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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1931-06-12 · 24 (12.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
7 (1931)
Issue
24 (12.6.1931)
Date
1931-06-12
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 24 Jüdische Verbände und Gemeinden Kindernot in Thüringen. in Thüringen s_jii»t ea eine Anzahl orte, in denen zwar Juden wohnen, aber keine jüdische Gemeinde, kein Frauen verein und keine Chewra existiert. Die jüdischen Familien dieser Orte leben fast durchweg in einem geradezu unbeschreiblichen Elend. Besonders schlimm ist der Orl Altenburg betroffen, in dem 20 jüdische Familien wohnen. Nur der kleinste Teil derselben vermag sich Uber Wasser zu halten, die übrigen sind seil Uber 2 Jahren arbeitslos. Sic haben früher zum Teil als Grubenarbeiter, zum Teil als Hauslerer ihr Bröl verdient. Mit der beginnenden Arbeitslosigkeit war ihr Schicksal be- Biegelt. Die Grubenarbeiter wurden als Ausländer entlassen! die Händler konnten ihre Ware nicht mehr absetzen. Von nun an ging es gesundheitlich mit ihnen zurück. Die Wohnungen mußten sie gegen Behausungen eintauschen, die man nicht als menschenwürdig bezeichnen kann. Mobiliar und Wilsche wurde versetzt. Die Entbehrungen lialien die Müller derart geschwächt, dal.i sie heute teils tuberkulös, teils herzleidend sind. Die Kinder sind durchweg unterernährt, schwer skrofulös, herzleidend und mit Gelenkrheumatismus behaftet. Keine Familie erhält Arbeitslosenunterstützung. Der Bezirksverband Südsachsen-Thttringen für jüdische Wohlfahrtspflege, Silz Erfurt, hat zusammen mit dem Landesverband Mitteldeutschland des Jüdischen Frauenbundes versucht, die schlimmsten Fälle zu lindern. Unter anderem mit Hilfe des gesamten Jüdischen Frauenbundes für Deutschland sind 90 der elendesten Kinder für mehrere Monate kostenlos, oder zu ganz geringen Pflegesützen, in jüdischen Heimen untergebracht wordin. Alier alle diese Leistungen reichen nicht im entferntesten hin. um das Elend aufzuhellen. Daher hat der Jüdische Frauenbund eine großzügige Hilfsaktion eingeleitet und wendet sich ülier seinen Mitgliederkreis hinaus, an alle, die sich für die Abhilfe einer so grofien jüdischen Kindernot mitverantwortlich fühlen, mit der lütte, ihm bei dieser Aktion zu helfen. Vereine und einzelne interessierte Persönlichkeiten, die Patenschaften für einzelne Kinder Ubernehmen würden, oder die durch Geldspenden helfen können, werden um schnellste Hilfe gebeten. Spenden sind au das Postscheckkonto Berlin 96802, Jüdischer Frauenbund, zu richten, Anfragen an Frau Dina Schüftan, Erfurt. Goethestraße -I. Jahresversammlung der Ssneias-Gesellsckaft. Die Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches veranstaltete ihre diesjährige Tagung während der Pfingsttage in Frankfurt a. Main. In Erfüllung ihres Programms, das die Förderung und Pflege des schönen und guten jüdischen Buches sowie die Verbreitung von Kenntnissen und die Anregung zu Forschungen Uber jüdische Buchkunde umfaßt, bildete den Mittelpunkt der Tagung ein im Lesesaal der Stadtbibliothek veranstaHeter öffentlicher Festakt, der dem Buche de- Judentums gewidmet war. In seiner einleitenden Ansprache begrüßte der Direktor der Stadtbibliothek, Professor Dr. Dehler, die Erschienenen. Er betonte den Werl und die Bedeutung der Hebraica- Sammlung dl - ihm Unterstellten Institutes und w ies auf die schweren Gefahren hin. die der allgemeinen Kultur drohen, wenn durch die Not der Zeit « ine weitere Drosselung der den Bibliotheken zur Verfügung stehenden Etats vorgenommen werden sollte. Heu Justisrat Dr. Baerwald im Namen der Israelitische D G e m e i n d e und Herr Jacob R 0 s e n Ii e i in im Namen der Israelitischen Rellglonsgesellschafl richteten Begrü- Bungsworte an die Gesellschaft. Sie hoben die hohe Bedeutung hervor, die das jüdische Buch, insbesondere auch für die Erhaltung jüdischer Religion und jüdischer Eigenart in allen /.eilen gehabt habe. Alsdann sprach der Vorsitzende der Gesellschaft, Professor Dr. Hein rieh Loowe-Berlin, über „Die .luden als das Volk des Buches", Er zeigie, daß das Buch vom Urbeginn an Wesen und Eigenart des jüdischen Volkes bestimmt habe, und legte die Heden lung seiner buchkünstlerischen Durchdringung im Sinne der Bestrebungen der Gesellschaff dar. Professor Dr. F r e i m a n n - Frankfurt gab in seinem Fest Vortrag: „Die Illustration im hebräischen Buch der Fr üb zeit" einen Ueberbllck über die Entstehung des hebräischen Buches, Nach eingehenden Darlegungen Uber das Wesen der hebräischen Handschriftonilluslratioii und über den Auteil von .luden an ihrer Herstellung verfolgte er in seinen gehaltvollen Ausführungen die Geschichte der Illustration in den /.eilen des Buchdrucks. Die anschließend eröffnete Ausstellung: ..Das illustrierte hebräische Buch Iiis zum Bade des 17. Jahrhunderts" bot eine Menge auserlesener Schätze, Neben reich in (loh! und Farben ausgeführten Handschriften wurden die besonders seltenen Erzeugnisse der hebräschen Presse aus eleu Anfängen der Buchdruckerkunst, die sogenann Ion Inkunabeln, in staunenswert frischen und gut erhalleneu Exemplaren gezeigt. Zahlreiche Bücher, von denen nur noch ganz wenige Exemplare erhallen geblieben sind, waren zusammengetragen, um die Darlegungen des Fest Vortrages zu erläutern. Die gehaltvolle Kundgebung hinterließ auf die zahlreich erschienenen Teilnehmer, die den großen Lesesaal bis auf den letzten Platz füllten, einen tiefen Eindruck und warb zahlreiche neue Freunde für das jüdische Buch. Der im Anschluß an die Tagung begründeten Frankfurter Ortsgruppe der Soncino-Gesellschaft gelaug es. zahlreiche neue MHglie der aufzunehmen. Am Vortage der Tagung fand eine Besichtigung der Altertümer in Worms statt, wo Herr Rabbiner Dr. Hölzer und Herr Redakteur Tsehirner den Erschienenen die erforderlichen Einführungen in vorbildlich knapper und dabei erschöp Ii oder Weise boten. Die Frankfurter Sammler hatten es sich nicht nehmen lassen, den auswärtigen Teilnehmern ihre Schätze VOrzu führen. Besondere Erwähnung verdient die Einladung des Freiherrn Max von Goldschmidt-Rothschild. Der im 86. Lebensjahre stehend. Sammler lieft es sich nicht nehmen, seine Gäste persönlich durch sein Haus zu führen und ihnen über jedes einzelne Sliick seiner in 60jähriger Sammlertätigkeil zusammengetragenen Kunstwerke aus führllche Erklärungen abzugeben. Einige auswärtige Herren, die am folgenden Abend einer Einladung des Herrn Notar Dr. Guggenheim nach Offenbach Folge leisteten, sahen dort das fast vollständige Werl der weltberühmten Offenbacher Werkstätten, aus denen unter Leituni von Rudolf Koch zahlreiche zum jüdischen Sakralgebrauch bestimmd Kunstgegenstände und Handschriften hervorgegangen sind. Beim Vorstand«' wurde angeregt, künftig derartige Taguugei auch in anderen jüdischen Zentren zu veranstalten, um auch dorl dem jüdischen Buch neue Freunde zu werben. Die Gesellschaft nimmt noch neue Mitglieder auf. da der sal rangsgemäß auf 800 begrenzte Mitgliedsstand noch nicht völlig auf gefüllt ist. Auskünfte erteilt die Geschäftsstelle Berlin (' '1. Kaisei Wilhelm-Straße 12. Der höchste Genuß In der fetzigen Zeit ist frische, reine Grasbutter, überzeugen Sic sich selbst und versuchen Sic die rühmlichst'bekannte „Erdbeer-Butter". Bedenken Sie, daß Margarine für RM 1.20 per Pfd. verkauft wird, und es bedarf wohl keiner großen Intelligenz, daß jede Hausfrau selbst fcsts'cllcn kann, daß der weit höhere VC'crt der Grasbuttcr die kleine Preisdifferenz gegen Margarine übersteigt. Der Höchstpreis der „Erdbeer- Buttcr" ist wm -.93 per Pfd. AllerieinsU. garantiert rsiM Naturbsttsr In manchen Geschäften wird sie sogar noch billiger verkauft. Man achte beim Einkauf genau auf die Marke „Erdbeer-Butter" und lasse sich nicht andere Sorten aufreden. Ausgestochene Butter wird in vielen Geschäften mit starkem Einwickelpapier gewogen, wodurch sich die Butter beträchtlich verteuert. Es wird gebeten, hierauf zu achten. An auswärtigen Plätzen, wo mit Frschttpesen zu rechnen ist, erhöht sich der Preis an manchen Stellen um einige Pfennige. Engros- Verkauf der „Erdbeer-Butter" Kohlgartenstraßc 1 3, Tel. Sammel-Nr. 72901. — Stadtverteilungsstellc W. Dorn, Groß- und Zcntralmarkthallc, und H. Bertram, Schloßgassc 16.

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