Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 24 (11.6.1926)
- Date
- 1926-06-11
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 2. Jahrgan / •4t-Uat-? 17U/A^ Z^**^ Ai&HJt. ~- %»~r~t-~' ^üy/rrfar y&Vyw«^Uf £ &*f^fK<nt' f»J*r* ' s *s j * .fä* *■ , JL, . ✓ ä.- ' mfttftif —'f'i.Tis 3^" aX&S, fniit/lkttf ti i*r,,fii^iil* —vd'/ 'tsi,d¥t 't^y*^'* 7 ' . ■ lii-w y/*'*' da£im,<fcf»^~~?r.* fr*<rff& rr PHOTO-ARBUTKN bis 10 Uhr vorm. gebracht, sind 6 Uhr abends fertig. \ y .f .............i. Versicherungen aller Art Siegmund Cohn Elslersfraße 24 Fernspr. 15966 ■....................................................................................... Qeaen Schuppen nurur.medSandslen /w.;« > SANtartlN&CO. O.M.B H LtlPtlG DITTOICHPINO IC W.KretZSChmar Inh.: Rob. Hahne praktischer Hemdenschneider Tadellos, sitz. Oberhemden und jeg-liohe Herrenwäsche naoh eigenem Idealsystem, Crawatlen-Heuheltan Jetzt 78 Jahre am Markt in Leipzig. — 34 — hat ittiiin häufig unmöglich Seheinenbea ausgeführt, weit er 3«ic"nmfnl)an9e anffpfttt, bie anberen oerborgen blei» ben. So laffe ber König ben 3od)anan rufen unb ent« fenbe ilin, bie Jyrau ju fudjen, bie ein göttliches 3«$"» bem ftönig als mürbige ®emat)lin jubeftimmt bat. Sollte aber bieje grau unauffinbbat fein: warum will ber 3om unieres Königs fich gegen una wenben, bie wir bod) mit all unferem Sollen nur baa SBefte unferes Dereljrten .fcerrfrbers unb unjereo über alles geliebten ^uterlanbea erftreben? Sollte nicht freubig ber König eine ©elegen« heit ergreifen, bieien ouben 3ocbanan unb alle feine Dor Wott perflurhten Stammesbrüber auejurotten, ba fie ja borb, bem i.'anbe feinen Minen bringen?" — Xer König lief-, fich Don il)nen beieben. Csorbanan würbe Dor ben König gerufen. Gtarabe als er fein £>aus »erlief?, flog ber Stabe vorüber unb 3odjanan bernatjm feinen Segens* nntnfd): „Xer Allgegenwärtige wirb birh aus ben bebten erretten, bie über bid) tont Uten werben." ftieftärft im Vertrauen auf ben göttlichen Söeiftanb trat er Dor ben König unb Derneigte fid) ehrerbietig. Äber wie erirhraf er, als ihm ber König befahl, er fülle bie ,vrau jud)en, Don beren .vmar ber Mönig eines geigte. „Xoäj nie", fo enuiberte er ^itternb, „hat ein König obn.\>rrid)er Ähnliches geiorbert. 3?Jie füllte ich icbwncher SRenfdj iold)es oollbringen!" — „Xu iebwadjer SRenfd)?" höhnte ber König. wS9tft bu nicht ein 0\uie? Stehft bu nidit im iMunbe mit beinern <%tte? So magft bu bod) beweifen, ub il)r Das „auserwäi)ite ^uit" feib! Senn »tffe: bringft bu mir nid)t in einem 3ahte bie grau, [o werbe ich bid) mit all bebten jiibiid)cn *örü* betn unb Sehweite™ iiernid)ten." — Schlimmes hatte C\ocbanan beiürdjtet, als er juni König gerufen würben war; weit Schlimmeres war über-, ihn gefommen: auf ihm laftete bas Sdjidfal all feiner Sörüber. So tarn er tief erfebüttert in iein $mus; faum Dermorbte er jn erzählen, was fid) zugetragen; faum fonnten ^rau unb Kinber bas 8ert)angttÜ faffen, ba8 über fit gefommen loar. Sfber es burfte nicht gefäumt werben, fie mußten fid) in bas Unabänberlidie fügen. SBeljen .^er^ens beforgte 3ocfcanan fein .£-»aus, rüitete fid) jur 9Jeije unb naljm bann bewegten?lbfrhieb Don ben Seinen. Seit ben 2Bünfd)en Don Jrau unb Kinbern wuchs audj in ihm wieber baa öJottoertrauen, unb fo jog er benn ernft, — 36 — aber nidjt Derjweifelnb in bie ©ett Ijinauc. 9teithlid)f ®elbmittel führte er bei fid); baneben hatte er in einem eigenen ©eutel brei ©rote unb jeljn ®olbftüd>, bie er immer für bie ä'uBerfte .'uu bereit halten wollte. Stil befonberer Sorgfalt behütete er bas ihm übergebene §aar. 9G3ie mit unftrhtbarer ©ewa'.t jog es ihn hin £ii bem föalbe, wo er fefaon einmal ^Befreiung aus großer, (Slenb gefunben hatte, als fönne er nur bort ben 2luc< weg au« feiner 9iot entbeefen. äber iljm fel)lte ber ftdjere gübrer, fo baß er mehrere ÜMonate umherirrt,, ehe er bahin gelangte. 3Bie jubelte er auf, als er enb lieh ben SSalb wiebererfannte; wie hob fid) fein Dü; ber ihn faft fchon Derlaffen wollte. 4>offnungafreubig febritt er üorwärtS, immer tiefer in baa SBaloeöbirltththinein: eine ^uuerfirijtlidjeAhnung fag ihm, baß er jenfeita beaSi^albee finben würbe, was er fuebt. Da fal) er olöt.did) nor fid) einen ,vmub Don ga: , ungewöt)n(id)er (Mröße, wie er iljn fein L'ebtag nicht c fehen hatte. Xer $)unb heulte gar jämmerlid). 3od)e < nan näherte fid) ihm unb betrachtete ihn, ob er irgen wo aua einer Söunbe blutete.?tber balb Derftanb r, bafj ben final) ber junger guälte. Xae ^etilen frbi t iljm wie eine Klage gegen ben Schöpfer, ber ihn fo ftber bas gewöhnliche iüiaf; hinaus groß hatte werben (offen, fo baß er mel)r ala bie anberen Xiere feiner Wattui i junger leiben muffe, ^orhanan hatte feine anbere - jeljrung mehr bei fid), als bie brei SSrote, bie iljm | t bie üußerfle 8to| bienen füHte«. Sr fclbft lebte fet) 9 feit SßJochen nur oon grüchten unb Kräutern unb 85« jeln, bie er fich im ÜSalbe fuchte.?lbcr oljne ju jöge. t nahm er einea ber 3irute unb reichte es bem .'putt e l)in. Dabei ftreid)elte er baa Sier unb rebete Ujnt ju: „Wott l)at bid) wal)rlid) nidjt gefefaaffen, baß bu Ijungei? fterben müßteft: benn fein (Erbarmen erftredt fid) a ' alle feine ®efchöpfc". Xa leuchtete ein fcanterfüUter 8li« aua ben klugen besMunbes auf, unb 3od)anan entnahm an? ifejm wieber baa Segenawort: „Xer Allgegenwärtige »irö bid) retten aus ben sJ<öten( bie über bid) fonttnen werben . Sodjanan ging weiter. Xa traf er auf einen Waben, fo groß, wie er nie einen gefehen hatte. Xer fräd),,tf gar jämmerlid) unb ftiefe bit gleiche Klage aua wie ber $)unb. Hud) mit ihm hatte 3od)anan Ütitleib unb gab iljm fein jweiteä ©rot. Unb wieber fütjlte fid) 3od)ßs nan gejegnet mit neuem (SottDertrauen.