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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1930-11-07 · 45 (7.11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
6 (1930)
Issue
45 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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November 1880 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seitu ft JÜDISCHER FRAUENBUND / ORTSGRUPPE LEIPZIG Mittwoch, den 12. November 1930, nachmittags 5 Uhr im Hotel Hauffe Referat: Herr Prot. Dr. S. Rosenbaum. Leipzig: „unser nervöses M Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird gebeten liäohter das Verhalten der englischen Arbeiterregierang als einen handtteck und verlangte zum Schluß die Forderung des sozialistilien Aufbauet von Brei Israel. Nach einem Schlußwort des Vorsitzenden, der auf die noch vormdenen großen Arbeitsmöglichkeiten in Palästina aufmerkaam nchte und au die Einigkeit dei zionistischen Wollen», die nur durch Richatrebende Arbeil gesichert werden kann, appellierte, fand die oße Kundgebung Ihren Abschluß mit dem Gesang der Hatikwah id der Absendung eines Telegramms an den Waad Leuml mit Igendem Wortlaut: ..Empört über den Versuch der englischen Re- ■rung. den Aufhau der jüdisch-nationalen Heimstätte zu hemmen, tbiefet die von der '/.monistischen Vereinigung Leipsig einberufene oße jüdische Versammlung nach Anhörung von Rednern aller Riehi ingen dem Waad Leumi brüderlichen Gruß und versichert den ischuw ihrer energischen Unterstützung." - diiiann Schocken und Ministerialdirektor Dr. Hermann Badl. Wie an dieser stelle angekündigt, werden demnächst die Herren ilman Schocken und Ministerialdirektor Dr. Hermann Badl hier in I ipzig weilen. Wir erfahren, daß die Herren an einem Teeabend der •I wish Agency teilnehmen werden. Ober die Tätigkeit dieser be- I Hinten Persönlichkeiten gehen uns Einzelheiten zu. die auch einen »eiteren Kreis unserer Leser interessieren dürften. Her:- Schocken genießt in wissenschaftliehen Kreisen großes lisehen. Die Grundfragen auf dem Gebiete des Warenhauswesens hat er in Schriften und Vorträgen vielfach erörtert und theoretisch lldiert. Seine werlvollen Kenntnisse auf dem Gebiete der Wirtlinflsfragen hat er im besonderen der zionistischen Bewegung goidmet, und in seiner Eigenschaft als Mitglied des Finanz- und Wirtliaftsrates der zionistischen Organisation seit l!l'_'l stark beachtete ■ 'lernte über Wirtschaftsfragen des l'aliistinaaufbaues. insbesondere ie palästinensischen Bodenprobleme, gehalten. Sein wesentliches Iniesse gilt jedoch hebräisch-kulturellen und jüdisch-wissenschaftlichen rbeiten. Seh. hat eine grolle wissenschaftliehe Bibliothek aufgebaut, die «besondere eine grolle Anzahl von Inkunabeln enthält und die beratendste l'rivathihliothek dieser Art in Europa darstellt. MO gründete Seh. in Berlin ein h'orsehuugsiiistitut für Geschichte nl Quellenstudium der hebräischen Dichtung. Herr Dr. Hermann Badl. Sohn des seinerzeil in Breslau beihmten Gymnasialprofessora Dr. Benno Badt, war nach der Staatsnwälzung (1919) der erste jüdische Regierungsnssessor in der preuichen Verwaltung. Hin» wurde er zum Regierungral und H)20 zum Ortragenden Bat (Ministerialrat) des Innenministeriums ernannt, oll HI22 1!r_'(i gehörte er als Abgeordneter der Sozialdemokratischen rsktion dem preußischen Landtag an. 1927 wurde er zum Ministeahlirektor und zum Preußischen Hauptamtlichen Bevollmächtigten im eichsral (Vertreter Preußens bei der Ueichsregicrung) ernannt. Als (geordneter ist er besonders in der Steiger-Affäre erfolgreich herrgetreten. Die auf seine Interpellation erfolgte Antwort des pieul.ti hen Innenministeriums war für die Feststellung von Steigers Unliuld entscheidend. Herr Dr. B. hat dein deutschen Zionismus wertvolle Dienste erlesen. Trotz seiner äußersten Inanspruchnahme durch sein hohes int ist er dem Uufe der Zionistischen Organisation folgend in vermiedenen Städten Deutschlands mit Vorträgen über zionistische liemen aufgetreten, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen aben. Es dürfte für unsere Leser von Interesse sein, zu erfahren, daß er denkwürdige Palästinaflug des Luftschiffes „Graf Zeppelin" im Frühling 1929, der so viel Freude der palästinensischen Judenheil und besonders der Bevölkerung Tel-Avivs bereitete, durch Herrn Hr. Badt veranlaßt wurde. Herr Dr. Eickener stand damals im Begriff, mit dem Zeppelin nach Kauada zu steuern. Dr. Badt ist es aber gelungen, ihn dahin zu beeinflussen, dal.! er den Kauadaflug aufgab und statt dessen einen Flug nach den ältesten Ländern, darunter Palästina, unternahm. Fs war eine angenehme Überraschung für die Judenheil Palästinas,als der Zeppelin gerade am Tage des Purimfeetes über Tcl-Aviv flog und den feierlich gestimmten, aus dem ganzen Lande zusammengeströmten .luden seine Grüße durch Abwerfen von Konfetti, und den Wunsch „gut Purim" überbrachte. Dr. Badt, der den Flug mitmachte, hat die (ielegenheil wahrgenommen, um den Insassen des Luftgiganten aufklärende Mitteilungen über unser Palästinawerk beizubringen. Herr Dr. B. ist aktives Mitglied des deutschen Pro-Palästina-Komitees, K-k. Vortragszyklus der natioiialjüiiischcn Arbeitsgemeinschaft. I. Abend: Rabbiner Dr. Klk: „Religiöser Liberalismus". Die nationaljüdische Arbeitsgemeinschaft begann ihren Vortragszyklus mit einem inhaltreichen Referat des Herrn Rabbiner Dr. Elk (Steltin) über „Religiösen L i b e r a I i s in u s", an das sich eine eingehende Diskussion anschloß. Hnbbiner Dr. Elk führte aus. wie der religiöse Liberalismus als Folge der rationalistischen Aufklärung des IS. Jahrhunderts entstand. Durch die bürgerliche Emanzipation wurde die Religion aus dem jüdischen Lebenssusammenhang herausgerissen, sie wurde in einen christlich bestimmten Kultur- und Wirtschaftskreis hineingestellt. So mui.Hi' sie lebensfremd werden.alle ihre Entwicklungsformen sich von außen holen und unfähig werden, aus eigenen Kräften zu schöpfen. Durch das Mehrbetonen des gefühlsmäUigeii Gehaltes der Religion trat hier eine Wandlung ein, die noch besonders verstärkt wurde durch die Berührung mit dem Ostjudentum und durch die neue Palästinabewegung. Die Itcligion kann jetzt in einem eigenen Lebens- und Kulturzusammenhaiig wieder eine l.ebensniachl werden, da ein lebendiges Judentum sie trägt. Die nationale Idee macht den religiösen Gedanken lebendig, der religiöse Gedanke vergeistigt die nationale Idee, das ist der Inhalt des neuen religiösen Liberalismus. In der Diskussion kam die alte liberale Richtung durch die Herren Rabbiner Dr. Goldmann und Rabbiner Cohn zu Wort. Sie begrünten, daß der Zionismus sich jetzt bemühe. Wege zum religiösen Liberalismus zu linden. Dr. Gold manu führte aus, daß er trotzdem nicht den Standpunkt von Hern Itabb. KM, teilen kann, da bei ihm (Dr. Goldmann) der Schwerpunkt des Judentums auf der Religion läge, gewissermaßen auf einer höheren Ebene, als auf der iles Nationalismus. Rabbiner Cohn betonte, daß der alle Liberalismus noch durchaus lebensfähig sei. Die orthodoxe Richtung wurde vertreten durch Herrn Rabb. Dr. Carlebach und die Herren Werczberger und Sc h e r esc h e w s k y. Sie betonten übereinstimmend, daß ihr Ziel die Einheit des religiösen Volljudciitums sei. Das Hervorheben des Entwickluiigsgcdnnkcns treibe nur zum Abfall vom System und zum Verfall des Judentums. Dil" Herren Werezberger und Seheresebewsky betonten noch, daß sie dieses Volljudeiitum. in dessen Mittelpunkt die Mi/.wah stellt, in Palästina verwirklichen wollen. Herr Dr. Marcowicz hob noch besonders hervor, daß der Zionismus in gewissem Sinne eine religiöse Bewegung wenn auch nicht seinem Namen so doch seinem Inhalte nach sei. Der Schabati sei in Palästina eine Selbstverständlichkeit, alle jüdisch-religiösen Dinge lebten in Palästina in neuer, lebendiger Form wieder auf. Herr Wydra wendete sich besonders gegen die Trennung von Religion und Nation in der jüdischen Geschichte und schilderte die geschichtlichen Wurzeln des modernen jfldischen Nationalismus. N. N.

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