der allernächsten Zeit realisiert werden, sondern auch der Aushau der jüdischen Arbeitsnachweise und 15 e r 11 f s b erat 11 11 g soll beschleunigt und gefördert werden. In der an den Geschäftsbericht anschließenden Aussprache wurde die bisherige Arbeit der Hauptstelle und ihre Leistungen auf den verschiedensten Gebieten gewürdigt und anerkannt und verschiedene Vorschläge für den weiteren Ausbau der Arbeit gemacht. Insbesonderewurde dabei das Verdienst der Hauptstelle hervorgehoben, in den letzten Jahren eine Klärung der Wirtschaftssituation der luden und der Maßnahmen, die zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Notlage notwendig sind. In den Mittelpunkt des öffentlichen Lebens gerückt zu haben. Es wurde festgestellt, daß die öffentlichen jüdischen Stellen den Prägen der Wirtschaitsnot noch Immer mit einer gewissen Hilflosigkeit gegenüberstehen, und daß gerade deshalb für die Hauptstelle die besondere Aufgabe erwächst, nicht nur in allgemeinen Reden, sondern in konkreten Einzelfällen jene Maßnahmen zu treffen, die "en Einzelnen wieder einem geregelten Erw rbc zuführen. Auf Vorschlag aus der Versammlung wurde der Reichsvorstand erneut bestätigt. Nachdem die Bilanz genehmigt und dem Vorstand die Entlastung erteilt wurde, erstattete Herr Dr. Werner Senator, Generalsekretär des Joint Distribution Cnmmittec. ein Referat über: ..Das jüdische El ii chtlingsproble m nach de m W e 11 - krieg e". Der Referent gab ein Bild von dem ungeheuren Umfang des üdischen Flüchtlingsproblems, das zeitlich Im Laufe von r> bis s lahren I Million luden auf ihrer Hin- und Rückwanderung umfaßt hat. Als Gründe für diese Massenwanderung sind die Massenevakuation In Westpolen. Pogrome, die politische Lage nach Konsolidierung des Sowjetstaates und der allgemeine Wanderungsstrom, der durch den Krieg zurückgehalten worden war. anzusehen. Im Laufe diesLr lahre der Wanderung hat sich die Stellungnahme sowohl der Durchgangsals auch der Einwanderungsländer sehr zu Ungunsten der Flüchtlinge geändert, namentlich Amerika hat mit seinem fast völligen Einwanderungsverbot für jüdische Masseneinwanderung dis Problem ungeheuer verschärft. Man kann die Lösung dieses ganzen Problems Im weiteren Sinn erst im Laufe von ein bis zwei Gern tionen erwarten, da es mit dem Problem des Wiederaufbaus t jüdischen Wirtschaft eng zusammenhängt. Ein Gutes hatte die- Wandererstrom: er hat den jüdischen Gemeinden des Westens neu Blut und neue geistige Energien zugeführt. Am Nachmittag referierte Erau Siddy Wronsky- Herlin tibi „D i e wirtschaftliche und soziale Bedeutung d Arbeitsfürsorge". Das Ziel der Arbeitsfürsorge ist die Ei gliederung der Arbeitslosen in das Wirtschaftsleben. Eür die Jiul ist Arbeitsfürsorge deshalb von besonderer Bedeutung, weil - heute aus einer Reihe von Berufen herausgedrängt werden. Die A beitsfürsorge muß vor allem bei den Menschen einsetzen, die dur persönliche Mängel keine Arbeit erhalten können, seien es Mänt körperlicher, geistiger oder seelischer Art oder sonstige persönlicl Mängel, die insbesondere den Juden wegen seiner Religion, sein Rasse oder seines Namens treffen. Befähigung zur Arbeit, Selm vor Verfall der Arbeitskraft, körperliche und seelische Entkrflppelui sind die Aufgaben der Arbeitsfürsorge. Sie kann dazu dienen, inne halb der jüdischen Volksgemeinschaft neue Lehcnsmöglichkciteii . schaffen. Herr Pastor Braune- Lobetal sprach über die Wirtschaft liehe und soziale Bedeutung der A r b c i t e r k o I o 11 i Die Arbeiterkolonie will die Menschen erfassen, die nicht in ein geordnete Arbeitsfürsorge hereinpassen. Auch ihr Ziel heißt Wiedel eingllederung in den Wirtschaftsprozeß. Im letzten Jahr wurde etwa 40% der Insassen direkt wieder ins Erwerbsleben überfülii Arbeit in Landwirtschaft und Gärtnerei haben sich als die bestt pädagogischen Mittel erwiesen. Auch unter den jüdischen Wanderei werden sicherlich viele für die Arbeit in der Arbeiterkolonic ge eignet sein. Es wäre vielleicht zweckmäßig, bei der demnächst zi errichtenden jüdischen Arbeiterkolonic mit dem landwirtschaftliche auch gewerbliche Betriebe zu verbinden. Am Montag, dem IS. März, fand eine eingehende Aussprache de: Beamten der Wanderfflrsorge-Organlsatlon über Prägen der prak tischen Arbeit statt. Unsere Gemeinde ' Sächsische israelitische Lehrervereinigung Die Jahresversammlung findet am Dienstag, den 21. Mai IW' nachmittags 4 Uhr in den Räumen der Gold- und Silbersäle des Zentraltheaters zu Leipzig statt. Tagesordnung: l. Jahresbericht l. Kassenbericht: X Entlastung des Vorstandes: 4. Wahlen. In Rück sieht auf die sich anschließende Jubelversammlung des „Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands" wurde von einem Vortrage abge scheu. E. Heimann, Planen. Vorsitzender. Konzert Musja und Frieda üottlieb Das Sonatenkonzert, das Musja und Frieda Göttlich, wie auch an dieser Stelle angekündigt, im Saale des Städt. Kaufhauses veranstalteten, hat sich als ein erneuter Beweis für das große Können dei beiden Künstler erwiesen. Einstimmig hebt die berufene Kritik dei Tageszeitungen die hervorragende Beherrschung der Instrumente bei beiden hervor. Der Musikkritiker der Leipziger Neuesten Nachrichten faßt seine Wertung in folgende Sätze zusammen: „Der Sonatenabend ... brachte Höhepunkte ausgereifter kamnicrmusikallscher Kunst. Nicht nur Mozart und Beethoven, auch Max Regers E-Moll-Sonate wurde unter solch rhythmisch und dynamisch bis ins kleinste gestaltenden Händen zu einem Erlebnis. Schwer festzustellen, wer von den beiden das künstlerische Agens bedeutet. Beide besitzen das technische Rüstzeug, um verwöhntesten Ansprüchen zu genügen." BiOX ULTRA ZAHNPASTA Iii f/l'r l itilit<!<\ sie nuteitt tflf 7Mhne Merl «Oft (J weiß uml seUiyt Stundaerudi. spritzt nltiit. Ist hochkonzentriert, iitther sparsamer. Mojt F.ih, A -G.J Dresden