Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 33 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Soite 8 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer Fast am Rande der Stadl und »loch mitten im Herzen der Schwer industrie gelegen, ist in den letzten Jahrzehnten in Leiptig ein Betrieb entstanden, der sich in aller Stille zu einein lebenswichtigen Faktor in der metallverarbeitenden Industrie entwickelt hat. Vor meinals dreifiig Jahren, durch unser GemeindemitgUed Moses Broder s. A. errichtet, hat sich die Metallverwertung M. lirod e r & S ö h n e aus einein reinen Handelsgeschäft zu einem Großbetrieb entwickelt, der nicht nur die ehemaligen Handelsgeschäfte fortsetzt, sondern der auch selbst produziert. Durch eisernen Fleiß, persönliche Anspruchlosigkeit und ein reelles Geschftftagebahren hat ei der (Iruinier des Unternehmens verstanden, sich in Kürze hei der metallverarbeitenden Industrie Leipzigs einen Namen zu verschaffen, ih r stets mit Achtung genannt wird. Redurfte es hierfür noch eines Beweises, so wurde dieser bei dein vor einigen Monaten erfolgten Ableben des (Iiiinders dadurch erbracht, daß eine nach Hunderten zählende Trauergemeinde dem Verstorbenen das letzte Geleit gab. Mehrfach mußte das rnternehinen mit seiner wachsenden Bedeutung vergröBert und sein Sitz verlegt werden. .letzt ist es im eigenen QrundstQckskomplsx in der Jahnstraße in Leipsig-Plagwiti untergebracht. Wir folgen einer Einladung zu einer Besichtigung und schon von weitem zeigen uns mächtige Schornsleine den Tätigkeitsbereich der Schmelzen! an. Ausgedehnte Lagerplätze und Gebinde beherbergen die Niederlagen, Sortierräume, Schmelzöfen, Büros und Laboratorien. Zuer-t besichtigen wir die Lagerräume für ankommende Güter. Aul di r eigenen (ileisanlage rollen in Waggons die von außerhall) eintreffenden Metalle an. während der Verkehr im Stadtbereich und seiner näheren Umgebung von Lastzügen besorgt wird. Hier werden ans einem Waggon Kupferbarren, die aus einer Hütte stammen, entladen, ein an.lerer bringt HQttenzink in Platten, die für eine Verzinkerei bestimmt sind. Auch Weichblei in Mulden und das hochwertige Bankazinn kommen so von der Hütte oder von Obersee. Mit Bahn langen auch die Halt»- und Fertigfabrikate wie Kupferbleche, -Rohre, -Draht. Messingroiire und -Bleche und vieles andere an. Die Industrie liefert waggonweise Messing- und Rotgiißspäne aus der Fabrikation als Abfälle hierher und die graphische Branche setzt alte Schriften. Stereos und Klischees hier ab, von denen die Schrift zu Setsmaschinen- Dietall auflegiert den Betrieb wieder verläßt. Aus den Kreisen <ler Metallhändler gehen täglich Metallahfülle ein, wie sie die Industrie sündig abstößt oder wie solche Sammlertätigkeit zusammentrügt, liier Bndet sich altes Kupfergeschirr, neben ausgebauten Wasserrohren aus Blei, Zinngeschirr und Bronzemörser, Stanzabtaile aus Neusilber. Lagerbüchsen abmontierter Maschinen. Kupferrohre einer Dampfheizung und Altfälle von Aluminiumblech aus der Gesrh i rrfabrikat ion. alles in allem ein interessantes Samnielsurium, welches darauf wartet entsprechend sortiert und umgearbeitet der Industrie erneut zugetührt zu werden. Sachverständige trennen die Metalle und es gehört eine große Sachkenntnis dazu dem Sortiergut seinen inneren Gehalt anzusehen, denn leicht verdirbt eine geringfügige Beimischung an einem unerwünschten Metall das gesamte Schnielzgut im Gewicht von mehrere Tausend Kilo. Mechanisch erfolgt die Reinigung der Messing- und Rotgußspäne von Unreinheiten und Beimischungen von Eisenteil spänen durch einen Apparat, in den ein Magnet eingebaut ist. Krii tige Gestalten nehmen das sortierte Gut in Empfang, um es de Schmelzöfen zuzuführen, die entweder durch Koks oder öl beheizl werden und für die ein (iebläse die erforderlichen Hitzegrade ei zeugt. (Hüllende Feuerschlünde tuen sich auf und zeichnen gespei stige Silhouetten der Feuennänner. Gurgelnd brodeln in den Kesse die flüssigen Metalle und erzeugen prächtige Farbenspiele, je nach dem (irad der Erhitzung. Eine moderne Teufelsküche könnte man solch einen Schmelzraum mit seinen zahlreichen Schmelzöfen nennen denn auch die Köche fehlen nicht, die Proben nehmen und gewisse halt im benachbarten Laboratorium das Schnielzgut aul den Verlan ten Gehalt untersuchen und nach Bedarf noch Zusätze vor dem Vi gießen einbringen lassen. Ist alles in Ordnung befunden worden, wird das Schnielzgut in die vorgeschriebenen oder gewünschten Fe men vergossen. Auch diese Arbeit erfordert Kraft, Qeschicklichk und große l->fahrung, soll nicht die bisherige Mühe zwecklos g< wesen sein. Die fertigen Metalle und Legierungen kommen in Blöcken, Tafel- oder Mulden auf ein gesondertes Lager und harren hier des Ahm: Komplizierte Legierungen sind hier am Lager, wie Lötzinne fti Klempner, Weißmetalle aller Sorten und Härten für Lagenchali Kupfer für technische Zwecke und Elektrolidkupfer für die Elekti industrie. Kupfer mit allerlei Zusätzen für die verschiedensten Ve WendungSSWecke, Messing, Rotguß, Bronze, Weichblei, Ilartbleilep rangen für die graphische Branche, llüttenzink. Aluminium. Bank zinn, Antimon und alle nur erdenklichen Legierungen und Veibil düngen aller bekannten Metalle. Hier kann die Industrie stets e halten, was sie benötigt, und wenn Speziallegierungeii verlangt we den. so dauert es nur wenige Stunden und die gewünschte Mischm ist hergestellt unter Garantie des verlangten Gehalts. Erst hier erhalten wir einen umfassenden Oberblick daVOi welche wichtige Rolle die Metalle und ihre Legierungen in der lud' strie spielen und wie überaus wichtig zugleich der Altmetallhand ist, da er Abfälle, die im Einzelnen wertlos sind, sammelt und dun ihre Aufbereitung der metallverarbeitenden Industrie wieder sufflhl Unser Volksvermögen erspart hierdurch jährlich ungezählte Mi lionen. die wir sonst dem Auslände zur Einführung der uns leid« fehlenden Metalle bezahlen müßten. Unsere Metallvorkominen sind I unsere hochentwickelte Industrie unzureichend und manche Vorkoi inen sind nicht so hochwertig und ergiebig, daß sich der Abbau loh: Dankbar verabschieden wir uns von unseren Führern, denen w diesen interessanten Einblick in «'ine so lebenswichtige Industrie ve danken, es waren die Herren Elias, Josef, Jakob und Leon Brodi die derzeitigen Inhaber der Firma und Söhne des verdienten Grü ders, die dem Unternehmen schon seit einer Reihe von Jahren ve stehen und es in seinem Sinne weiterführen als ein schönes Beispi rührigen Gewerbeileißes.