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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-02-02 · 5 (2.2.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
5 (2.2.1928)
Date
1928-02-02
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seiic 2 QEMEINDEBLATT DLR ISRAELITISCHEN RELIOIONSGF.ME1NDE, LEIPZIG vom Abstrakten, aber nie blutleer, und beim Concreten übersieht er das Zufällige der Erscheinung. Was beute sich als sein Werk, mehr noch als die Wirkung seiner Persönlichkeit darstellt, war aber schon in den frühen Tagen an ihm. Noch vor Ii Jahren hat Landauer von ihm gesagt: „Er ist wie alles Echte langsam gereift". Seine Sprache mag eindringlicher geworden, »eine Kenntnisse sich vermehrt haben, aber das Wissen um das Letzte Und dies ist die Wirkung seiner Persönlichkeit. Nach den Reden eignete schon .lern Zwanzigjährigen. Iber d.is Judentum kann es nicht sein, dal! einer die Marienlegenden und all die Qeschichten der Kalenderheiligen liebt und in die Tiefen des Meister Eckhart taucht, aber Midraschim und die Erzählungen von Rabbi Nachmann, den Baalschem und den grollen Maggld achtlos beiseite schiebt, erschüttert die Matthäuspassion erlebt und vor dem Unthane Tokef Ohren und Her/ verschließt Das ist nicht Bubers Verdienst allein; die Furcht vor der Verstrikkung in weltgeschichtliches Geschehen, das Bewußtsein der Unentrinnbarkeil hat überall den Boden gelockert, dall sein und anderer Same aufging. Es ist weder die Stunde, noch bin ich zur Prüfung berufen, inwieweit sich Bubers Wesen mit dem Judentum irgendeiner Zeit deckt, aber mich dünkt, er hat hier schlafendes Leben wachgerufen. Das scheint mir auch nicht seine einzige Wirkung zu sein und)auch nicht seine wichtigste. I r ist durchaus nicht als Reformator, sondern als Wegweiser vor die Jugend jüdischen Bekenntnisses getreten, aber weil darüber hinaus sind seine Worte gedrungen. Im Inselvc!-»" und bei l iustav Kiepenheuer, Rütten und Loening und bei anderen sind Werke von ihm erschienen, und haben Lesern aus allen Kreisen bewiesen, daß Judentum nicht den scharfen Intellekt bedeutet, sondern, daß es das älteste Bekenntnis i<t. dasjenige, das am eindringlichsten fordert: „Du sollst lieben mit Deinem ganzen Merzen". Von dieser Herzensliebe des Judentums hat die Welt zum ersten Male erfahren. Das ist wohl seine größte Wirkung.! i hätte nicht so wirken können, wenn er nur vom Judentum gewußt, eallein erfaßt, nur von Ihm und um seinetwillen gesprochen hat. te Wie ehemals der Bücherschrein des Studenten nimmt sich das Lebenswerk des Mannes aus. Vom fernsten Osten holte er Laotse und Vinn WeSten die irischen Märchen, er Sprach von Buddha und pries UV Dickengütiges Merz, das Lied der Finnen, das Kalevala. und den Sonnengesang des Frandscus brachte er der deutschen Welt nai... Nein, Buber isl kein I nger; und heute deute Ich daher die einstige Bezeichnung der Freundin ,,A. E."; Auch Europäer, und das ist noch nicht ganz, richtig, e^ muß heißen: vor allem Europäer und daher von ganzem Merzen liebender Mensch. Martin Bub er wurde am 3. Februar 1S78 in Wien geboren. Er ist ein I nkri de-, verstorbenen jüdischen Odehrten Salomo Buber. dessen Persönlkhkdt auf Min Werden nachhaltig einwirkt". Marli. Buber studierte 1S')6 bis 1Q00 in Wien, Leipzig, Berlin und Zürir> Philosophie und Kunstgeschichte. 1001 war er Redakteur der vo» Theodor Herzl begründeten zionistischen Wochenschrift „Die Welt". Er war Führer der kulturpolitischen „demokratisch-zionistischen" Fraktion auf dem 5. Zionistenkongreß und Mitbegründer des Jüdischen Verlages. Seit 100b lebte er, mit religionswissenschafllichen Studien beschäftigt und in vielfacher Berührung mit führenden Geistern der Epoche, bei Berlin, 101b zog er nach Meppenheim an der Bergstraße. 1916 bis 1024 redigierte er die von ihm begründete ZcitschTm „Der Jude". Seit 1923 hat er den Lehrauftrag für jüdische Religionswissenschaft und Ethik an der Universität in Frankfurt a. Main Martin Buber hat nachhaltigen Einfluß auf die moderne zionistische Bewegung, namentlich auf ihre innere Entwicklung, geübt. Schon zu Merzls Lebzeiten bat er als erster die nach Henk Tod allmählich eingetretene Wendung zu Kulturpolitik, Demokratie und Kolonisation mit dem von ihm geprägten Schlagwort „Gegenwartsarbeit" gefordert. Auf dem 12. Zionistenkongreß in Karlsbad (1921) trat er mit Entschiedenheit für eine Politik der Verständigung mit den Arabern ein. Seit dem 12. Zionistenkongreß (1021) hat sich Buber von aktiver zionistischer Politik zurückgehalten, doch ist er in das Kuratorium der hebräischen Universität zu Jerusalem eingetreten. San Interesse gilt vorwiegend der Schaffung einer jüdischen Volkshochschule in Palästina. Die jüdische Jugend, nicht allein die zionistische, die Generation des Prager Jahrbuchs „Vom Judentum*-, sondern bald auch die liberale und zum Teil auch die orthodoxe, hat entscheidende Einflüsse von ihm empfangen. Für den Wcsien ist Bubers Wie'derentdekk u n g des Chassidistnus epochal gewesen; Buber verfocht die These, dall keine Erneuerung lies Judentums möglich sein werde, die nicht die Elemente des Chassidistnus in sich trüge. Die nationale Bewegung ist ihm eine Synthese von ChaSSidismUS und Haskala. Nicht nur auf dem Qeblete der jüdischen, sondern auch der allgemeinen Religionswissenschaft gehört Buber zu den fuhrenden Persönlichkeiten. I r ist mit allen Kreisen, ilie he Wiedererweckung religiöser Grundkräftc erstreben, verbunden. Von diesem Gesichtspunkt geht er auch an die Sozialistischen und pädagogischen Probleme des heutigen Menschen heran. Diesen Problemen ist die von ihm gemeinsam mit einem Katholiken (Wittig) und einem Protestanten (Weizsäcker) herausgegebene Zeitschrift „Die Kreatur' (Berlin, seit 1926) gewidmet. Von Buhers Schriften sind zu erwävnen: Die Selbstbiographie ..Mein Weg zum Ohassidismus" (1918), „Zum jüdischen Problem und „Vom Meist des Zionismus" M0I5), „Die jüdische Bewegung" (ers. Teil 1916, /weite! Teil 1920), „Reden über das Judentum" (1923), „Drei Reden über das Judentum" (1911), „De, heilige Weg" (1919) „Cheruth" (1010). „Völker Staaten und Zion" Antworten au Hermann (.oben (l'MO), „Zur Kenntnis des Chassididsmus", ,;Die Oe« schichten des Rabbi Nachmann" (1906), „Die I egende des Baal Schern'4 (MUT); „Der große Maggld" (1922); „Das verborgene Licht" 19241; „Ekstatische Konfessionen'- (löllS). „Reden und Qleichnissc des Tschuaug Tsc" (1010), „Prinzipielle Rdigionsphilosophie (Vorbereitendes), „Daniel" (1913), ,;Die Rede; die Lehre und das Lied" (1017), „Ereignisse und Begegnungen" (1017). .Ich und Du erstes. Buch einer Oesamtdarstellung (1923). Seit 1926 erscheint die von Buber und Franz Rosenzweig gemeinsam besorgte Bibelübersetzung. JücJincIie Vorbände u. Gemeinden Jahrts\crs mmlun^ d. Deutschen Pro Palästina Komitees Am 0. Februar finde! im Motel Kriserhol unter dem Vorsitz des Präsidenten Oralen Bernstorff die irste Jahresversammlung des deutschen Pro Palästina-Komitee! sei: dessen Qründung statt. Herr Direktor Oscar Wassermann wird über die während seines Palästina- Besuches empfangenen Eindrücke sprechen. Die Preußische Landesversammluiig tritt am 25. März zusammen Der Qroße Rat de- Picußischcn Landesverbandes judischer Gemeinden beschloß, die Landesversammylung zum 25. Mär/, einzuberufen. Die Festsetzung der Tagesordnung wird noch erfolgen Sehr eingehend wurde die Aufstellung des neuen Haushaltsplan es erörtert. In einem ausführlichen Bericht legte der Schatzmeister des Landesverbandes, Merr Direktor Kareski, dar, daß der neue Voranschlag unter stärkster Rücksichtnahme auf die allgemein bekannte schwierige Lage der Mitgliedsgemeinden angefertigt werden müsse. Es wurde sich nicht vermeiden lassen, erhebliche Abstriche im Verhältnis zu den bisherigen I laushaltsplänen vorzunehmen. Wenn öfters Unzufriedenheit mit der Tätigkeit des I andesverbandes geäußert worden sei, so sei die Ursache bierfür in den ineisten Fällen darin zu suchen, daß die Wirksamkeit des Landesverbandes nicht genügend bekannt sei. Trotz der häufigen Veröffentlichungen über die umfangreiche Tätigkeit des Landesverbandes herrsche über diese noch viellach Unkenntnis. In der Aussprache wurde allgemein zum Ausdruck gebracht, dal! der Landesverband noch volkstümlicher werden müsse als bisher. Unter allen Umständen müsse erreicht werden, dali die aullerpreußischen I andesverbände sich an der F"rhaltung lebenswichtiger Einrichtungen der ganzen deutschen Judenheit stärker als bisher beteiligen. So z. B. seien die Rabbinerse-

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