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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-11-09 · 45 (9.11.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
45 (9.11.1928)
Date
1928-11-09
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINDE ZU LEIPZIG Gesamtvorstandsitiung des Jüd. Frauenbundes in Breslau Vom 21.—23. Oktober fand in Breslau die Gesamtvorstandssitzung des Jüdischen Frauenbundes statt. Voran ging ein Festabend von der Breslauer Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes anläßlich ihre9 20-j.ihrigen Bestehens veranstaltet, der ein außerordentlich festlich« Gepräge trug. Die große Beteiligung — es waren ca. 1700 Menschen erschienen — u. a. das Rabbinat, Vertreter der Stadt der Synagogengemeinde, interkonfessioneller Verbände, Vertreterinnen des Provinzialverbandes von Nieder- und Oberschlesien, Degierte aus Polen, Ungarn, Oesterreich, Lettland und Tschechoslowakei, legte Zeugnis von der Bedeutung der Breslauer Ortsgruppe innerhalb des Breslauer Gemeindelebens ab. I">ie gleiche Anerkennung kam auch in den zahlreichen Glückwünschensprachen, die den Begrüßungsworten von Frau Beate Guttmann und Frau Bettina Brenner folgten, zum Ausdruck. Die Festrede hielt Frau Paula Ollendorff. Sie führte aus: Der Name „Jüdischer Frauenbund" legt dreifache Verpflichtung auf, zunächst die ,,jüdisch" zu sein, d. h. Ooti ZU dienen in allen seinen Geschöpfen, dann „Frau" zu sein in der schönsten Bedeutung des Wortes, nämlich in Auswirkung mütterlicher Betätigung und schließlich die, den Begriff „Bund" durch die Gemeinsamkeit des Wollens zu verwirklichen. Alle politischen, religiösen, sozialen Strömungen sollen in einen großen Strom geleitet wurden. Wohl gelungene Lichtbilder, von Frau Vogclstein erläutert, gaben einen Einblick in die umfangreiche Ortsgnipjieiiarbeit. Ein sinniges Festspiel war Abschluß der schönen Feier. Die Vormittagsversammlung des ersten Verhandlungstages diente Besprechungen über Kinder-, Mädchen-, Frauenschutz, einschließlich Berufsausbildung und Berufsberatung Frau Aiterbach Köln wie-, in einem Referat über Berufsberatung darauf hin, daß größter Wert auf die hauswirtsrhaftliche Ausbildung von Mädchen gelegt werden müsse, daß hauswirtschaftliche Schulen mit ausgebildeten Gcwerbclehrerinncu errichtet werden müssen. Durch die Konzentration in der Industrie, durch fortschreitende Ausschaltung de-- Zwischenhandels wird immer weniger kaufmännisches Personal benötigt. Technische und erzieherische Berufe haben Bedarf an Kräften. Rechtsanwalt Dr. Margarete Bereut wies darauf hin, daß die Tendenl bestehe, die ausländischen Kinder arnienreehtlieh den einheimischen immer mehr gleich zu stellen. Frau Jamuel I'Iberfeld gab einen wertvollen Bericht über die Arbeit der Adoptionszentrale und Pflegestellenvermittlung. Besondere! Interesse gewann die Aussprache durch die Berichte der Frauen aus dem < toten, die von den schwierigen Verhältnissen ihrer I leimatlämler sprachen und durch Berichte über großzügige und umfassende Organisation des Annenwesena überraschten. Frau Dr. Reichenstein, I emborg sprach davon, daß heute noch in i Ktpolen kein Schulzwing herrscht. Von neu errichteten Gewerbeschulen erhofft man eine gründliche Berufsausbildung der Jugend. Frau v. Goldberger, Budapest sprach Ober l.chi lingsschul/. Schon 1842 ist in Budapest ein israelitischer I laiidwcrkcrvcrein gegründet worden. Die Fürsorge für männliche, jüdische Lehrlinge tu Ungarn ist hochentwickelt, allerdings für weibliche Lehrfinge weit weniger ausgebaut. Abendheim, Erholungsfürsocge, Patronium, die sich des ein/einen jungen Menschen annehmen, sind Maßnahmen nun Schutz der Jugend. Frau KUnger, Czcruowit/ Rumänien) empfahl die Berufsberatung jüdischer Jugend der städtischen Bemfs- ' ratung anzugliedern. Qah der Vormittag des ersten Verhandlungstagel dem Austausch praktischer Erfahrung, so war der Nachmittag einer Aussprache Uber die ideelle Einstellung gewidmet. Die Themen: l'ebcrparteilichc, interkonfessionelle, internationale jüdische Frauenarbeit wurden behandelt. Hannah Kaminski referierte über überparteiliche Arbeit: Soziale Arbeit, Erziehungsarbeit, wissenschaftliche Arbeit reichen über die Parteigren/cn hinaus. Ueberparteiliche Arbeit verfacht nicht, sondern macht den Menschen denkend. Die Jugend sucht das Parteiwesen zu überwinden. Frau Paula Ollendorff wies in ihren Referat über interkonfessionelle Arbeit darauf hin, daß ausschließlich interkonfessionelle Arbeit, den Menschen der eigenen Arbeit gegenüber fremd macht, dagegen ausschließlich konfessionelle den Gesichtskreis .verengt. Der in sich gefestigte, jüdische Mensch, der seine Pflichten seiner jüdischen Gemeinschaft gegenüber erüfllt hat, soll sich auch seiner Pflichten gegenüber de» Stadt und dem Land, in dem er lebt, bewußt sein. In ihrem Referat über internationale Arbeit sprach Frau Bettina Brennet davon, daß die Pflege internationaler Beziehungen schon vor dem Kriege propagiert war, durch den Krieg aber unterbrachen wurde. Kinderschutz, Mädchenschutz, Gefährdetenfürsorge sind nur übernational zu lösen. Am Abend sprach Frau Ernestine Eschelbacher über die Agunoth, die ehcverlassenen Frauen und über die Versuche, eine Verbe»- semng ihrer Lage herbeizuführen. Das jüdische F.hegesetz einst als Schutz der Frau gedacht, verwandelte sich unter veränderten Verhältnissen in eine große Erschwerung. An der Diskussion nahmen die Gemeinderabbiner teil, wodurch sie sich besonders interessant gestaltete. Es ist allgemein die Erkenntnis vorhanden, dal Abhilfe geschaffen werden muß, nur über den Weg herrscht noch Unklarheit. Die Frage muß immer wieder aufgerollt werden, bis sic^ eine Lösung findet. Geländespiel — in der Stadt So mancher wird, wenn er vergangenen Sonnabend gegen abend durch die Stadt gegangen ist, ab und zu Jungenstrupps an sich vorübeerhuschen gesehen haben, ohne sich den Grund ihres Rennens •erklären zu können. Dieser Sonnabend vereinigte nämlich die Jttngensgruppen der Leipziger „Kaineraden" zu einem Spiel, welches in vielerlei Hinsicht Sehlauheit und Geschicklichkeit von den Jungens forderte. Die ungeefähr 90 zu Beginn des Spiels anwesenden »Jungens teilten sich in zwei Parteien, von denen jede verschiedene Aufgaben zu erfüllen hatte. — Zuerst war ein Junge zu suchen, der ein Nummernschild auf dem Rücken trug, die sich darauf befindliche Nummer abzulesen, und diese dann an zwei bestimmte Stellen zu melden. Gleichzeitig war aber auch aufzupassen, daß der grüne oder rote „Lebensfaden", den jeder Junge am Arm trug, nicht abgerissen wurdet denn dann galt man als gelangen, mitsste sich zum Gefangenenlager begeben, um von dort aus nach 10 Minuten wieder ins Spiei eingreifen zu können. — — Beide Abteilungen lösten ihre Aufgaben so gut sie konnten. Bewertet wurde nach der Zahl der Gefangenen für jede Partei, und konnte so die Partei Rot (Erni Hcrzenherg) über die Partei Grün (Erich Holz) mit 30:22 Punkteen triumphieren. Das Amt der Schiedsrichter lag in den besten Händen, und konnte so eine glatte Abwicklung des Spiels gewährleistet werden. Dem siegreichen Parteiführer wurde von der Ortsgruppenleitung ein Buch überreicht. — Mirabu. Hilfsvcrcin Isr. Gewerbetreibender Die Arbeiten für die Kinderbeschenkung sind in vollem Ciange. Die Zahl der angemeldeten Kinder ist - - und wen wollte das bei der großen wirtschaftlichen Not wundernehmen — außerordentlich groll. Der Verein beschränkt seine Gaben keineswegs auf Bestellungen für feine waren •..~<*mr ' CO&.5Ö KONDITOREI KAFFEE HAU/ unter Tel. 20214 oder im Laden Augustusplatz erbeten. lata.: Ernst Fischer früher langjähriger Päditer der Konditorei „First Raistekaazlsr" saäamssäaasaeäaeaeaaataB

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