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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-05-18 · 20 (18.5.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
20 (18.5.1928)
Date
1928-05-18
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 OEMEINDERI.ATT DER ISRAELITISCHEN RFLIOIONSGEMEINDE, LEIPZIQ Fiauenvcrcin Ruth" Am Montag, 10. April hielt der Frauenverein „Ruth" im Pfauensaalc des Zoo seine Generalversammlung ab. Die Vorsitzende begrünte die erschienenen Mitglieder und teilte mit, daß der Vorstand der isr. Religionsgemeinde gern vertreten sein wollte, aber durch eine dringende Sitzung leider daran verhindert wurde. Herr Rabbiner Dr. Carlebach hat trotz seiner Trauer der an ihn ergangenen Einladung Folge geleistet, nachdem e> (as( zur Tradition geworden ist, daii er die Qeneralversammlung des Frauenvereins Ruth mit einer Ansprache einleitet. Li t'ulute ungefähr aus: Die Juden sind im dolus nicht auf Rosen gebettet, in jener Zeit aber, da unser grober Lehrer Mainsche geboren wurde, war der Eortbestand ihres Volkes auf das Schwerste gefährdet. Jeder jüdische Knabe sollte auf Befehl des Königs umgebracht w erden. Da war »s Mirjam, Mansches Schwester, die sich in ihren Versuchen das Kind zu retten nicht beirren Heß. Rührend und stark zugleich fand sie den Mut, an die mächtige Fürstin heranzutreten und den günstigen Moment einer mitleidigen Regung abzupassen, um für die Ethaltung des Kindes zu flehen. Der Frauenverein Ruth tut für die Kinder unterer Gemeinde, wozu Mirjam dem Knaben Mausehe verhalf. Er ist der von ferne stehende gute Genius, ist die barmherzige Schwester, die den Gefahren vorbeugt und die werdende Mutter sowohl, als auch das Neugeborene mit Fürsorge umgibt. Frau Pfefferblüth oVankt im Namen der Versammlung Herrn Rabbiner Dr. ( arlebcah aufs herzlichste, dann gibt sie den Tätigkeitsbericht. Hierauf folgt der Kassenbericht von Frau Neugasser. Frau Glückin und Frau Hartfeld erteilen aIs'Revisorinnen dem Vorstand Entlastung. Frau Lampe! moniert die Heranziehung bezahlter Künstler zu den Teenachmittagen des Frauenvereins Ruth. In der sich an diese Bemerkung schließenden Aussprache wird festgestellt, daß man stets bemüht ist, die Unkosten so niedrig wie möglich zu hallten. - Frau Zander ersucht, den Namen des Vereins» nbzunädern, um Verwechslungen zu vermeiden. Frau Pfefferblüth verspricht, von einem Oesamt- Vorstand beraten zu lassen, wie diese Frage am besten gelöst werden kann. Vorläufig soll dem bisherigen Namen hinzugefügt werden: „Verein zur Unterstützung bedürftiger Wöchnerinnen, Säuglingspflege". Der Entwurf zu neuen Statuten wird verlesen und von den Mitgliedern genehmigt Dann wird zur Neuwahl des Vorstandes geschritten. Frau Recha Carlebach beantragt, den bisherigen Vorstand durch Akklamation wieder zu wählen. Da kein Widersprach erfolgt, bleibt der bisherige Vorstand im Amt. Frau Pfefferblüth dankt für das bewiesene Vertrauen und schließt die Versammlung. Elte nahend der Höheren Israelitischen Schule Am Mittwoch, den (>. Mai 1928, 20,15 Uhr fand im Schulsaal der „Höheren Israelitischen Schule" eine zahlreich besuchte Elternversammluug statt. Der einzige QegcnStand der Tagesordnung war die Stellungnahme EU der grollen finanziellen Not, in welcher sich die Anstalt befindet. Der Vorsitzende, Herr M. Rose nf cid er, referierte über die grollen Bemühungen, an denen es der Schulvorstand auch im vergangenen Jahre wieder nicht hat fehlen lassen, um die wirtschaftliche Lage der Schule zu bessern. Er eröffnete den Versammelten, dal! die Schulgeldeingänge schlecht und unregelmäßig seien, beinahe 40 l'roz. aller Zöglinge der Anstalt bezahlen stark reduziertes oder gar kein Schulgeld. Die Schule sei infolgedessen auf Spenden angewiesen, die aber schwer erhältlich seien, weil das grolle Publikum sich meist noch viel zu gleichgültig der Sehlde gegenüber verhalte. Herr Rabbiner Dr. Carlebach wies in einer längeren Rede darauf hin, daii eine jüdische Schule nur dann lebensfähig sein könne, •wenn sie von den Interessenten geradezu wie ein Heiligtum betrachtet Ich offerierte farrwr«a^— »—™aa— lür die Schwuos-Festtage faT'Käse- und Butter-Gebäck in großer Auswahl Honig- und Zuckerkuchen, ( links u. s. w. Um güt^en Zuspruch biltet Spezial - Konditorei LEO KOTEK fllenckestraße 39 Telefon 56350 würde und man die Vernachlässigung in der Erfüllung seiner Pflicht und der Abtragung seiner Schuld ihr gegenüber direkt als religiöses Unrecht ansehe. Alle anderen Orte, d'e jüdische Schulanstalten haben, seien stolz auf das Vorhandensein dieser Institution und seien mit allen Kräften bemüht, sie ideal und materiell zu fördern. Es sei (anderwärts geradezu selbstverständlich, dal! man bei jedem freudigen und leidvollen 1 anülienanlaß der Schule gedenke und daii man die Barmizwa eines Zöglings der Anstalt und ganz besonders auch die Schulentlassung der Kinder nach Erreichung ihres Zieles zum Anlaß nehme, durch reiche Geschenke und Geldspenden sich erkenntlich zu /eigen. Diese l'ebeiveugung sei in unserer Gemeinde leider noch nicht durchgedrungen; die Schule habe nach 16-jährigem ehrenvollen Bestände noch immer nicht die grolle Zahl von Freunden und besonders von kapitalkräftigen Gönnern, auf welche sie ein Anrecht hätte. Es gäbe keine Schule, die sich aus eigenen Mitteln erhalten könne, überall abei sei der Wohlttäigkeitssinn und die Ueberzeugungstreue der Kreise, für die eint solche Anstalt in Frage kommt, sogroß. dal! das Defizit mühelos gedeckt werde. Die hiesige Schule aber müsse einen furchtbaren Kampf Ilm ihre Existenz führen. Die Rede klang in einen Appel! au die Anwesenden aus, daii jeder das Seinige [tue, um solchen Zuständen endlich ein Ende zu machen. Herr II od es wies auf die grolle Rücksichtnahme hin, zu der man sich säumigen Zahlern gegenüber veranlaßt gesehen habe, weil man nicht gern die Verantwortung und das < >diurn auf sich nehmen wolle, armen Kindern die Wohltat des Besuches einer jüdischen Schule entzogen zu haben. Aber es feien leider sehr viele Eltern Üa, deren Zahlungsfähigkeit bekannt sei, und die dennoch die Geduld des Schulvorstands immer von neuem wieder auf de Probe stellen. Herr Beer und Herr Außenberg meinten, dal) während der profane Unterricht in anerkanntem .Walle in jeder Beziehung auf der Höhe stünde, der Religionsunterricht doch noch zu wünschen übrig lasse und die Eltern gezwungen seien, ihren Kindern im I lause noch einen teueren ErgänzungSUnterricht geben zu lassen. I lerr Außenberg gab der Meinung Ausdruck, daß von Seiten der wirklich und ernstlich gesetzestreuen Kreise der Schule eine viel größere Sympathie entgegengebracht werden würde, wenn die Kinder auch wahrhaft zu „Lamdonim" /n jüdischen Gelehrten, erzogen würden, wie fromme Eltern es sich wünschen müssen. Herr Dubiner entgegnete, daß man doch die großen Schwierig« keiten nicht außer Acht lassen dürfe, die durch die Forderungen der Schulend ureh die beschränkte /ei: der Kinder einem noch ausgiebigeren Religionsunterrichte entgegenstünden. Man sollte doch froh sein, daß wir Gelegenheit hätten, den Kindern eine gute jüdische Erziehung angedeihen zu lassen und möge nicht ein Uebermaß von Forderungen stellen und sich zu ungerechtfertigter Kritik hinreißen lassen. , Im gleichen Sinne äußerte sich Herr Friinkel unter starker Zustimmung der Versammlung und lührte den Erschienenen nochmals eindringlich die Wichtigkeit intensiver Mitarbeit an der Erhaltung der Schule vor Augen. I Es wurde dann beschlossen, den bereits früher gegründeten „Verein der Freunde der I löheren Israelitischen Sehlde" zu vergrößern und auszugestalten, und Herr Berger erklärte mit einigen anderen Herreu und Damen zusammen, sofort in eine Werbeaktion eintreten zu wollen. Vor allem aber wurde von allen Anwesenden die Notwendigkeit betont, daß die Israelitische Religionsgemeinde mehr als bisher sieh der Sache der Schule annehme. Die Gemeinde müsse PimuttrtikUV - RoBplatz 5 - Telefon 19086

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