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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-11-16 · 46 (16.11.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
46 (16.11.1928)
Date
1928-11-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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4. Jahrgang, Nr. 46 16. November 1928 mtivielM dzr Jsr&elitischen AttfUickeS NtdirichieMbldl tytr Ge>tieiMdeverw*ltiwi kzMqiorviqzmzindz ftt &t»t,itj rcKHA K D Ii \ l OrasfaftMatt »rurKsint vrtthsntlich om Fw'äj. . „.i.,i!.'.um0 dm Kisl.gi.inagemeiade v;ia st <n- J- Ick lunh ü«?»«t l B«XUg»pf«lf f'3r ."Ushtiiitgliede' noaatuch oO Pfennig«. Anzeigen innalirn« ffbk«. :'ocl?n:.lraD3 11, r«l*phon 14449 3üu.ftltitung« Gem.ife.-a.). GatUf es..-.:. 1 slpttg, LShntr ic. TtltphM T9MI.:: :;a.i und Verlag; W. Teuiirr. Leip7iq,* Olockrättr. II. Te:iph«n 144/9. A*i- £«!•:. \". Ii'" ' :• ,>'lt«t; 1 jiistic iL. Pia. r». mifif usd klaiM Änsljen 10 P'- UaKMagMttta unu igitinacta.c n 1'e.xjnd. Tarif. - Füi den lna»- IttrattU: J. KüMie. Bauhflfat: 9 (Ttltpho 1 11449) Die Sshrillleitvng Ohe :.vmmt ffil die tmtei demNMMi dea Verfassers erscheinenden Beitrage -inti die Vsr- ■intnaebrlchtm nur die pteBgesetzlich* Vcraniwcttua^. N-r>drvclt n;iT mi' OueHen»i3«be ur.d Cer.e'-n" jv 11 des Varl SM tri gestaltet. Dse Net dar Südistsheri •Jtx^es^d Von Rabbiner Dr. Klein, Düsseldorf. Not! llin gerade in dieser Zeil viel gebrauchtes, vielleicht abgebrauchtes Wort. Und doch scheint es mir nötig, es immer wieder in unser Bewußtsein zu bringen. Denn so viel davon gesprochen, soviel sie bitter empfunden wird, für allzu viele bleibt sie ein Wort, dal! sie im Augenblick äußerlich berührt, Iber nicht zur Tal aufrüttelt Nicht Klage und Anklage, nicht Mitte um Mitleid bedeuten es, wenn der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands in seinen IUI Vereinen über die Not der jüdischen Jugend zur Oeffentlichkcit spricht, sondern die Sorge um die jüdische Zukunft, die Aufrüttelung, opferbereite Tat von uns allen, von jung und alt, erheischt Die allgemeine Not, wie sie sich den iuBeren Verhältnissen darstellt, ist ZU augenfällig, als daß wir viel von ihr EU streit brauchten. Wir alle sehen täglich, die entsetzliche Arbeitslosigkeit die verzweifelte I Ige des Alter-, dem alles genommen, das Elend der Vierzigjährigen, die dnei erbannungsli sc Zeit der jüngi i ch und billigeren Kraft opfert. . All das empfinden «vir alle schwer, es druckt auf unsere Seele und Vershärfl die inneren Nöte, die dein hinter den Augenschein Sehenden noch furchtbarer erscheinen, als die äußeren. Wir brauchen geradd n dieser Zeit ein starkes, innerlich gefestigtes, zielbewußtes Qeschlecht. Statt dessen sehen wir allenthalben haltlose, zermürbte, in ihrer innerlichen Haltung würdelose, zerrissene, von den zahllosen Parteien in die Ine geleitete Menschen. \n all diesen allgemeinen Noten nehmen wir Juden selbstverständlich vollen Anteil. Aber neben dieser allgemeinen Not drückt uns noch die besondere jüdische Not. Wir brauchen nur die Schlagworte ZU nennen: Antisemitismus, Deutschtum und Judentum, Mischehe, Traditionslosigkeit, Berufs- Schichtung jeder Jude erfährt täglich die Schwere dieser seiner Not. Doppelt aber trägt daran die jüdische Jugend. Ihre Note und Schwierigkeiten decken sich in vieler Beziehung mit der allgemeinen Jugendnot, doch verdienen sie, gemessen an den Hemmungen in der Lebenseutfaltung und Daseinsbehauphmg der Judenheit, eine besondere Betrachtung. (1 reifen wir darum irgend einen der vielen in Kriegs- und Nachkriegszeit aufgewachsenen jüdischen jungen Menschen aus der Wirtschaftssphäre des Mittelstandes (die ja inzwischen vielfach gesunken ist) heraus und beleuchten kurz seine Jugendjahre von der besonderen religiösen, seelischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Seite. Die religiöse Tradition im Liternhause, soweit sie vorhanden war, hat durch den Krieg schon durch die Abwesenheit des Vaters viel gelitten, so dali die ersten entscheidenden religiösen Eindrücke fehlen. Die Atmosphäre ihr Schule ist meist nicht frei von Abneigung gegen jüdische Schuler, nicht nur von Seiten der Lehrer, sondern auch der Kameraden, liier beginnt schon die seelische Bedrängnis des jungen Juden von heute. Dann kommt dafür die Berufswahl entscheidende Aller. Jeder weiß, welch ey»>" I eidensweg ihr junge jüdische Kaufmann häufig um seines Judentums willen beschreitet, daß nicht mehr Behörden, aber die Gro&V Hrmen den Reeiigionsveruieik in ihre Fragebogen eingefügt haben und dall sie jüdische Bewerber trotz. Anerkennung ihrer Fähigkeiten zurückweisen. Ja, es ist traurige Tatsache, dali sich judische Arbeitgeber vielfach ähnlich verhalten. Früher, in einer Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs, konnte der junge Mann i;t frülnv ren Jahren au die (iründung einer Selbständigen Existenz denken, einen Hausstand gründen einer gesicherten Zukunft entgegensehen. Heute ist die Möglichkeit einer auf gesunder Basis aufzubauenden Frühehe, eine 11 rund läge des Judentums, kaum meingegeben. Der junge Mensch ist all den (iefahren des Jung gescheut 11 ins preisgegeben, die zunehmende Mechanisierung der Arbeit, die schwindende Berufsfreudigkeit rufen all die seelischen Oefahren der Verflachung, der Vergnügungssucht, des krassen Sexiialistnua herbei, die schließlich zur Mischehe zumeist eine Folge des Fehlens der Möglichkeit guten Lamilicuvci kehrs - fuhren. So ist das L eben des jungen judischen Menschen ein Kampf um seine seelische Existent als Jude in der Schule, in der I ehre, am SchrdbpilH in den Hörsälen. Es lindei keinen Halt an dem älteren Oeschlecht, in dem immer mehr dajüdische Selbstbewußtsein und Gemeinschaftsgefühl schwindet, das zu wenig Verständnis zeigt, für die besondere Not dieser Jugend und sie meist nur heranzieht, um sie hineinzuziehen in den kleinlichen Parteikampf. Die sich verantwortlich fühlende Jugend im Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands schreien die-.. Not in die jüdische Oeffentlichkeit Sie will bessern, authauen, stützen. Trotz aller Not glaubt sie au sich selbst, glaubt sie an die ewig junge Kraft des Judentums, dun sie sich zuwendet mit aller Kraft ihres jugendlichen Willens Sie glaubt an die Aufgabe ihres Judescins, in der sie die Verwirklichung ihres Menschtums sieht. Deshalb sucht sie Wissen vom Judentum in den Bunden. Arbeitsgemeinschaften, Kursen. Bettäigung in den (iemeinden und Einrichtungen des Judentums, ringt sie um eine bessere Moral, eine wahre Gemeinschaft, gesunde, gesellschaftliche Sichtung. Sie fordert Verständnis und Mittel für die grollen Ziele der Bünde jüdischer Jugend, an deren Spitze der überparteiliche „Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands1' steht. Hier werden die Voraussetzungen geschaffen für die Erziehung eines gesunden, seiner Verantwortung bewußten, für den Kampf gegen die Not gestählten Geschlechts. Helft der Jugend bei diesem Streben, so helft Ihr Euch selbst! Sichert diese Arbeit, so sichert Ihr die Zukunft unseres Judentums!

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