Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 4 (23.1.1931)
- Date
- 1931-01-23
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite B CiKMEINIlKBLATT DKR ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer I Unsere Jugend Seminar des Deutschen Heehalui. Vom M. M. Deiember W80 fand im Genesungshelm der Jüdischen Gemeinde Berlin in Lohnita i"'i Oranienburg « diesjährige Seminar des deutschen Heehalui statt. Vor drei Jahren begann der Heehalui, der Ja alle jüdischen Jugendlichen vereinigt, die sich auf ein Leben der Arbeil in Paliitlna vorbereiten, Seminare zu veranstalten, auf denen sich die jungen Menschen aus den ländlichen VorbereitungssUUtcn, aber auch <lie Führer der JugendbOnde uns eleu Städten, trafen, uro in gemeinsamer Tätigkell die Grundlagen der Bewegung iu erarbeiten. Schon an den Seminaren Jahren 1028/29 beteiligten sich auBer dem Jung-JUdischen Wanderbuud, der ja das stärkste Menschonkontingent im deutschen Heehalui stellt, andere jüdische Jugendbünde wie: SSophim, Kadimah, Zelre Misraehi u. a, Sn haben diese Zusammenkünfte, die nun alljährlich vom en Heehalui einberufen worden, neben ihrer wissensmäßigen und kulturellen Bedeutung auch darin ihren Sinn. daB junge Menschen uns den verschiedenen Lagern der Jugend lusamroentreffen und in gemeinsamer Arbeit auch gegenseitige Annäherung Bnden, Auf dem diesjährigen Seminar waren mehr ab 100 Ohaweriro und Chnweroth vereinigt. Ks waren dort die BOnde Brith Haoliro (JJWB.) Kadimah, Zophiro, Bar Kochba, Zelre Misrachl vertreten. Aus dem umfangreichen Programm seien, nur die Vortrüge erwähnt von: Dr. 9. Kanowits Uber „Das deutsche Judentum"; Kurt >; i H in ,• ii f e I (1 Uber „Die nichtiionistischen Losungen der Judenfrage"; Dr. M. Traub Ober: „Wirtschaft!- und Wanderungstendenien im ,1 tum", Dr. M, Solowi Itschlh Ober: ..Die Quellen des Messianismus im Zeitalter der Bibel", Dr. Karl Schwarz Ober ...luden in der modernen Kunst neben den wichtigen Referaten von Hr. I'titz. Sternberg unter anderem Ober „Sozialistische und pallstinenalsche PlObk nie. (»im. Krage konnten die Teilnehmer für sich sedier und für ihre Vrbeit in den Gruppen viel von diesem Seminar mitnehmen. In langen, i fi heftigen Aussprachen wurden die verschiedenen Probleme umstritten, In den Pausen und au den Abenden fand man öfters Zeit zu Gesang und 'ranz. Troti der kurzen Zeit des Beisammenseins, troti der zahlreichen Beteiligung, haben diese acht gemeinsamen Tage doch die Menschen, die In Leimitz waren, einander nähergebracht Die Tage in Lehniti wan n ein Symbol iüi die Vereinigung aller Richtungen der jüdischen Jugend Deutschlands, ein /.eichen <les arbeitenden Palästinas und ilcs Heehalui. Mitgliederversammlung des Vereins „JMdtsehes Jagen daaas" tu Leipzig. Nachdem nunmehr die Religionsgemeinde durch das .Mieten eines ganaen Hauses in der KIstcrstraBo 7. für ein allgemeine! Jüdische! Jugendhaui in Leipzig die Raumfrage gelöst hat, tritt der schon vor einiger Zeit gegründete Verein ...Indisches Jugendhaus" in Tätigkeit, IN it Zweck dieses Vileitis. die für die Brill) Ii U)lg des Heims notwendigen Gelder aufsubringen, nach,lein durch Gemeinde und Jugendbünde der Mietlin! Besichert ist. In »einer Mitgliederversammlung, die um 1".. Januar 11K11 im (lemeindeamt, LBhrstr., stattfand, wurde die Vereinssataung den neuen Umständen entsprechend abgeändert* Bämtiicfae Personen, die bereits fflr ein Jüdisches Jugendheim regelmäßig Beiträge zahlen, sind danach automatisch Mitglieder des Vereins geworden. In der nächsten Zeil soll eine verstärkte Mitgliederwerbung ins Werk gesetal werden. Durch eine bald folgende Veröffentlichung im Gcmeindeblatt sollen alle Mitglieder unserer Gemeinde Näheres Ober das Heim erfahren, das die Jugendlichen ■ua fast sämtlichen Lagern beherbergen wird. Sie sollen aufgefordert V erden, ihren Verhältnissen entsprechend auch beisusteuern zur Erhaltung und zum Ausbau des Ganses der Leipziger Jüdischen Jugend, die sich Ober alles Trennende hinweg nun auch räumlich zusammen gefunden hat. Die Mitglieder des Vereins bestehen aus zwei Qruppen; 1, Jugend bünde und ■_' Binaelperaonen und Vereinigungen unserer Gemeinde, iu den Geeamtvorstand wurden gewählt: 1. von den Jugendbünden Referendar Jacob Braude, Referendar Dr. Fritz GrUbel, Hans Oester reicher, Max Weisen freund und Heinz W.vdrn; 2. von der Gruppe -: üi. Herren Aronsteln, Dr. Loebenstein, Dr. Pietrkowski, Rechtsanwalt Dr Zander und eine noch z.u bestimmende Persönlichkeit aus der Orthodoxie Der Gesamtvorstand wird in allernächster Zeit SU einer Sltsunt einberufen werden. Zum Rechnungaprüfer wurde Herr Verwaltungsdirektor Kataenateii gewählt GrUndsatl und Zweck des Vereint seien zur Orientierung an diese Stelle abgedruckt Die Bestimmungen sind als Abschnitt 1 wesentliche Bestandteil der Bataung: ..Der Verein .Jüdisches Jugendhaus' Leipaig besweckt die Bchaffuni einei dauernden Heimes für die gesamte jüdische Jugend Leipaiga um für andere gemeinnOtlige, der jüdischen Jugendpflege dienende Zweck. und nach erfolgter Schaffung dessen Rrhaltung. Der Verein wahrt völlige Unparteilichkeit innerhalb der jüdischei Richtungen; seine Bestrebungen haben auaschlieBlich dem Widil de jüdischen Jugend zu dienen. Die Veranstaltungen des Vereins als solchen dürfen nicht im bc wuBten Widerspruch zum jüdischen Keligionsgeseti stehen. Dieselbe Bestimmung haben die zur Benutaung der Räume und di sonstigen Hinrichtungen des Vereins sugelassenen Vereinigungen und Einseipersonen innerhalb der Räume des Vereins zu beachten," r ^. Josef Katz Paula Katz geb. Bau danken hierdurch für die ihnen anläßlich ihrer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten Leipzig, im Januar 1931 Hierdurch geben wir unsere Verlobung zugleich im Namen unserer Ib. Eltern bekannt und danken herzlichst für die erwiesenen Aufmerksamkeiten. Rosel Borgenicht Karl Kesten Leipzig Im Januar 1931 Dresden Eingesandt (Kür dies," Rubrik übernimmt die SchriftlciluiiK nur die l> r e B geae 1111 c h e Verantwortung.) An alle jüdischen Einwohner Leipzigs! Liehe Mitbürger] Ks ist sehr schön, wenn ihr Geselligkeit lieht. Auch ist es vom Volkswirtschaft liehen Standpunkt nur zu begrOBen, wenn ihr Gaststätten besucht, ut euch mit guten Freunden, Bekannten und Verwandten zu treffen un< Ablenkung von den Borgen <les Alltags zu haben. Weniger schön ist i jedoch, wenn ihr vergeBt, «lall ihr von allen Seiten scharf beobachb werdet und dal) das. was alliieren erlaubt ist. euch iu gewissem Situ Verholen ist. Schwer lasli ii die Zeiten auf jedem von uns. Jeden Tai; nimmt d Verwirrung der (iemiiter mehr und mehr zu. Tagtäglich hürt man Vo Ausschreitungen rechtsradikaler oder Linksradikaler (Clements gegen Ai dersdenkemle. Trotzdem ist sich ein Bruder Teil der jüdischen Itcvoll. rang noch immer nicht dieser Tatsache bewuBt: daB wir in höchst Bereitschaft sein müssen: daB wir uns mehr wie jede andere Gruppe ai •las genaueste beobachten müssen: daii wir uns ohne Unterschiede di religiösen Richtungen und Parteien zum Abwehrkampfe suaammi scIdieBen müssen. Soweit es die Männer unserer Gemeinschaft betrifft, hallen sie jederzeit die Möglichkeit! Abwehrorganisationon beiautrete Doch auch die Frauen und .Mädchen haben die Möglichkeit, ihren T zum Abwehrkampfe mühelos beiiutragen. Und dieser Beitrag sei: Belbatbeobach tung I Wer oft (. legenhelt hat. in öffentlichen Lokalen Beobachtungen zu machen, der wi zu der Ueberseugung gekommen sein. daU sich unsere lieben Glauben genossen nicht immer so benehmen, wie ei wünschenswert wäre. Da um hält man sich laut voii Tisch zu Tisch, Da Iii Ut man seine Kindt r. <l natürlich alle ins Kaffee mitgenommen werden müssedurch die Tischreihen toben und dem Bedienungspersonal den Weg v< stellen oder andere (iäste stören und freut sieh noch über die Atifgcwecl heil der liehen Kleinen. Da wird man Ungeduldig, wenn man ein in. Minuten auf die Bedienung warten iniiU oder sucht hei der Beaahlu Streit mit dem Bedienungspersonal. Dasselbe gilt hei der Benutaung t Verkehrsmitteln. Seid ihr wirklich so kurzsichtig, daB ihr meint, d freundliche Miene, die man euch gegenüber aufsetzt, sei aufrtchti Jeder, wenn auch nur geringste VerstnU gegen andere, auch wenn ihr euerem Rechte seid, wird euch doppelt und dreifach angerechnet. Durum h c <> b a C h t S t euch selbst! Verhallet euch ruh und besonnen, wenn andere durch Sticheleien versuchen, mit euch Streit zu geraten) Bestimm 1 werden die Zeiten wiederkommen, wo jedem, der euch zu nahe tritt, entsprechend begegnen könnt. Doch i Zeit ist die Lage derart, daü ihr lieber einmal die Zähne zusammenheil'. Solltet, als anderen tlmud /.um Skandal zu gaben. Jedem von euch ist möglich, dies,- einfachsten Forderungen der Vernunft zu erfüllen! \\v unsere I-Yiudc sehen, daU wir uns keine Blöfifl geben, werden sie Selbst Verstummen; sie haben dann keine Handhabe gegen uns und * sparen im Abwehrkampfe kostbare Kräfte, die der Wirtschaft De Wiederaufbau zugulekoiniiicii. Wie oft haben viele von euch in Bomm< frischen und Bildern gehört. daB gegen Juden feindlich < Icsinnteiu CUi gesagt haben: „.Iii, wenn alle so wären, wie Sie!" Wie oft habt ihr Schi eingefleischte Antisemiten davon UberSeUgen können, dal! wir Juden aie Menschen erster Klasse sind. Denkt daran, und seid bemüht, daB soweit kommen soll, daü jeder su allen aus voller Ueberseugui sagen kann: „Ja, wenn ihr Juden alle so seid, dann darf man euch nicht Menschen zweiter Klasse behandeln!" K. A.