Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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\pril 1929 GBMBINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIüNSGEMEINüE ZU LEIPZIG Seite 7 nges Stillsitzen gefordert wird, geradezu gesundheitsschädlich IIa wir nun auf das Lernen nicht verzichten können und desi lüglich einige Stunden auf der Schulhank brauchen. muB gegen se Schädigungen ein Ausgleich geschaffen werden. Die Schädigung jeden Tag auf, die selbstverständliche Polgerung daraus ist . I i c Ii e r Ausgleich in Gestalt täglicher k ri r - : I i c h e r Übungen, .letzt sieht es gleich ganz anders aus. si also das Turnen nicht als Lehrfach gemeint. Keine Akrobaten, ie geistlosen Muskelnienschen will die Schule in der „täglichen nstunde" erziehen, sondern sie will nur ihre Pflicht dein Körper der Gesundheit der Kinder gegenüber erfüllen. Solch tägliche nstunde wird dann meist auch ganz anders aussehen, als was die ru der Kinder in ihrer Schulzeit unter Turnstunde gekannt und oft nicht geliebt haben. Wie könnte mau sich nun über die erwähnten Schalungen des kindlichen Körpers und anderseits über die Waehssförderungen und die bessere Gestaltung der geiten Entwicklung, die das Üben mit sich bringt, einmal rasch .1 gründlich u n t e r r i c h t e n? Diese Frage ist zur Zeit .klicherweise leicht beantwortet. Eine Ausstellung „Der n s c h und der Sport" ist im ehemaligen Qrassis e ii in am Königsplatz aufgestellt. Dort wird in anschaulichster -e in beweglichen Modellen, in farbigen Bildtafeln und dergleichen •igt, welche Wirkung die Bewegung auf den Körper hat, welche lädigungen anderseits die Trägheit mit sich bringt. Den lern ist in der Ausstellung besondere Sorgfalt gewidmet, «sonderen Gruppen angegeben, welche Art Übungen für :üeh und wünschenswert sind. Eltern, laßt es Ii t entgehen, Ii i e r in wenigen Stunden er diese für eure Kinder so wichtige cht und an g e n e hm zu Unterricht e n! ^äuM^^^üc *t0cj£ £,jy^ f - Schul- So ist sie zue u e Ii euch E r a g e Neue Bücher Harry Grai Kessler, Walther Rathenau, sein Leben und sein Werk. Mit .?2 Abbildungen in Kupfertiefdruck. Berlin-Grunewald |IV2X| (Verlagsanstall Hermann Klemm A.-G.). W.tither Rathenau. Nachgelassene Schriften. 2 Hände. Berlin 1928 (Verlag S. Fischer). Es ist etwas aagemein Reizvolles, in das Wesen einer bedeutenden Pcrchkeit hineinzuleuchten. (iroßc Menschen geben immer Ratsei aal. Die W rzeln ihrer tiröße erscheinen nicht minder geheimnisvoll;ils die Früchte s Wirkens. Von und über Wuthenau ist schon eine Kauze kleine Bücherei •ficiitlicht. Darl man Mten, daß schon die „letzten Müllen" von seiner v senheil gefallea sind? Einen Versuch, das Tiefste in Rathenaus geistigem Si in zu sehen, stellt (iraf Keßlers großangelegte Monographie dar. Außer n vielen schon Bekannten aa Schriften, Briefen und Aufzeichnungen 1 iden ihm zahlreiche noch nicht zugänglich gemachte Unterlagen zur Veri nmgi Rathenaus Tagebücher. Briefe an seine Freundin. Aufzeichnungen r wichtige politische Vorginge, vor allem aber persönliche Erinnerungen, d diese persönlichen Erinnerungen «eben dieser neuen Zeichnung da* i enc tiepräge. Die DarStellang einer Persönlichkeit kann nur einem I stier aus Intuition gelingen; wie dem mit dem Pinsel oder dem mit i m Meiliel schaffenden, so auch dem, der mit dem Worte „zeichnet". Harry y liier bat Ratheaaas Wesen als Analytiker zu schauen gesucht und ist bei >cr Analyse auf die Furcht als den (irundtrieh bei ihm gestoßen. Rathenaii st hat wiederhol) erkennen lassen. daU er all Jude, als Stlmmling dieser irchtrasse". die ..quälende Unsicherheit vor der brutalen Qewall der i ige, vor jeder moralischen, gesellschaftlichen, materiellen Überlegenheit" spürte.!>ic Spuren der Demütigung, die er gerade in den Jahren der Scheidung Iber seine künftige Laufbahn erfahren mußte, als er. obwohl (irisch tüchtig, bei den (iardekürassieren wegen seines Judentunis nicht >rdcrt wurde, dieses schmerzlichen Dcwußtwcrdcns des harten Druckes Welt, erkennt Keüler immer wieder in Rathenaus LebeaSgang. Erkennt vornehmlich auch in der Unfähigkeit, den inneren Konflikt /u losen, Ratheuaus Leben zerrissen hat, diesen „Konflikt zwischen dem Haag weltfremder seelischer Vcrinncrlichimg und der geheimnisvoll unwiderlichen Nötigung zu eng auf einen /weck eingestelltem kaufmännischen und liaitCheg Schaffen". Mit ieiner psychologisch6f Einfühlung verfolgt Keßler Auswirkungen dieser inneren Unsicherheit in Rathenaus geistigen und 'tischen Werden und Wachsen und hebt besonders jenen Wendepunkt laus, die Kriechische Reise von 1906, auf der das „Breviarium Mysticum" (Steht; denn hier begegnet zum ersten Male das Worte „Seele" in neuer deutsamkeit. dieses Wort, das dann so außergewöhnlich bedeutungsvoll dem (icdankcngchüudc Rathenaus wird. Es ist äußerst reizvoll, dem Verser nachzugehen und Rathenau mit seinem KünstleraUKe zu sehen, das endlos auf Wichtige Momente aufmerksam macht, auch denjenigen, der vielumstrittene Persönlichkeit nicht in gleichen Sinne verstehen kann. Diese Betrachtang Ratheaaas, dessen ganze Bedeutung wohl erst eine itere Generation wird erfassen können, erleichtert die Ausgabe der „Nachlassend! Schriften". Diese kleinereu Arbeiten stehen an Äußerungen Ratheaauschen Geistes etwa zwischen den größeren Schrillen und den Briefen. Wie diese sind sie mehr aus dem Bedürfnis des Tages für den Tag geschrieben, aber doch in größere Zusammenhange gestellt, ohne dabei die Abgerundetheit anzustreben, die bei den abgeschlossenen Werken beabsichtig! wird. So offenbaren sie das geistige Wachsen, zeigen sie bisher verborgene Stationen seiner seelischen Entfaltung. Die politischen Auisätze des ersten Bandes offenbaren das Werden seiner politischen Weltanschauung im ZutanmonhaagC mit der revolutionären Wirtschaitsentwicklung der Neuzeil. F.« zeigt sich dabei, daß dieser Mann, der in der Blüte seiner Jahre abseits zu stehen gezwungen war, die Geburt des größten politischen und wirtschaftlichen Machtfaktors der Erde schon vor dreißig Jahren angekündigt (in „Transatlantische Warnungsz.cichcn". lfwtt) und die hippokratischeu Züge im Antlitz des neuwilbelminisclien Reiches schon vor 21 Jahren vorausgesagt hat (in „Die Neue Ära"). Im ersten Bande sind zahlreiche, während des Krieges und der Revolution oder gleich nach ihr geschriebene Auisätze und Flugblätter politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Inhalts vereinigt, sie begleiten die leidvollen Etappen unserer jüngsten Geschichte und geben unentbehrliche Aufklärung. Im zweiten Bande sind die Essays und Auisätze weltanschaulichen, ästhetischen und literarischen Inhalts gesammelt, die über die innere Welt des Staatsmannes Auskunft geben. So gehören die zwei Nachlußbände organisch zu den „(iesamuielten Werken" Walther Rathenaus. Q, C. Zeitschrift iür jüdische Wohlfahrtspflege. Auf die Bedeutung dieser von der Zentralwohlfahrtsstcllc der deutschen Juden seit Anfang dieses Jahres herausgegebenen Zeitschrift sei nochmals kurz hingewiesen. Aus dem Inhalt der zweiten Nummer sind folgende Beiträge zu nennen: Bertha Pappcnheim. zu ihrem TO. Geburtstag; Die Wohnungsnot der (iroBstadtjuden, von Dipl.-big. Alexander Pinthus; Die Bedeutung der neuen Forschungsergebnisse über die Tuberkulose für die jüdische Wohlfahrtspflege, von Dr. med. M. J. (iutmann. Probleme palästinensischer Wohlfahrtspflege, von Helene Hanna Thon. — Aus der Umschau unter anderem: Die Leistungen des Offenen Fonds der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Tuberkulosefürsorge" im Jahre l°2S; Die Neugestaltung der Erholungsfürsorge; Bericht über den Anteil der jüdischen Wohlfahrtspflege an der Dauerausstellung im Reichsarbeits- Blinisterinn; Berieht des „Ort" über jüdische Aufbauarbeit im Osten. Zum Schluß wird über die Aussprache jüdischer Frauen über Erziehungsfragen, die am I. und 2. Januar Stattgefunden bade, eingebend berichtet. Abonneinentsbestellungen nimmt die Zentralwohlfahrtsstcllc der deutschen Juden. Bcrlin-Charlottcnhurg 2. Kantstr. 15«. entgegen. (Postscheckkonto: Berlin 140617, Fernsprecher: .1. 1. Bismarck 1064/68). Der Bezugspreis für die zweimonatlich erscheinende Zeitschrift beträgt M. s. jährlich, für die der Zentralwohlfahrtsstcllc der deutscheu Juden angeschlossenen Gemeinten, Organisationen. Vereine. Anstalten usw. und persönlichen Mitarbeiter M. 4. jährlich. Der Preis des einzelnen Heftes ist M. 1.5(1. Berufsschichtung und ßeruisberatung. Mit dem aktuellen Problem der Berufsschichluug und Berufsberatung der deutschen Juden beschäftigt sich das neu erschienene Märzlieft der Zeilschrift „Jüdische Arbeits- und W a n d e r i ü r s o r g e". I 'er einleitende Aufsatz „Berufswahl und Berufsberatung" stammt von S. Adler- Rudel- Berlin. Siddy W r o n s k y - Berlin nimmt zu den Fragen des sozialen Berufes Stellung und Dr. Ilse Qoldschmidt - Berlin zu denen des Hauswirtschaftsberufes. Dr. Karl Kautsky gibt einen Interessanten Einblick in die Tätigkeit der ärztlichen Berufsberatung. Schließlich berichtet Lucie Zobel-Berlin über die Tätigkeit der Berliner jüdischen Berufsberatung im Jahre lv2s. Die Rundschau bringl die Ergebnisse der Bevölkerungspolitischen Konferenz des Preußischen Landesverbandes. Forderungen zum Ausbau der Sozialversicherung. Nachrichten über die Not der älteren Angestellten, interessante Urteile aus der Praxis der Arbeitsgerichte u. a. in. j^Mmbo Übcralles Achten Sie h. Clnliuf Jarjul. datt jede Pickunf versehen i>t Mi« .elk<ttiti(e Wa«ckmitlel |lur Erliclung weiltcr Wisch« mit dam Wertboii