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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-04-20 · 16 (20.4.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
16 (20.4.1928)
Date
1928-04-20
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Mtaf Besuchen Sie mich in meinem Ausstellungslokal im HOTEL ASTOMA Ich zeige Ihnen dort gern unverbindlich die von mir vertretenen F1CMAI1«, F AKGD-, MA(&-jP]B ESTIII MACI-PIIOTOS-, €ITIKOjBM-]Bll^jElU(GMISS]B Leipziger Rutomobilhaus Franz Kühn Blücherplatz 2 fiotel Rstoria Inn. Otto Hofmann AMI¥ JAFFE Pianistin und DIplom.Muslkpädagogln LIvlastraBe 0 - Fernsprech-Nr. 81412 Ausbildung im MlLAVUEIlSlPffiKlL bis zur höchsten Vollendung. (Methode: Prof. Teidimuiie Einzelunterricht — Ensemblespiel — Vorbereitung für Konservatorium und Konzertsaal MTLASSJKWUMT]EIlIil€MT, Sprechstunde für Klavierstudierende: täglich 2—3 Uhr. fc^ rrt TTTTTTvl WUJJUlTTIIa Feuilleton i..........i I— t»i Bilder vom Jüdischen Leben aus einer kleinen Stadt In Polen II. Masche Sie machten einen Spaziergang über die Brücke. Ein weiter Horizont von Feldern und Wäldern, Wiesen und Wasserstrichen breitete sich vor ihnen aus. „Sieh' wie schön es hier ist" sagte der jüngere von den beiden jungen Männern. „Ja", erwiderte der andere; „es wäre schön; wenn nur die Stadt dazu ein bißchen anders wäre. Ich verstehe nicht, wie Du hier bleiben kannst. In einem Warschau würdest Du Dich doch ganz anders entwickeln. Bei mir ist es etwas anderes: ich habe Frau und Kinder und lebe seit meiner Verheiratung in B.; Du aber bist ein freier Mensch, der einzige Sohn eines reichen Vaters. Was tust Du hier in dorn traurigen Nest? Du könntest auch nach Bdrlin fahren." „Aber ich müßte dann doch meine Eltern allein lassen und würde ihr zufriedenes Leben vernichten." „Welche Freude hätten sie aber, wenn Du als ganz anderer Mensch zurückkommen würdest!" — — „Ich weiß nicht, was Du so Wunderbares in den großen Städten fi:»dest. Ich bin schon einige Male in Warschau gewesen; ich habe Rieht gefunden, daß die Leute dort Flügel haben. Man jagt dort dem Groschen noch viel mehr nach, als bei uns, und schöne Charaktere trifft man hier schon eher an." So sprechend, hatten sie sich der Stadt wieder zugewandt. Plötz- Ii» Ii tönte ihnen von dort Tanzmusik entgegen. „Ach", rief der Jüngere; „ich habe doch ganz vergessen; daß Masche heute Hochzeit macht." „Masche, die Waise, mit wem denn?" „Mit einem ganz feinen, jungen Menschen aus B. Die ganze Stadt I ist voll Freude." „Und was ist aus der älteren Schwester geworden, der ohne Fuß? W ahrscheinlich ist sie Tm Siethenhaus?" „Was Siechenhaus? Das würde vielleicht in Deinen großen Städten | der Fall sein. Hier ist das anders. Sie ist verheiratet uund sehr I glücklich." „Was Du sagst, wer hat sie denn genommen?" „Wenn Du willst, will ich Dir's kurz erzählen." „QewiB, gewiß, ich bin sehr begierig das zu hören." „Als die Eltern gestorben waren, haben unsere wohltätigen Frauen angefangen für die Waisen zu sorgen. In dem Häuschen, das ihr einziges Besitztum war, haben sie ihnen einen Laden bauen lassen, und die Schwestern haben aus dem kleinen Geschäft, daß man ihnen eingerichtet, ihren Unterhalt gewonnen. Gerne hätten die Beschützerinnen Gitel verheiratet, aber das ließ sich schwer machen. Niemand wollte eine Frau mit einem Fuß nehmen, trotzdem sie ein sehr hübsches Mädchen war. Da ließen die Frauen davon ab und fingen an, für Masche einen Mann zu suchen. Einmal, als sie gerade bei einer Beratung saßen, trat Masche ein. Sie bat sie himmelhoch, mit ihr Mitleid zu haben und ihr von keiner Partie mehr zu reden. Im Leben, sagte sie, würde sie nicht vor der Schwester heiraten. Wenn die Schwester sitzen bleibt, soll es mit ihr auch so sein. Nur wenn die Schwester einen Mann nimmt, welcher es auch sei, und wenn sie sich von ihm sogar wieder scheiden lassen sollte, nur dann wird sie auch an sich denken können. Schon wenn man kommt, ihr eine Partie vorzuschlagen, zerreißt ihr das Herz beim Anblick der Schwester. Und sie hat geweint und geklagt, bis die Frauen ihr versprachen, vor der Hand nicht mehr an eine Partie für sie zu denken. Nach kurzer Zeit gelang es den Frauen, einen armen jungen Menschen ausfindig zu machen, der bereit war, Gitel zu heiraten. Er hatte keine Eltern, lebte sehr vernachlässigt im Hause eines Pferdehändlers und diente dort als Wächter. Er wurde beglückt durch Anzüge und Wäsche und von den zwei Zimmern des Häuschens wurde eines dem jungen Paare eingeräumt. Vor zwei Jahren war die Hochzeit. Wider Erwarten führen sie ein sehr glückliches Leben und haben ein Kind, schön wie Gold. Und jetzt wird Masche gleich getraut werden." In die Stadt zurückkommend gingen d'e zw« Wanderer auf das Hochzeitsliaus zu. Die Fenster 'standen weit offen. Die Braut saß, umgeben von den vornehmsten Frauen der Stadt. Das Gesicht Gitels strahlte vor Glück, und ihr schönes Kind, fein geputzt, ging von Arm zu Arm und wurde von allen bewundert. In dem zweiten Zimmer saßen der Rabbiner und die angesehensten Juden der Stadt, die der Braut die Ehre erwiesen, zu ihrem Feste zu kommen und ihren. Segen zu geben. — Jetzt zündeten sie die Lichter. Die Musikanten spielten die übliche Weise und alles strömte hinaus zur Trauung unter freiem Himmel. Die Sterne leuchteten, und die Stimme des Rabbiners, der die Trauung vollzog, klang hell hinaus in die stille Nacht; und jetzt fiel das Glas, aus dem das junge Paar getrunken hatte, und war zerbrochen. Masseltow, Masseltow riefen alle und die sanften Winde trugen die Töne hinauf, Glück zu erflehen für das junge Paar. —

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