Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 47 (20.11.1931)
- Date
- 1931-11-20
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4876568-5968779-5969280--4216-4878550- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite i> GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 47 Ol 1 VltliiV-.Sl'ill»!-, 1 "J'Clt ,9, ff fihtoii ',f> ,Sitiil>U. l'at-rnfc -C<l, i8,14-ri<nlt)ol,40i) ilßafl , «.i,. rivvtt. a I t b e w ä h r t bei 9tf)cuma, 36cf)ia«, ftopf., <3Tert>en« u. ertältungsf cfjmer» aen, (Srmttoung u. ©trapajen Qn Otpotfetttn uni Srogttlta. begriffen, und so sind für die etwa 250 jüdischen Erwerbslosen, die in dem Verband der „Interessengemeinschaft jüdischer Erwerbsloser" vereinigt sind, das Arbeiterheim ein dringendes BedQrfnli geworden, Du» jüdische Arbeiterheini der J.A.G. erfafit augenblicklich Ober •"><• Mitglieder obengenannter Organiaationen, und es hat aich im Laufe der Jahre an einem lebendigen Mittelpunkt der Leipaiger jfldiacheu Bevölkerung entwickelt. Keiehsbund jüd. Fron Soldaten, Ortsgruppe Leipzig. .1 a Ii r e s b e rieh 1. Nach der Sommerpause fand am 5. Oktober die ante Winterver- Sammlung statt, die, im neuen jüdischen Jagendkeim abgehalten« gani auageaelchnet besucht war. Aus dem umfänglichen geschürtMidien Teil war bemerkenswert, dal) unser für Leipalg schon beste Tradition bildendes Winterfest, den Zeitumständen leider zum Opfer fallen muß. trotzdem es die Hauptquelle unseres Unteratützungafonda bildet. Eine angeregte Braataaammlung für diesen Fonds ergab aus der Versammlung heraus einen schönen Ertrag und soll diese Sammlung noch fortgesetzt «erden. Der Referent des Abends, Schriftleiter LO t h a r Leipzig. sprach eine stunde interessant von den >.Q e h e 1 m n i a ae n der Natt o n a I bo a 1 a 11 b te n". Der Vorsitzende. Kam. Dr. Alfred Jacoby, berichtete anachlieSend über die wichtigsten politischen Kreißnisse während der verflossenen Sommerpause, soweit sie die Interessen des RjF. berührten, — Aus besonderen Gründen wurde in diesem Jahre die Generalversammlung bereits am '2. November abgehalten. In dieser Versammlung erstattete Kam. Alfred Jacoby als 1. Vorsitzender einen eingehenden Geschlftabericht, aus dem hervorging, dal) auch im nunmehr zu Ende gegangenen Vereinajahr die Arbeit der Ortsgruppe eh.....rfolgreiche gewesen ist. Kr betonte die guten Beziehungen, die zwischen dem RjF, und der Gemeinde, wie auch zu den anderen jüdischen und sonstigen Organiaationen bestehen, und konnte mit Genugtuung feststellen, daß clie Ortsgruppe innerlich gefestigt und stark nach außen in das neue Vereinsjahr eintreten kann. Sodann widmete er den in diesem Jahre verewigten Kameraden Walter Mendelsohn und Max Bucky tiefempfundene Worte ehrenden Gedenkens, die von der Versammlung ergriffen, stehend angehört wurden. Die Neuwahl des Ueaamtvorstandei erfolgte einstimmig auf Grund eines von dem Wahlausschuß unterbreiteten Wahl Vorschlages. Kam. Dr. Alfred Jacoby als bewährter Führer unserer Ortsgruppe wird auch im kommenden Jahre als erster Vorsitzender clie Geschicke der Ortsgruppe leiten, An Steile des zurückgetretenen '-. Vorsitzenden Kam. HirSchfeM wurde Kam. Dr. Rud. Brandl (.■••wählt. Die Führung der Kaasengeachlfte übernimmt Kam. Kantor .laffc? und die Leitung der Gezchlftsatelle wurde Kam. Harry Hirsch übertragen; im übrigen tritt eine Aenderung in der Beaetaung des geschkftaführenden Vorstandes, der mit Eifer und Interesse sich jederzeit betätigt hat. nicht ein. Die Generalversammlung genehmigte noch einige Antrüge, u. a. die Herabsetzung des Monetsbeitragea auf 1,60 Mk. ab 1. Januar 1982, In einem Ausblick auf clie bevorstehende Winterarbeit kündigte Kam. Dr. Jacoby schon für clie nächsten Versammlungen Interessante Vorträge prominenter Redner an und richtete an die Kameraden die Forderung, dem RjF. weiter wie bisher die Treue zu halten und mitzuarbeiten an den Aufgaben unseres Bundes, insbesonderein der Abwehrarbeit und in cier Aufrechterhaltung des Kameradachaftagedankens. Theater und Konzert Fünftes (iewandhiiusknnzert. „Das grollte musikalische Wunder seit Mozart" nennt Adolf Husch, der groll,- Geiger, seinen Schüler Y e Ii u d i Meli u Ii in. dessen Auftreten im .". Konzert die- Begeisterung des ausverkauften Hauses /ur Siedehitze steigerte. In der Tat: au diesem bescheidenen, frischen jüdischen Knaben offenbart sich ein Wunder von beglückender Grüße. Dabei ist es nicht die absolut vollendete, keine Schwierigkeiten kennende Technik und der schöne edle Ton. die wunderbar erscheinen möchten, obwohl sie allein schon hinreichten. Ychudi unter clie großen Oeiger zu reihen: sie umreißen nur clie äußeren Konturen dieser in Jahrhunderten einmaligen Erscheinung. Der Kern des Wunders liegt in der bei dem Alter des Knaben nicht zu begreifenden Keife und Vollendung des Musikalischen, in der nic ht erklügelto •der erlernten, sondern einfach vorhandenen traumhaften Sicherheit. las Kunstwe rk völlig inspirationsgetreu in absoluter Schönheit und Klarheit wiederaugeben. Bein Ton ist groll, voll und von süßem Wohllaut er hat gleichsam den Luatre e iner echten Perle; die größten technischen Schwierigkeiten werden mühelos gemeistert: aber die Größe unel der I Fast Jede Neuerscheinung v o r r a t I t] b e Buchhandlung: M.W. Kaufmann, Brühl mgl ühl 8 I Adel der künstlerischen Nnchschöpfung sind überwältigend. Hier ist nichts gedeutet oder „aufgefaßt": man fühlt, diese Darstellung ist die endgültige, der Spieler ist hinter das Werk zurückgetreten, das gleic hsam apodiktisch im Knumc steht, so wie es seinem Schöpfer sich formte. Schon das Mendelssohn-Konzert erstrahlte1 in nie erlebtem Glans; kein Btlubchen auf dem Figurenwerk der in atemberaubenden Tempo gespielten virtuosen Kcksätze, keine- Spur von Süßlichkeit oder falschem „Oefilhl" (w is die Unmusikalischen „musikalisch" nennen) im Andante oder im Gesangsthema des 1. Satzes. Und wie er den Beethoven spielte, ist schwer zu beschreiben. Der Genius des Meisters schwebte über dem in atemloser Spannung erstarrten Saal, als die- Solovinline nach der prachtvollen Kadenz de-s l. Satzes (von Kreisler) das Gesangsthema noch einmal brachte, oder bei dem ve-rkliirten ti-Dur-Oesang im l.arghetto. — Dieser Vierzehnjährige ist absolut fertig, ist vollendet: wir können uns nicht vorstellen, was bei ihm noch zu erwarten wäre. Bruno Walter begleitete diebeiden Violinkonzertemit größter Feinheit. Vorher breitete er den bunten Farbenteppich der Mozart Variationen von Reger aus. ein in Satzkunst und Kolorit unerhört gekonntes Werk, welches prächtig Und rauschend eins denk würdige Konzert einleitete. Dr. It. Frederic Lnmond, Koryphäedes Beethoven Spiels, gab diesmal einen Mozart-Abend zur 14(1. Wiederkehr des Todestages ch-s Meisters. Wir müssen gestehen, daß wir Beethoven von ihm lieber hören. Die göttliche Heiterkeit, das Leichte und Spielerische Mozarts gerät bei ihm zu schwer: der starke l'edalgebraucli bei dem modernen Konzertflügel, eins häufige Vorschlagen der linken Hand, wirken stilwidrig. Dagegen zeigte sich Lamonda große Geetaltungakrafl bei dem dämonischen, zu Beethoven weisenden Mozart (Fantasi.....moll. Sonate c-molli mit ehrfurchtgebietender Eindringlichkeit. Dr. K. Kabarett „pro und nnli" im jüdischen Jugendbund „Franz Rosenzweig". Her rec ht rührige jüdische- Jugendbund ..Franz Rosenzweig" veranstaltete am 7. November im Jüdischen Jugendheim seinen zweiten Kabarettabend „pro und anti" und bot den in sehr zahlreicher Anzahl erschienenen Güsten ein fesselndes, abwechslungsreiches unel künstlerisch hochwertiges l'mgrnmm. das nicht nur seinen werbenden Zweck in vollstem Maße erfüllte, sondern auch verriet, daß der „Franz Rosensweig" bestreb! ist, jungen, talentierten Künstlern Gelegenhell zu geben, ihr Können vor der OeffentHchkell zu dokumentieren, Ks ist Tast unmöglic h, den Leistungen aller Mitwirkenden, die trotz der ungünstigen Raum Verhältnisse in angelegtester Stimmung spielten und das Publikum immer wieder zu Beifallaatürmen hinrissen, in kurzen Worten gerecht zu werden, — In die Conference des Abends teilten sich Margot Ul 1 in a n n und Haus-Heinz K n I m a n n, die sich beide ihrer schwierigen Aufgabe' aufs Beste entledigten, — sie mit viel Charme- und Schlagfertigkeit und er mit sprühendem Witz und gewandtester Vortragsart. Den Mittelpunkt de» humoristischen Teils bildete ein Bketcfa „Der Hciratsantrag" von Tschechow, der Von den Schauspielschülern Irene Marwitz, Walter Ta rra rIi unel Hans-Heina Kalmann Qberraachend gut aufgeführt Wurde. Auch ein zweiter Sketch am Schlüsse des Programms - ausgeführt von Bidy Bienenatock und Walter Tarrach gelang ganz ausgezeichnet. Bei den Rezitationen ch-s Abends kam besonders Brich Kästner zu Worte-. Rudolf Potoker, Walter Tarrach und Curt Sperling (begleitet von Eberhard Beck) zeigten sich hierbei als reife Vortragskünstler. Gana Hervorragendes bot der Solotänzer Seile vom Neuen Theater in seinen beiden Bchöpfungen, von denen die erste. „Der Krieg", einen der Olnnzptiiikte ch-s Kabaretts darstellte. — Natürlich fehlte auch der musikalisc he Teil nicht. Hier bildeten eleu Höhepunkt die „Hasamir Hsrmonists" (Bieradaky, Jafff, Krida um. Schnitt ui n ii 0, Fiib eri. clie starkes musikalisches BinfüliluiiRsvermögen und ausgezeichnetes Btimmaterial verrieten. Kilobesonders schöne- Leistung war der Schlager „Nur Tango" aus dem Ton- Ulm „Alraune", Begleitet wurden sie von Ruth Jovan, die vorher schon die- Anerkennung des Publikums durch den ausdrucksvollen Vortrag zwi'icr Songs errungen hatte. Die tiefempfundene Vertonung des Küatnerechen „Abschied in der Vorstadt" stammte dabei von dem jungen jüdischen Leipaiger Komponisten Miron Jakob. Nicht unerwähnt bleibe auch Le-o Müller, der zwei Violinstücke beisteuerte. Sidy Bienenstock als Ben läge raoubrette bot einen wirkungsvollen Abschluß. - Im ganze n eine- Fülle hervorragender Darbietungen, die in jeder Hinsicht liefriedigten, und clie dem ..Franz Rosensweig" künftig immer ein Volles Halls siche-rn we-rden. fc. reinigt ml um sehnen und preiswert Teppiche, Portleren Hwrrem- und Dame>nsr«rd*rob* rirnruf Hill u. »Qil nwekUnfrsiu Abhvtjnfl und Wlx*r-Tust*tlung Filialeni Wlttentoerajer Str. SS / •■l.|»Boh»n e, Fernruf 14414 PURA