Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 17 (29.4.1927)
- Date
- 1927-04-29
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 8 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3. janrganfc- £Uitr> Orteittclifdjc* Wärdjcn von tflaro «djutt < gortfebung i nb 6d> u» t inet Slbcnbt faß er "> öebonfen oetfunfen not ber [leinen $?a\\*- tür unb blidte ben äVafferträgerinncn |U, wie fie, ben fttug auf bem baupte, langfam ihrer wo^nftätte jufc^titten. Ta begann ei *u »einen, beim et gebuchte bei feeimat. „Stein ©ort, wie lammt et, bnf, itli nicht tjcimlchrc ju ben Steinen unb ba fj id) mein Setmogen oergeube: habe?- rief er tlagenb. Jtc« hone ein alte« Slfitterchen, ba* bei SBeejei um unb blicfto mitleibig im' ben Kaufmann. Sieb, ängftlid) unifdjaucnb, näherte fic ficij üim unb flüftcrte ihm ^'ir- . I 1 » l L vnif bidi iuu ben Scbabrirt, Snn, Sun, 3tt, 9u, »eilt bit benn nidn. bog bu bei einet SiKt bifl?" „fSai wiüfl bu bomit fojenf" gine v.;:: ifl ein bäfer Seift, bei Reh. in einet fthönen weiblichen Ocftalt bin SWenftb^en naht, um ilm }u oerberben."?a fiel iv wie Schuppen oon ben Hilgen be* Maufbcrrn. Siuieti. mae lann idi tun, um bem bäfen öeift ju entfliegen?" jaette er. „Xu batfft fein SUaffcr trinlen." (agte fie, ..unb komme |u mir, wenn bie Äad)l hcrnicbcracfunten unb bu bein Webet «errichtet baft. 5dj wohne am Unb« bei 2tabt unb nwtbe ein Ddlämpehen not meine gfltte fefccn, t>o111il bu bich biu'inbeft" Sllfo fptetbenb, war bie Vlltc pctfdwwnben. •Jim anbeten tage muh bor Anufbctl ber Vilit aus. ftauin fcniiti et Jeu Stbenb etwatten, um .311 ber befthrtebenen $fitie 31t gehen. 9ilt er mühelos bat Stüttcrehcn '"unb, banb [ie ihm ein Stmuletl um; el beftanb Olli einem bteiettigen Stüd Silber, in bem ein hebräifdjc-j Shaw ciiigcftanil war. lr* befaß bie Hiutt, jeben Raubet |U ban:.en. Stein Sohn." nahm (ie ba* Wort, „in bie $erbcrgc fonn bi.h nur ber Satan gefügt! Haben, fliehe, beim nur Unholbe wohnen brin.- To wußte mit einem Scale ber ftaufbett, wer fein Segieitet gewefen mar, unb warum er (eine Seele begehrt hatte. 'Hitterlidi begann er }u weinen. „Slii leeren §änbcn werbe irr) fortgeben, idi frhäme midi, ui j$tau unb ftinbem heinmifehrcu, beim nun bin icti ein anner Storni." Tie Vi'.te ftanb auf. nahm ein tfläftbcben, 111 iicf>tc einen itnnf unb fptarb: „3aubei gegen;{nuber! Tu lannft biet) nun ber Vilit nur befreien, wenn bu ihr unter Motte« freiem Qimmel an« biefem ftläfd)* tbtn einge {topfen gibft." „SBol Fann id) bir geben, gute Vllte, für beinen ntV" fragte ber fraufberi :mb erfante ihre biwit. •Jiiriitv jollfi iui mir geoen, gebe heim unb befolge ihn!" '.'!!:■ bem Raufbettn am onberen iage Vilit entgegentrat, »prach er )ii ihr: „Stbmfitfe bidi mit allein, mal idi bir aeffQcntt, unb )iehe beine heften ftleibet an SBenn ber Stonb febeint, wollen wir über bie geltet gehen, unb icb will bir bn» Bebte geben, macidi beftbtl" ..Ter:,- Stele?" kdiehe bie idione Vilit. „Steine Beck? Vlndi bn millft fic baben?" (ptatb er unb iah iljr und), bie Davonlief, um ftrb tu fdrmficten. _ 9li fie nun beibe an» bem ffelbt waren, nahm ber Staufherr i»a$ Slaididieii betaut, bai er Don ber olle-n %tnu erhalten hatte. „Vofte neu biefem herrlichen Tranf." bat er, ..man lagt, wer bieroon genoffen, erlangt unoergänglicbt Bcbönbeit." Unb fiehe ba!^ Sobalb Vilit baoon getrunten, fiel il>r foftbatei Sewonb unb ihr Scbinud oon ihr ab unb fofort Derwanbelte [\t fid) in ci;ie tiielin. Sic (prang über bie gelber unb begann an ben Xi|teln jn nagen, bie in ben Stoppeln wud)(en. Sun raffte ber flaufberr ftbnel feine Scbmudfatbtn |ufammen «üb eilte MMannen, Eein ©ebanten waren [ogleicb auf fein BeftbSft geridittt. er f&blte fid) fni unb erlöfl ^alb waren bie 2d)murfiatbcn oerfniift; nun tonnte er ben >>eimweg einfrfjlagen. Sil er ein Stfid geroanbert, tarn eine ftaraman« baher, ber et fid) anfdjloß Slbet feiner Umiebiilb gingen bie Jtaniele niel »u langfam. Iblten fidi bie ^ilgei oOerbanb IBejcbifblen. (*in Mann «pradi oom '.Vser Ijera*). ber bie Welt burtbitebt nnb iibcrafl feine bbfe Sa;it aue^htut. •) *\ejer Iiora — ein böfer Qkift. Ta erjdjraf ber Waujnianu. Ütun wirb ber höjc Wcijt nudi wobl in meiner .'öeiniat beliebtet haben, wnei idj rerhrodjen, bachje er. Unb (0 war e-> auch. Turd) sJi'nriit unb Winb war ber S9l(e ihm oorangecilt, legt« (icb auf bie Vanbftrafte unb heulte fo laut nnb jAmmerlid), baj; alle« "!h>1! )ufammenlief. 9tiemanb wußte fid) ba-> laiebaten ju etdäten, audj bie #>f!ehrtcn. b;e über ben großen Folianten (aßen, wußten leinen Mint. Ta )Ogen bie Ütelteften nuss bem Trle htnaui unb beteten, altet notb iniinei Hellte ber Wiife fein beulen nicht ein. Villen Seuten war ti barob arg giufelig geworben, ganj befonber« entfette fidi bie itaufmannifrau unb Deren ftinber. „Vld)," feufjte fie eineJ übenbÄ, ba fidi ba* Qkbeulc wieber hören ließ. ..wäre bod) ber Sätet baheini, bann braurbten wir unf nidjt fi ,\n jürditcn!" sMi (ie ti gefproeben, tat nch bie iür auf, unb in ber Veflall einet ©ettlerö trat ber 8öfe in ihre Kämmet. „Siebe ,vrau," bat et, „gib mir etwa« ui effen unb iii: Irinlen, idj lomme 0011 weit, weit her." Tieie, froh, bai; jemanb W ihr tarn, brachte fogleidj 2|ui*e \mi iranf nnb tifdjte bem Jremblmg auf. „Wobei tommft bu be» SBeget?" fragte fie ben haftig »]ugreifenben? . Jd) lomme oom See libcria*!" Jü. bann (annfi bu mir wobl fagen, ob bu ben großen Äaufbettn getroffen. Um (^iolb unb libclftetnc ju oertaufen, jog er nuo." „TenV — Iii gewiß!" Unb er erjiihlte ber grau, baf; er ihrer unb ber .tlinber uergeffen, fein Vermögen oerfd}entt, unb nun ein armer Staun In- Ta ftblug bie Jtnu 00t ISntfeben bie S>anbe ineinanber,;jom unb 2d)rcrf rötete ihr (vKfiri)t. öonj oon Sinnen lief fie jum $tufe hinan« unb irrte tagelang uiiibet, Wal)renb fie nun abwefenb war. tämmertc fidi niemanb um bie octlaffenen ffinbet, bi>? eine Slacbbariu fie jammern horte. Sie gm« |u ihnen, unb ahj fie vernahm, wai gefeiheben, fprnd) fie UO0 Stilleib: .."»'Irl), ihr armen ,Mleinen, Sater unb Btuttet haben eurer i<er» geffen unb nidjt einmal '{Matter habt ihr an ber?Bano, baniit enrk bie bdfen (Seiftet nicht« anhaben rönnen. 3d) gehe, um welche ju brlen." VIIv fie wieberlam, l)örte fie lauten ^ubel, lein SBunbei. ber 'inner war )UtÜdgc(ebtt nnb padte 2d)ütye aut, bie er für bie £iinei; mitgebracht. „Wo ifl meine j^tau?" rebele er bie Sacbbatin au. Tie ftinbei iriffen nicht, wohin fie gegangen." ...s.iöre, beine Jvrau, bie lief baoon. Jminer gernbenu« lief Tie. Sie ift fdion brei Tage nnb brei iltädite fort." Ta weinte ber Staun unb webflagtc: „(frft blieb id) uon ben JKn*' bem fort, unb nun ift meine fttau neridiwunben. Ta iiiufi bodi wieber ein böier (Bei(l im Spiele fein!" Jnjwiftben war bem jBeibe ein guter Weift begegnet, ber rebete fie au: ..N\d) leime beinen Shiinmet, aber fei getroft unb Infi bir roten (Hltich gehft bu heim, beim über eine Sorge barf man feine ^flidjt nidit oetgeffen. Deine Stinbet weinen um biri), unb xinbcrnlnfn fallen auf ba>? Qetj ber Sltetn. Schnei, gehe unb trodue fie! Unb höre, fdion ift bein Staun jurudgelehrt. t*r war nerjaubert. Wilft bu ben ,{auber ganj löfen, (0 gehe hin unb lächle ilm an." Ta ging bie $tau mit bem guten Weift. Vll« fie an einer Weibe norüberfam. blieb fie flehen unb bctioAiete ba* weihenbc Sieb. Sprad) ber Weift: Jtmnm fdinell, bleib nicht flehen, roenn ber Stier oon ber Weibe toiniut, tanjt ber Satan jmifeben feinen Sjidtnern." Weiter ging et. Sie febritten an Feigenbäumen oorüber. T« I fnrad) ber gute Weift: „Wenn bu nad) fraufe loiumft. tue *u|e. 'onft oerborren bie ^rüdite an ben Säumen. Sil ber Mau'herr fid) nun gernbe oufmacben wollte, um fein Seil! |U Indien, öffnete fid) bie iür, unb bie Vtfebnte trat betein. ^reubig eilte er ihr entgegen, fie aber midi jurürf. Cin buinmer "sroij war Aber fie getommen unb hatte alle guten Regungen niniebte j aemaebt. Stemb unb fall bliche ne ihren Kann an. Schon wolle ber Satan wieber bie Oberbanb gewinnen, beim böfe Worte fd)webten; auf ihren Bippen, ba law ber gute Weift ju friilfc. ..Tu mußt ©ergeben," flflfterte er ihr ui, „bein Stann im j 3°UDCtbann, e« war nidjt feine Srhulb, bnfe er fortblieb unb ©db nnb Qut oerfdjleubette. Sfadie fein ,v>erj nid)t fdjwerer. «1* et objtebiei iit. i;ergib." Ta folgte fie ber inneren Stimme, trat auf ihren Staun )ii unb reichte ihm ihre öanb. Clr aber fiel oor ihr nieber, fußte ihr Wnuanb unb beulte t**tt ^af; er eilöft war unb ^rieben in feinem $i«uie fanb.