Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 52 (26.12.1930)
- Article
- Juni
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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8eitc 2 Mitteilungsblatt beS oädjfifdieu anerfannten Rabbinerfeminare unb baneben ein UniberfitätS« ftubtum abfolbierl bat, jut geiftigen ßettung beS ftultuS unb bet fonftigen celtgidfen ©emetitbeangelegenbeiten befteUt 3» werben. 3bm bleiben gemiffe gunnionen im ©otteSbienft, in&bcfonbete bie Sßrebigt unb bie ßerlefung beS Staats* gebeteS, borbehalten, ebenfo mich gemiffe anbete citueDe Oriinfttoncn, jum SBeifpiel bie religiöfe ©befchliefeung, bie ä'fit loirfung bei ©eerbigungen unb — in bor ivorni be8 RabbinatB (oQegiumS bie religiöfe ©befcheiiung. Ob bet gröfete Teil Meter unb ähnlicher Swnftionen nad) bem talmubtfdjen Recht Don einem Wabbinet borgenommen »perben mnfj, ober ob and) ein Bote an iid) bazu fäfiig [ein fönntc, ift ebenfo gleichgültig, mie bio Stoge, ob nad) ben anberSibo berrfchenben Xnfchauungen bie bezeichnete 93or« bilbung für einen Rabbiner erforberlich ober auSreicbenb ift. c'v genügt, bafj |eit bei Smangipation btefet ©ebraudj in mobi [ämtlidjen [üblichen ©emeinben' beobachtet morben ift, unb feine meitere SBefolauna oDaemein für notmenbia nebalten u'iib. Somit finb alle (Srforberniffe für bie Söilbung eines biefen RechtSfafe enthaltenden beutfd>iübifcben (&mobnheitB« rechtes erfüllt, beffen ä'töalidifeit man für ba* ©ebiet bet inneren Tatiafeit bor [übifchen ©emeinben and) bann bejahen mujjj, menn man bie SVöalidifeit bet reditlidn'it »Beachtung beutjdHübifdjet RechtBfitten auf bem ©ebiete beS täglichen Bebens berneint, ba bic ö. m. für ihr Innenleben zweifellos Autonomie befifet. XuSnahmen Don bem Sabe ber Rotmenbigfeit ber Rabbinerbeftellung iiub nur in ©emeinben 31t beobachten, benen bie finanziellen Mittel bafüt fehlen. Xuaj bann pflegt man fid) aber eines meift mit „ißrebiget" bezeichneten Jean« lorS, alfo eines tbeologifd) in beachtlichem SWafje 00t« gebilbeten [Junftionärä ju bebienen, bem ein Teil ber oben« bezeichneten Sanktionen borbehalten bleibt. Xbet auch ö<c Rantoten als foldjc metben all Beamte gelten mtiffen, ba and) fie eine für beu ©otteBbtenft unent« bebtltdjc {Junftion ausüben, eine beftimmte theoloaiiriie SBot« bilbung haben müffen unb nach bem ©efefe oon 1904 ebenfalls bet Bestätigung beburften. UebetbieS metben fie gemein« [chaftlich mit ben Rabbinern 3ur Srteilung beS ReligionS« Unterrichtes, alfo einer gmeifeuoS unentbehrlichen gfunftion ber ReltgionSgcmeinben bettoanbt. HuS biefet Beamtenetgenfchaft ber bereits eingestellten Rabbiner unb Mautaren ergibt iid) bie SebenBlänglidrteU ihrer XnfteQung unb bie Unmöglichkeit, bie ihnen gemährten •Bezüge unb Ruhegehälter zu fchmäletn. 3fn öer ermähnten (fntidjeibung 114 22tf ift allerbingS nur biefe letzte öolge auSgefprocben morben, bie fid) auS Hrtifel 12!j Xbfatj 1 3atj:? ergibt. Tie ftnmenbbarfeit oon 2au l a. a. C. (lebenslänglich« feit) ift bort bahingefteOt geblieben, ba im Knfchlufe an bie ©egenmeinung ber berannten StläuterungSbUcbet oon Hn« iduin unb (^icje uir )1W. bic ivraae offenaelaficn morben iit, ob ber in Hrtifel 187 Xbfafe .'5 Rw. ausgesprochene ©runbiati, bafj jebe SteligionSgeteufchaft ihte Ängelegenbeiten felb- [tänbig otbne unb oetmatte unb iine Kerntet obne SRitmirfung beB Staates berleibe nicht mittelbar burd) bie Xnmenbung biefeS SeamtengrunbrechteS auf ftirchenbeamte gefährbet merben tonne. Xacmuf) aber idjou beSbalb berneint metben, ioeil bie KuSficht, eine lebenslängliche HnfteHung gemährt }u erhalten, ebenfomenig beu „ftreis ber SBetoecbet um ein 8ml aerengern unb bec-balb bie Freiheit ber SteligionSgefellichaft bie Freiheit in ber Hemterbefet}ung beeinträchtigen" Fönnte toie ber Schub ber loolilenoorbenen Rechte alo foldier, beffen Knmenbbarteit auf Jfirchenbeamte baS Reichsgericht auSbrüd« lidt terbert4. 1 X ic Cerfjältniff« bei tcr berliner Kefotmfleineinbc (önnen imtröctetl bleiben, fit iidt midi fonft botn Tiumiö föintliCbet übrigen GAcmetruxn idiarf unteefepeibet. * SWiui lonn anberfettl ber Sntf4eibung RO. 107,287, bie 91»- toenbung it na t lieft er KlterSgrengcn auf Ritr^enbeamte fei mit Vlriifel 137 Hbf. 8 WS}, unbereinbat, becftnlb beipflichten, tiicil eine becathge SBefdjTänfung ber;)ied)tc ber fntc^enbeamten in ber Jal bu- BetDetberjah' betringetn tonnte. if t aelitif ch e n © em ein be Oer b anb es Sttx. v> Slbgefehen hietbon aber übetfieht biete Äuffaffung, bau bie ReltgionSgefeUfchaften Autonomie nur Innerhalb ber Schränken beS „für alle" geltenden ©ejefjeS l)aben. Sobalb alfo ein ftechtSfafe itgenbrnelche CebenSbeziehungen nicht au? tird)eupolitijd)eu ©tunben, fonbetn aus anbern ©efichtS* punften regelt, bie auch aufjethalb ber Organifation ber 9teli> gtone^efeüfchaften allgemein beobachtet merben müffen, bürfen bie 9teligionSgefellfchaJ[ten feine äluSnahmefteQung für fid) in Slnfptuch nehmen. 68 bütfte balter 311111 SSeifpiel feinem 3meifel untetliegen, bafj bie SBeftimmungen be? SBetriebSräte* gefefzeS auch für bie Slngeftellten oon ctteUgionSgefellfchaften gelten, unb gemiffe HuSnahmen nur in bemfelben SWahe mie für bie übrigen „SCenbenzbetriebe" (betriebe mit politifchen, fünftleriidieu unb ähnlichen Sielen) gelten, alfo zum SBeifpiel bie RünbigungSfchutzbeftimmungen beS § 84 Biffetn 2 bis 't, teilmeife auch Siffw 1 991®. auf ihre nichtbeamteten Runftio« näre anmenbbar iinb, fomeit fie nidit auSnahmSmeife unter § 10 Biffet 2 S3tH©. fallen. SluS bemfelben ©runbe aber fann and) bie Xnmenbung ber Seamtengrunbrechte feinem S3ebentcn begegnen. Such biefe 99eftimmungen foilen ja nicht bie Wacht beS Staates gegenüber beu fteUgionSgefeQfchaften ober einzelnen SteligionSgefeQfchaften ermeitern, fonbetn alle Beamten, inSbefon« bete bie bei meitem übettagenbe Mehrheit ber bei anberen öffentlichen Körperschaften befchäftigten fchüfzen. Sie fteQen alfo ein „für alle" geltenbeS ©efetj bar, ba« auch bie JiteligionSgefeUfchaft beobachten mufj. Qbenfotoenig mie für eine anbere öffentliche ßörperfchaft mürbe eS auch füt eine äteligionSgefeOfchaft 3iiiäifiii fein, bie Xnmenbung be* ÄrtifelS 120 9t& baburch zu umgehen, bai; fie bie unter feinen Statbeftanb faüenben Sunttionäte tünftig« hin auSbrüdlich auf $tibatbienftbetttag aufteilt. iic> ift allerbingS zuläffig, gemiffe — meift meht untetgeotbnete — au [ich öftentlirij-reditlirije Xatigteiten ^ehörbenangefteQten 311 überlaffen, zum Seifpiel bie Anfertigung oon $rototoQen. Solche Zätigfeiten aber, bie ein für bie öffentliche Jlörper« idiaft unentbehrliches $oheitSred)t barfteHen, bürfen nur "ikamten Ubertragen merben. Cahet bat baS SteichSgetichi in ber Sntfdjeibung 126 120 einen preufitfehen KUobnungSamtSleiter — fogar entgegen beut Wortlaut be« preufsifchen ftommunal> beamtengefefjeS —, ber „auf ^rioatbieuftoertran" aiigefteUt mar, für einen Beamten erflärt. Sa bie iiitigfeit eineS Rabbiners ober StantorS für eine iübtjche ©emeinbe min« beftenS ebenfo unentbehrlich ift mie bie Xätigteit biefeS SBe« amten für bie betreffenbe 2tabt, müfjte and) im Salle eine« etmaigen $ribatbienftbertrageS in gleicher SEßeife entfehieben merben. Ruläffig märe eine berattige 8ltt ber XnfteDung nur für ^ilfSfräfte, bie für berbältniSmäf]ig untergeorbnete 88er« rtchtungen ober 311 borübergehenber Sefchäftigunq an« genommen merben.?ie Xnmenbung oon ©efehen, bie für Staats« ober ftommunalbeamte eine RünbigungSmöglichteit botauSfehen, ift fdion megen beS BmetfeS biefet ©efetzje, im übtigen aber mit Rüctficht auf Ättifel 137 Slbfah :i ^{"J.!. unmöglich (Öfll.81®. 107 287). Xic Einführung itgenbmelchet SBefchtänfungen für ÄuB« itahinetatSbeftänbe ift oielmebr nur burd) £dHiifuitii befonbetet 9tea)tSfäfze möglich. Cbioohl an fid) ©efeb im Sinne beS i'lrtifels 12!» \)IL\ nur Mfeidic-- ober Vaubevaefeu fein bürfte, roitb man menigftenS für bie Sinfühtung einer ibifsiplinat« orbnung ein „Statut" (S B beS fächfifchen ©efetzeS oon 1904) iür auSreichenb unb int $inblid auf bie Autonomie ber Reli« gionSgemeinbe für erforberlich anfeben müffen. Tiefe« Statut mürbe aber ber ©enehmigung ber Regierung beS SolfSbilbungSminiftetiumS — bebütfen, ba auch eine Difziplinar« orbnung eine gemifje SSefchränfung ber 93eamtenrechte bar« [teilt, bie ber Beurteilung beS Staates unterliegt inhaltlich müfete gerate bei einem Derartigen Statut, ba eS nur eine berhältniSmäfsig geringe Bohl oon Berfonen treffen mürbe, in forgfältigftet SBeife beachtet metben, baf; auch ber Knfchein einer SRaRnahme für einen bielleicht gerabe aftueOen Sein bermieben mtrb. (iine Regelung, bie nicht bie ©ernähr augemeinet unb anbauernber Xnmenbung in fidi trüge, mürbe unter Umftänben megen Serletzung beS (*Mcidt' beitSflrunbfaüe« (Vlrtifel 10!) ^^3.) trotj 05cnei)tniflitnfi nn mirffam fein.