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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-05-06 · 18 (6.5.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
18 (6.5.1927)
Date
1927-05-06
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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^eite 6 3. Jahrgang seinen Vater nicht könnt. Er leidet darunter doppelt, weil er auch als Jude leiden mtili. In Ihn erwacht das Sehnen, als Rabbiner Muten tu dürfen lür Gedrückt«. Auch darin wird er zurückgewiesen. So wird er zum Aufrührer, der insgeheim die Entrechteten sammelt, von ihnen alt Messias verehrt wird, dessen Bewegung aber auch zum Tummelplatz lül Abenteurer und Verbrecher wird. Sic erniedrigen seine reinen und edlen Gedanken Sein Vertrauen richtet sich auf an der liehe eines Mädchens, der Tochter eines jener Reichen, gegen di« lein Kampf geht. Et will ihr zeigen, dafl er sie auf eine reinere Höhe führen kann. Der .Aufruhr wird entfesselt. Einer der ersten, den ei trifft ist der Vater seiner Angebeteten. Bald steht auch sein Maus in Flammen. Er eilt hinein, um sie zu retten, findet sie in den Händen einei Nebenbuhlers, den er erwürgt. Von diesem Äugenblick an verlaßt ihn nicht mehr der gellende Ruf: Mörder1 Mörder! Dal weckt in ihm Zweifel an der Aulrichtigkeit seines Wullens: auch er hat an sich gedacht, auch er will Macht! Er verliert du- Gewalt über die Seinen und findet selber im Kampfe den Tod. Ein gut aufgebauter, vielfach zu dichterischer Kraft gesteigerte! Roman. Aber nur im Milieu indisch, nicht in seinem inneren Wesen. Was Mirjams Sohn will, entspringt nicht jüdi schem Sinnen; was er bekämpft, sind nicht jüdische Erscheinungen. Ein Wahrheitssucher, der sich seihst verliert, dessen Erlöserwille groO und rein beginnt, dann aber sinkt: menschliche Erscheinungen, die man nicht verdammen, mit denen man nur mit empfinden kann. Dieses Mitempfinden zu wecken und zu begründen, ist der Verfasserin trefflich gelungen. — o Wdlthcr Rathenau. Neue Briefe. Dresden ll)27. iCarl RelOmer.) Eine wertvolle Ergänzung der mit so starkem Interesse aufgenommenen beiden Bände Rathenau-Bricfe. Wertxoll besonders für die Kenntnis der Jahre seiner Entwicklung, Diese ..Neuen Briefe" entstammen zum grnlilcn Teile der Jugendzeit Rathenaus und zeigen ihn in seinen Besiehungen zu den Eltern und dem Bruder, vor allem wahrend Miner Studienzeit und seiner Reisen ins Ausland. Einige äußerst bedeutsame Briefe aus der Zeit des militärischen Zusammenbruches, den er bekanntlich noch im letzten Augenblick aufhallen zu können dachte. Für uns Juden verdient besonders ein Brief Beachtung, in dem seine auch aus den trüberen Briefen bekannten Anschauungen uber das Judentum in einer besonders prägnanten Formulierung ausgesprochen sind. Sie bestätigt guna unzweideutig, d.-ili er keineswegs das Christentum vertritt, WIM er häufig sich zum Neuen Testament bekennt: sein religiöses Ideal ist ein anderes. — Auch diese „Neuen Briefe" werden uns den großen Zeitgenossen menschlich naherbringen. —h — Heimalgeschichte für Leipzig und den Leipziger Kreis. Hcrausg. von Dr. Kail Reumuth (Dozent am Pädagogischen Institut zu Leipzig). Mit 9 Abbildungen im Text. 2-t Bildertafeln und 2 Plänen. Leipzig 1427 (Dürrsche Buchhandlung.). Aus pädagogischen Absichten entstand ein Buch, das vortrefflivJa geeignet ist, das Heimatgefühl seiner Leipziger Leser zu vertie'en. indem ei von d« r Geschieht« unserer Stjdt berichtet, de: Blick auf die [escliichtlichen Denkmäler in der Stadl und ihrer Uai- (,'bung lenkt ,'id zu ges> 1 i'.htlichen Wanderungen und Spaziergängen einlädt. Gerne wird auch der Jude diesen Anregungen folgen. Es ist wohl wenig genug, was an Beziehungen zwischen Juden und Leipzig gesagt werden kann, da über den Stand der Judenschaft unserer Stadt im Mittelalter nur dürftige Kenntnis besteht (die „Judenburg" in der Nähe des Naundörfchens) und im 16. bis in das 19. Jahrhundert hinein Juden nur während der Messen hier weilen durften (dann allerdings nicht unwesentlich am wirtschaftlichen Aufstieg Leipzigs beteiligt waren). Dennoch entspricht es der Art des Juden, sich in dem Orte, der ihm zur Heimat geworden ist, heimisch zu fühlen und kein Mittel zu v ernachlässigen, das ihn immer enger mit der heimatlichen Umgebung verwachsen läßt. Darum darf auch an dieser Stelle mit Dank auf das vorzüglich ausgestattete, überaus anregende VCcrk hingewiesen werden. „Der Morgen". Zum Beginn des dritten Jahrgangs. Das erst« „Morgen"-H«ft des dritten Jahrganges ist besonders reich an wertvollen Beiträgen. Zwei von ihnen seien zuerst genannt, weil sie den bisherigen Themenkreis des „Morgen" nach der wirtschaftswissenschaftlichen Seite hin erweitern. Gcrhart Buer: „Die Stellung der Juden in der deutschen Metall- und Eisenindustrie" und Ernst Landsberg: „Die Juden in der I extilindustnc". Es sollen in der Folge in jedem Heft solche Beiträge zur wirtschaftlichen Lage der Juden ffi@mwäR%®B^mmmem J. C. Hanisdi, Leipzig Grimmaische Str.29 und Hauptbahnhof Westhalle Gegründet 1836 Fernspr. Nr. 20016, 21173 Frische Blumen zu jeder Gelegenheit in Deutschland erscheinen, um ein von Vorurteilen ungetrübtes Bild der wirtschaftlichen Existenz der deutschen Juden zu gewinnen. Neben dem Herausgeber hat sich der bekannte Volkswirtschaftler und Soziologe Dr. Norbert Einstein in Berlin in der Anregung dieses Planes und als Berater bei der Durchführung besondere Verdienste erworben. Ein christlicher Studienrat, Dr. Müller-Claudius, behandelt das Problem, das alle jüdischen Eltern angeht: „Das jüdische Kind ir» der Schule". Hier spricht ein seelisch feinfühliger Pädagoge die leise Tragik aus, die über dem Schulschicksal des jüdischen Kindes liegt, indem er, vorsichtig deutend, Tatbestände aufdeckt, die im Wesen der Schulumwelt und des Kindes ließen. Der Verfasser klagt nicht an — er legt nur dar, allerdings in einer auch sprachlich so eindringlichen Weise, daß er das Gewissen der Lehrer und Leser weckt. Zum Verständnis des vorliegenden Problems hat dieser Aufsatz entscheidende Bedeutung. Rudolf Hallo (Kassel), ein Weggenosse von Franz Rosenzweig, schreibt über den Psalter. Was bedeutet er als Ganzes inmitten der Bibel? Welche Motive bewirken seine Linteilung, seinen der Thors nachgebildeten Aufbau? Hallo wirft Fragen auf, die, über alles Philologische und Gel«hrt« hinausweisend, an die letzten religiösen Kräfte unseres Schrifttums rühren. Lrnst Jacob (Saarbrücken) gibt den Schlufiteil seiner Arbeit über Rathenau. Alles, was sich in Schriften und Briefen Rathenaus über sein Verhältnis zum Judentum, zum Zionismus und zum Deutschtum findet, wird dem Leser mit verdienstlicher Uebersichtlichkcit dargelegt. - Ernst Altkirch, ein vor einigen Monaten verstorbener ^pinoza-horschcr, dessen wertvolle Arbeiten in dem bekannten philosophischen Verlag von Felix Meiner (Leipzig) erschienen sind, behandelt „Die Freunde Spinozas". Angesichts der Einweihung des Spinoza-Hauses im Haag -- einen Bericht darüber von F". Sehlcrath enthält das vorliegende Heft ebenfalls Sahen diese Ausführungen eine besondere Aktualität. Sie zeigen, wie wenig die Freunde sich der Größe Spinozas bewußt waren, wie wenig sie Sorge trugen, daß sein Nachlaß und seine Briefe der Nachwelt überliefert wurden. Berndt Götz, ein Berliner Psychiater, gibt in einem Aufsatz: „Analytische Darstellung der Träume und Träumer im Alten Testament" eine Typcnlchrc der in der Bibel vorkommenden Träume. Mit der durch den Gegenstand gebotenen Ehrfurcht zeigt der Verfasser, wie auf diesem Gebiet die Bibel schon alles sachlich Bedeutsame in ihrer klassischen Gegenständlichkeit zum Ausdruck gebracht hat. — Schließlich sei noch auf einen Aufsatz von Julius Goldstein hingewiesen: „Die Irrtümer der Völkischen", der, ob er gleich geschlossen und für sich verständlich ist, als fünfte Fortsetzung des Themas: „Völkischer Antisemitismus" zu gelten hat. Goldstein weist in diesem Aufsatz historich und prinzipiell nach, wie die Völkischen den Begriff des Volkstums für ihre antisimiti- Schcn Zwecke verengen und dadurch den Unterschied von Natur und Geist verwischen, ohne den alle Werte der höheren Kultur ihren Sinn verlieren. Lüne Arbeit von Herbert I.ocwe von der Universität Oxford über „Caspar da Gama", einen jüdischen Abenteurer aus dem Zeitalter der lintdcckungcn, eine Besprechung von Rudolf Hallo über die Darmstädter Ausstellung des bekannten Offenbachcr Meisters Rudolf Koch, sowie eine Reihe von Buchanzeigen beschließen das inhaltvollc Heft dieser Zwcimonatschrift, die sich zu ihrem geistig interessierten Leserkreise auch in diesem Jahre sicher neue Freunde erwerben wird. Neue Büc'ier, mitgeteilt von der Buchhandluna M. W. Ksufmsnn, Brühl 8. Bausteine, zur Unterhaltung und Belehrung aus jüdischer Geschichte und jüdischem Leben. Neue Folge v. Th. Rothschild. Gzlwbd. (M. 5.—). — Beer, Mischnah Erubin, übersetzt und erklärt (M. 9.--). — Bccrmann, Unser Judentum (M. —.80). — Blau, Armin, Die Bibel als Quelle für Folkloristik (M. 1,4(1). — Bloch, Chajim. Das jüdische Amerika, Wahrnehmungen und Betrachtungen (M. 8.— Leinwandbd.). — B I o g g, S. K.. Seffer hachajim, Israelitisches Gehet- und Erbauungsbuch (Lwbd. M. 5.—). — Brod. Max, Reubeni, Fürst der Juden (Hlwbd. M. 5.—, Lwbd. M. 8.—). — D a 1 m a n, Gustav. Aramäische Dialektprobcn (M. 10.— gbd.j. — D r c i f u s s, Erwin. Die Familiennamen der Juden unter Berücksichtigung der Verhältnisse in Baden (M. 8.— gbd., 6.— ugbd.). — Feist. Lore, Rahel Varnhagcn, zwischen Romantik und jungem Deutschland (M. 2.—). — Gabriel, Johann, Zorobabel, Min Beitrag zur Geschichte der Juden in der ersten Zeit nach dem Exil (M. 4.—). Paul Nathan — Gedenknummer der C. V. Zeitung. Die C.-V.-Zeitung hatte beabsichtigt, anläßlich des 70. Geburtstages von Dr. Paul Nathan am 25. April eine Festnummer ersehei- Versicherungen aller Art Siegmund Cohn Elsfersfraße 24 Fernsor. 159Ö6

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