Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 21 (27.5.1927)
- Date
- 1927-05-27
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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3. 3a*f4>n(t. Dr. 21 27. mal 1927 tnfteMktt der Jsteelitiscken Amtliches Nächr!chtenb1ä tyer GeHieiMdeverw<Hrt Kz l iglongqe mzmdz &t1tytg CcKHAKjr %£ \ Di* Gemeind ilaii e scheint wöchentlich am Freitag. Dia Mitglied rn t'er Religionsgemeinde wird es un- ..itgeltlich djrch die Post zugestellt. Bezugspreis fül Nie itmitqi.eder monatlich 60 Pfennige. Anzeigenannahme: W. Teicher. Gli-kenstraße 11, Telephon 14449. Schrütleitung: Gemeinderabb. Gustav Conn, Leipzig, Löhrsti, 10, Telephon 29641. :: Druck i nd Verla]; V,. Teicnei, Leipzig, Glockenstr. II, Telephon U449. An zeiganpreise; Die 4 gespaltene mm-Zeile 20 Pfg. Fa milien- und kleine Anzeigen 10 Pfg Umschlagseiten und Teitinserate nach besond. Tarif - Für den 'nseratenteil: J, Kühne, Reichelstr. 7 (Telephon 14449). Die Schriftleitung übernirnrnt für die unter dem Namen des Verfassers erscheinenden Beiträge und die Vereinsnauirichten nur die prebyeeetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Quellenangabe ine1 Genehmigung des Verfassers gestattet. Vom Wohlfahrtswesen in der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands Vrgi. den Aultat/.: „Die Striktur der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands" in Nr. 13 (l. April) 1927 unseres „üemeindebUtis*. : ~m—^ j s Bedarf keiner besonderen Hervorhebung, daß in : I—* : iitur Üemeinde von dem Außmaße der Berliner (etj I j \ wa 250000 Seelen) an das Wohlfahrtsvvesen unge- •..........: heure Anforderungen herantreten. Di r „Zug in die Großstadt" hat jahrzehntelang Pausende von Kleinstädtern in seinen Strudel gezogen, nicht nur solche, die in ihrer Hei matsgemeinde nicht mehr genügend Enyerb fanden, sondern viele, die eine auskömmliche Existenz aufgaben, um die Entfaltungsmöglichkeiten und die Annehmlichkeiten der Großstadt auszunutzen oder auch in der anzuerkennenden Absieht, ihren Kindern bessere Ausbildung ZU sichern. Aber allzuviele mußten zu spat erkennen, daß der Lebenskampf in der Großstadl ein außerordentlich schwerer ist. Wer auch nur ein wenig Einblick in die Arbeit jener Gemeindeciurichhingen gewinnen kannte, die der w ohlfahrt dienen, weih erschütternde Bilder von getauschten Hoffnungen wiederzugeben. All dies erfuhr unter den Einwirkungen der Nachkriegszeit eine nie geahnte Steigerung. lausende von Flüchtlingen aus den abgetretenen Gebieten im Osten und im Westen, wohl die Mehrzahl unter ihnen allen Kapitals beraubt, setzten ihre ganze Hoffnung auf Berlin. W ie viele vergebens, gerade in der Zeit dauernder wirtschaftlicher Krise. So wurde das Wohlfahrtsweseu der Gemeinde 1922 gänzlich umgestaltet. Anstelle der bis dahin wirkenden Armenkommission (aus 120 Mitgliedern bestehend), der W aisen-, der Stiftung*- und der Fürsorgekommission (für Jugendfürsorge) wurde eine weitgehende Dezentralisierung nach Bezirken mit einer straffen Zentralisierung an der Spit/e der Wohlfahrtspflege kombiniert. Das frühere reine Unterstützungssystem wurde in ein Pflegschaftssystem umgewandelt. Es bestehen zur Zeit 2 5 Wohlfahrtsbezirke. In jedem von ihnen wirken je 25 Pfleger und Pflegerinnen, die im Bezirk wohnen; selbständig gewählt und durch Gemeindebesehluß bestätigt. Satzungsgemäß gehören ihnen Rabbiner, Aerzte, Lehrer, Frauen und Vertreter der freien Wohlfahrtspflege an. Aufgabe der Bezirkskommissionen ist die Wirtschafte- und Jugendfürsorge, sie »eben Unterstützungen bis zu einem gewissen Höchstmaße, Lebensmittel, Kleidung (manche haben eigene Kleiderkammern). Line Reihe von Bezirken hat eigene Speiseanstalten, die teils durch Sammlungen, teils durch Zuschüsse der Zentrale erhalten werden. Die Bezirke begutachten die Anträge auf Darlehen, die aus ihrem Bezirke heraus gestellt werden, vermitteln auch die Verbindung zwischen den Pfleglingen und den städtischen Wohlfahrtskommissionen. Für eine Reihe von Aufgaben bleibt aber die Zentrale zuständig. Vier Sozial-Sekretariatc, geleitet von beruflich geschulten Kräften, umfassen je eine Anzahl der Bezirkskommissionen. In ihnen werden Bewilligungen größeren Umfangs, Verschickung von Erwachsenen und Kindern, Gewährung von Darlehen. Unterbringung von Kindern in Anstalten und Familienpflege, Gefangenen- und Irrenfürsorge, sow ie produktive Fürsorge bearbeitet; sie führen ferner den Schriftverkehr mit den amtlichen und den interkonfessionellen Stellen. Der Zentrale unmittelbar untersteht die Sammelvormundschaft, eint Kleiderkammer und die Abfertigungsstelle für das Durchwandererwesen. Für diese letztgenannte Stelle steht ein Asyl (Wiesenstr.) zur Verfügung, in dem durchschnittlich lbii Insassen (Männer, Frauen und Kinder) Unterkommen und Verpflegung erhalten. hu Jahre 1925 wurden insgesamt mehr als!7ii(ii) Personen, betreut. Mindestens eine Million Mark wurde im Jahre vom Wohlfahrtsami vorausgabt. In elf Küchen wurden im ganzen 126500 Portionen verabreicht. Außerdem wurden für die Durchwanderer und Obdachlosen Eßmarken für die Küche im Heimathause, Gormannstraße ausgegeben; die Zahj der Eßportionen ist dort leider nicht ermittelt w orden. Von der Sa in tu ei Vormundschaft sind 1552 Kinder betreut worden. Vier Gemeindeschwestern üben ambulante Krankenfürsorge aus, je eine einem Bezirkssekretariat zugeteilt Neben diesen Arbeiten des Wohlfahrtsamtes der Gemeinde besteht eine große Anzahl Einrichtungen der freien VX ohlfahrtspflege. Eine Mittelstellung zwischen der gemeitfHichcn und der freien Wohlfahrtspflege nehmen die Jüdische Erholungszentrale und die Jüdische Darlehnskasse (i. m. b. IL ein. Die Jüdische Erholungszcntrale entsendet vornehmlich Kinder, aber auch Erwachsene in eigene 1 leime nach Midroy, I hnen. Hirschberg, Wiersdorf und unterhält Tageskolonicn für 540 Kinder. 1925 sind 1600 Kinder mit etwa 30000 Verpflegungstagen verschickt worden. Durch die Jüdische Hilfe für das jüdische Kind bleiben die Kinder auch nach ihrer Erholungsreise unter ständiger Beobachtung. Line Schöpfung der letzten Jahre ist auch die Jüdisehe Darlehnskasse. Etwa 1000 Darlehen im Gesamtbeträge