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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-07-17 · 29 (17.7.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
29 (17.7.1931)
Date
1931-07-17
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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17. Juli 1031 GEME1NDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 7 etwas nachdenklicher, wenn er hört, daß nicht nur die Esra-Gruppe Leipzig, sondern ebenso die Gruppen Herlin, Hamburg, Frankfurt, Köln, München, Nürnberg ihre Eara-Ferlenheime haben, und er wird vielleicht vermuten, dafi die Haltung von Helmen wohl für die Arbeit des Hundes etwas Wesentliches sein müsse, da er doch offenbar so viel Kraft darauf verwendet. So ist es in der Tat! Man ist sich im Ksra klar darüber geworden, dafi die tiirkste und nachhaltigste Heeindruckung und Beeinflussung nicht durch Heiehrung zustandekoimut und nicht in den wenigen, nach Stunden zahlenden Ausschnitten aus dem ganzen Tun und Treiben der Jungens und Mädchen erreicht werden kann. Ganze Arbeit kann nur geleistet werden, wo der Geführte ständig unter den Augen des Führers und der Führer ständig vor dem (ieführteu lebt: das hril.it im Heim! Was das Leben im Heim im einzelnen bedeutet, das lüt.it sich im Rahmen einer so kurzen Notiz gar nicht alles aufzählen; das wesentliche ist: Wir bauen unseren Tag, unsere Zeit, unsere Art zu leben, unser Benehmen gegeneinander, unsere Kleidung und Körperpflege ganz neu auf, ganz so wie wir es als Dauerzustand möchten; wir tun so, als hätten wir gar keine Gewohnheiten und keine Laster, sondern fangen im Heim .ein Leben ganz von vorn au und gestalten es uns Stück für Stück nach der grollen Idee, die wir hei uns allen lebendig wirksam wollen: ganz als n'nw zu leben. Da ist nichts Theorie, nichts für taube Ohren geredel, sondern alles praktisch durchgeführt, und die Praxis nimmt alle gefangen und macht andere Menschen aus uns, so andere Menschen, wie wir sie wollen, weil wir sie brauchen. Vielleicht ist uns der Kritiker bis hierher gefolgt und stimmt uns zu und wagt nur noch den einen Einwand: Dann müßte doch die qualitativ höherwertige Heimarbeit auch quantitativ stärker berücksichtigt werden! Ja, da hat er nur zu Recht, der Herr Kritiker, aber zum Ksra-Inlernat haben wir es noch nicht gebracht. Das Esra-Heim mit seinen 5 Wochen hat auch schon Wunder gewirkt, und wir wollen uns bescheiden: aber unser Ksra-Ferienheim, das mufl mindestens sein! Neue Bücher M. F.. Ravage, Glane und Niedergang des Hauses Rothschild. Ins Deutsche übertragen von Wilhelm Crem er. Hellerau (1981) (Avalun-Vorlag). Dur fast .sagenhaft anmutende Reichtum der Rothschilds bat viele Legenden Uber Werden und Verwendung ihrer Gelder entstehen lassen. 10s rankt sieh um den Namen Rothschild eine Fülle von Anekdoten- Sammlungen, aber auch eine große Zahl ernsthafter Literatur, die historisch und wirtschuf tspolitisch das Wirken dieser grollen Finanziers betrachtet Zu dieser Gattung gehört das Much von M. K. Ravage, ..(Stanz und Niedergang des Hauses Rothschild". Sachlich, ohne jede romanhafte Floskel, wird hier das Schicksal der Familie Rothschild durch mehrere Generationen entwickelt. I'ikI gerade durch diese nüchterne Form der Darstellung wirkt ilas Buch so stark. Fs werden hier nicht mehr oder weniger glaubwürdige Phantasiegestalten oder Phato- ISSlnClIctinlsec des Dichters geschildert, sondern basierend auf einer Fülle von historischem Material, wird der Werdegang dieses Reichtums in aller Nüchternheit und darum glaubwürdig und einleuchtend dargestellt. Ks wird diesem hochdrumutischen Aufstieg einer Familie, vom verachteten Ghettojuden zu einer die Welt beherrschenden Finanzmacht, das Sagenhafte und Mystische genommen. Wir sehen. und ■ •s ist für unsere Tage besonders tröstlich. — daß z.n allen Zeiten Itegabung. Ueborlegung, zäher Fleill, Zielliewulltsein. rasches Krfasscn der gegebenen Möglichkeiten sich durchsetzten. Schwer und drückend, ahnlich der unsrigen, war die Zeit, in der der Aufstieg des Hauses Rothschild begann. Hart lastete auf Deutschland die Fremdherrschaft Napoleons. Eine besonders Klugheit und Stärke der fünf Brüder Rothschild lag darin, dal) sie sieh auf die verschiedensten Großmächte Europas verteilten und so Hand in Hand arbeiteten. So kam es, dal) sie sich allmählich fast ganz Kuropu finanziell verpflichteten, Fürsten und Staaten standen in ihrer Schuld. I'ikI wenn die alte Frau Gudula KothichUd stolz sagen kann: „Wenn meine Buwe nit wolle, gihts keinen Krieg", so ist das mehr als ein stolzes Mutterwort. Denn eng verknüpft st die Politik mit den Fiiianzverliiiltnissen eines Kumtes. Ohne eigentliche PoUtker zu sein, haben die Rothschilds durch ihre Finanzkruft -linksten Kintluß auf politische Geschehnisse erhalten. Immer aber dienten ihre Aktionen dem Besten des Landes, in dem sie leiden. 1! re Fürsten schützten sie als tüchtig, zuverlässig, treu ergeben und im Staatsinterasse arbeitend. So war nicht nur das Geld der Rothschilds, auch die Ordonsauszoii Inningen und Ehrenbezeugungen, die sich auf sie Mutten,! waren wohlverdient. Aber auch der Reichtum dieser Familie unterliegt dem Gesetze. duU mich mehreren Generationen durch De- '.adenz der Nachkommen und nicht minder durch Wechsel der wirt- '■haftlichcn und politischen Verhältnisse ein Abstieg erfolgt. Das Frunkfurter Stammhaus und das Haus in Neapel sind aufgelöst: und auch die noch in Wien, Paris und London bestehenden Häuser haben sich bei aller Bedeutung nicht auf der einstigen Höhe halten können. In diesem Ruch wird ein Stück Weltgeschichte entwickelt, nicht unter Berücksichtigung der auf dein Schlachtfeld!' errungenen Siege, sondern der auf wirtschaftlichem Gebiet erreichten Rrfolge, Und wir sehen die geheimen Fäden, die, der Masse völlig unbekannt, in der Politik eines Landes zu entscheidenden Faktoren werden. Acht Bildbeigaben bereichern das äußerst lesenswerte Huch. K. <" n. f'hajim Bloch, Das jüdische Volk in seiner Anekdote. Ernstes und Heiteres von Gottsuchern, Gelehrten, Künstlern, Narren, Schelmen, Aufschneidern, Schnorrern. Heichen, Frommen, Freidenkern, Täuflingen, Antisemiten. Herlin 1981 (Verlag für Kulturpolitik). Vielleicht geht die Themenstellung etwas über das Ziel hinaus: es wäre ein unangebrachter Weg, den Charakter eines Volkes aus Beiner Anekdote erkennen zu wollen. Diese kurzen Ausschnitte aus dem Leben Kinzelner, bei denen es doch immer auf eine Pointe ankommt, gehen doch an vielen bedeutsamen Zügen vorüber, die für die wahre Kenntnis der Gemeinschaft wesentlich wären: sie würden auf der anderen Seite allzuleicht Aula 1.1 zu Verallgemeinerungen geben, die ein durchaus falsches Bild ergäben. Aber manches, ja wohl auch vieles über das Wesen einer Gemeinschaft verraten sie doch und können deshalb als Mittel zu seinem Verständnis nicht übergangen werden, Blochs ungemein reichhaltige Sammlung von jüdischen Anekdoten, von denen eine außerordentliche Anzahl wohl zum ersten Male veröffentlicht werden, beleuchtet in der Tat manchen wertvollen Zug jüdischen Wesens. Mit Recht stellt der mit dem Stoff ungemein vertraute Verfasser in der Einleitung fest (und belegt es auch aus den Quellen), daß der jüdischen Anekdote die Zote fehlt. Wo solche doch in jüdischem Gewände umgeht, ist es ein künstlich ihr umgeworfenes, nicht zu ihr gehöriges. Dagegen ist in ihr in reichem MaBc die Freude des Juden an scharf zugespitzter Ausdrueksweise, hinter der doch meist aufrichtige Gemüts töne anklingen, die Liebe zum Farbenreichtum der Rilder- und Glcichnisspruchc und mancher andere Zug zu erkennen. Die geistig Großen und die Narren, die Reichen und die „Schnorrer", alle Typen jüdischer Menschen ziehen vorUber in ihrer Gröüe und in ihren Schwächen und zeigen ein ganz vielfältiges buntes Bild. Besonders reichhaltig ist die Sammlung an Beispielen aus dem Anekdotenschatz über den jüdischen Kulenspiegel Ghojsck, und den witzigen Hersch Gstrnpolcr, diesen im Osten ganz bekannten „Helden" der Anekdote. Die Sammlung wird aber neben dem lieferen Zwecke als Zeugnis für jüdische Mcnschciitypcn auch dem keineswegs unwichtigen Zwecke gerecht, aufheiternde Stunden zu vermitteln. Gewiß eine ganz zeitgemäße Bestimmung. Wir wünschen recht vielen Lesern, daß ihnen das Buch in dieser Hinsieht vieles geben möge. vn. Dr. Rieger (Stadtrabbiner in Stuttgart). Vom Heiniatsrerht der deutschen Juden. Vierte, erweiterte Auflage. 26.—80, Tausend. (Das Licht, Heft 4.) Berlin i960 (Philo-Verlag). Die Tatsache, daß dieses Büchlein in vierter Auflagt' erscheinen darf, beweist hinreichend seinen großen Wert. Der Verfasser hat es verstanden, zur Beantwortung der Frage nach der geschichtlichen und kulturellen Zugehörigkeit der deutschen .luden und ihrer Kndcnstündigkeit in Deutschland alle Momente zu belegen, die eine Anerkennung auch des politischen 1 leimatsreehtes begründen. In einer Zelt. In der wieder die Forderung erhoben wird, das in der Verfassung verankerte Recht der deutschen Juden aufzuheben, wird Riegen Arbeit denen, die eine objektive Prüfung der Frage vornehmen wollen, außerordentliche Dienste leisten. Vereinsnachrichten Jüdische Arbcilergcmeinschaft. Leipzig. Kaust. Steinweg 21. Am Sonnabend, dem 1H. Juli, verunstalten wir in unserem Vereinslokal. Run- Städter Steinweg 21, Hof r. eine I'resserevue mit anschließender Diskussion. Beginn pünktlich 20 Uhr. JUd scher Juacndbund ..Franz Rosetizwelg", Leipzig, im Verbund der jüdischen Jugendveieine Deutschlands. Heim: Jüdisches Jugendheim. KlsterstrsBe 7. Heute 21 Uhr: Freitagabendfeier. Dienstag, den 21. Juli spricht ein prominenter VYIrtschaftskenner über Jus aktuelle Thema: „Wirtschaftschaos in Deutschland." wir bitten um zahlreiches Urach einen unserer Mitglieder. Sommerlager der Zeire Misrachi Deutschland 1931. Der Zone Misrachi veranstaltet sein diesjähriges Sommerlager vom 27. Juli bis IL August in der Nähe von Fulda. Chawerim aus allen Gruppen des Zeire Misrachi Deutschlands beteiligen sich daran. Das kulturelle Arbeitsprogramm umfaßt Schiurim und Arbeitsgemeinschaften über wichtige jüdische Fragen. Ks erübrigt sich, auf die große Bedeutung eines solchen Sommerlagers in gesundheitlicher und jüdisch-geistiger Besiehung 'hinzuweisen. Der Pieia beträgt für Fahrt. Aufenthalt und Verpflegung nur 30 Mark. Die Beteiligung ist also äußerst zu empfehlen, Ktwaige

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