Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- 2 u. 3 (Februar-März 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Sabbath. 16 V(aj^nischte Nachrichten. Berlin, 6..1fcbruar. Ueber die Aussichten der Novelle zur Sonntagsruhegesejpgebung äusserte sich in der gestrigen (199.) Reichstagssitzung de» Staatssekretär des Innern, Herr v. Bethmaun- Hollweg fylgen^rpaaksen: .üeber die Sonntagsruhe haben wir bereits im vorigt^, Jahre gesprochen. Ich habe damals darauf hingewiesen, dass jtlh für eine Differenzierung bin. In der Zwischenzeit sind zahlreiche Hutachten bei uns eingelaufen. Die Zahl der Ansichten, die in diesen Gutachten vertreten werden, sind beinahe so gross, wie die Zahl der Gutachten selbst. (Heiterkeit) Das zeigt, dass wir vor einer ausserordentlich schwierigen Frage stehen. (Sehr richtig!) Von Hen meisten Gutachten ist die Differenzierung in Großstädte, Pro]^^ialstädte, Landstädte und flaches Land gutgeheissen wordcn.Vwh glaube auch heute noch, dass sich ohne eine solche Differenzierung nichts machen lassen wird. Ich übersehe dabei keineswegs die Bedenken, die gegen eine Besserstellung der Handlungsgehilfen lediglich in den Großstädten besteben. Die an und für sich nicht erfreuliche Abwanderung von der Kleinstadt in die Großstadt wird dabei sicher gefördert.“ Hamburg, L'i. Januar. Auf Anregung des Bürgervereins vor dem Dammtor .hätte die Strassenbahngesellschaft im Sommer v. J. neue Abonntmentsbtdingungen für Schulkinder eingeführt, nach welchen, den die. jüdischen Schulen besuchenden Kindern gestattet, sein sollte, am Sonntag das Abonnement zu benutzen, was sonst, unzulässig war. Dafür wurde ein Aufschlag von 50—100 l’fg. pro Monat-, verlangt. Hier«;gcn erhob der Vorstand der hiesigen Orts-j gruppe des Verb g* des derSabbathfreunde Einspruch. Ea wprdp geltend gemacht, dass die jüdischen SchüleT, welche z. B. die Talmud-T^taiSchule' besuchen, nur an Sonntagen und nicht Sonnabends die Bahn benutzen, daher die Preiserhöhung gegenüber denjenigen Schülern,* welche nur Sonnabends, dagegen Sonntags nicht fahren, ungerechtfertigt sei. ln anerkennenswerter "Weise hat die StrassesbahngeselisduJt die Berechtigung dieser Ausführungen eingesebtn und ^tzt/djk.Abonnementsbedingungen so gestellt, dass ' EchüIerahonnemenstHÄu gleichen Preisen gelöst werden können, mit Ausschluss der. BenlGjbfcg entweder am Sonnabend oder am Sonntag. ' f Wronke. ' Auf J&feguug der Posener "Ortsgruppe des .Verbandes der Sabbathfjeinde* fand hier and 28. Febr. eine Versamm lung statt, zu der als D^legirte der Posener Ortsgruppe die Herren!*> Plessner und E. Jtzeszewski erschienen waren. Herr Kantor Hirsch der sich um das Zustandekommen der Versammlung eifrig bemüht hatte, 1 P. PiessiEr d .Was will wer Diskussion mel Mitgliederzuwad te die Versammlung und erteilte dem Herrn Wort zu dem Vortrag, der das Thema führte: ,d der Sabbathfrennde“. Nach einer kurzen rVsich 16 Mitglieder. Es ist noch ein weiterer erwarten, so daß die Koustitnirnug einer Orts gruppe wohl in nächster Zeit erfolgen dürfte. Krotoschin. , Auf Einladung der Posener Ortsgruppe fand am 14. Februar eine öffentliche Versammlung statt, die ausserordentlich zahlreich, auch von. der Umgegend besucht war. Nach Beerüssung durch Herrn Rabb. Dr. Berger-Krotoschin, ergriff Herr P. Plessnar-Posen das Wort, um in einem einstündigen, mit Beifall aufgenommenen Vortrag, die Bedeutung des Verbandes für das Judentum, zu beleuchten und über die Ziele und Zwecke desselben zu berichten. Herr E. R z e s z e-w ski - Posen richtete einen warmen Appell an die Versammlung und forderte zum Beitritt auf. In der nun folgenden Diskussion wies Herr Dr. Berger darauf hin dass die beste Agitation praktische Arbeit wäre, die der Verband besonders in Sachen der Sonntagsruhe betätigen solle. Herr A. K o b e rl Breslau überbrachte die Grosse der Breslauer Ortsgruppe und! besprach einige praktische Erfolge des Verbandes. Nach einem Schlusswort des iferrn Plessner wurde die Versammlung, deren Zustandekommen besonders den Bemühungen des Herrn J. Rothstein, hier zu verdanken ist, geschlossen. 34 Mitglieder traten vorläufig bei. Wien, 1. März. Am tw 't fand hier die konstituierende Generalversammlung des Vereins der Sabbathfrennde nun new statt. In der sehr zahlreich besuchten Versammlung waren anwesend: Herr Rabbiner Fürst Schiffschnl als Begründer des Vereins, Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang, vom Vorstand der Kultusgemeinde delegiert, Herr Rabbiner Kramer für das Rabbinat, Herr Rabbiner Papo Chacham der türkischen Gemeinde, die Herren Rabbiner Fürst jr. Dr. Hahn, Schönfeld und Winter, welch letzterer schon vor mehreren Jahren in der Wiener Wochenschrift für die Gründung eines solchen Vereins eintrat, Herr Hofbauer, Obmann der .Freien Vereinigung“, und Vertreter vieler Vereine. Vorsitzender des Komitees, Herr Pappenheim, begrüßte die Erschienenen, indem er kurz die Ziele des Vereins darlegte und die Versammlung bat, die Bestrebungen desselben kräftig zu fördern. Herr Dr. Feuchtwang überbrachte eine Sympathiekundgebung des Kultnsvorstandes, der dem Verein seine werktätige Unterstützung zusagte, und besprach in gewohnter Meisterschaft die hehren Aufgaben des Vereins. Herr Rabbiner Kramer überbrachte Grüße des Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemann, der am persönlichen Erscheinen verhindert, die Gründung des Vereins mit Freude begrüßt. Die beiden Redner schließen sich persönlich diesen Ennnziationen an. Der Vorsitzende begrüßte im Namen der ganzen Versammlung diese Aeußerungen mit besonderer Freude da nur durch das Zusammenwirken aller Kreise, die auf die Erhaltung der Religiös!tät Wert legen, ersprießliche Resultate erreicht werden können. Herr Hofbauer giebt wertvolle Anregungen bezüglich der Kinderfürsorge und rav m-ep. Nachdem noch die Herren Bankier Fischer und N. Neumann gesprochen hatten, wurde zur Wahl geschritten und wurden mit Akklamation in den Vorstand gewählt: die Herren G. Austerlitz, D. Bischofswerder, S. Bondi, Ed. Deutsch, M. Felsenburg, J. Goldschmidt, M. Hofbauer (Herr Bernhard Hofbauer lehnte die Wahl wegen Ueberbürdung ab), M. Nasch, N. Pollak, J. Schiff, R. Eiland, 8. Hirschler, J. Löwi, J. Steinfeld, M. Stern; Revisoren: \V. Pappen heim, A. Rosenthal. Am Abend fand in der Schiffschul ein itan auf den Eisenstädter Vr juo statt. Herr Rabbiner Fürst schilderte in tieferschütterten und tiefergreifenden Worten das Leben dieses herrlichen Mannes, der eine klaffende Lücke in den Reiben der Vorkämpfer für das gesetzestreue Judentum hinterläßt. Die Zahl der Hörer gab dem Redner erwünschten Anlaß in zündenden Worten die Bedeutung des rap zu schildern und die große Wohltat darzulegen, die der Sabbatheiligung innewohnt Wir dürfen hoffen, daß alle jene, die den hohen Wert der Sabbathgesetze für die Stärkung der jüdischen Sache begreifen oder nur ahnen, an dem schwierigen Werke der „Sabbathfrennde“ mitarbeiten werden, . und daß der Verein ein mächtiger Faktor zur Förderung und Betätigung echtjüdischer Anschauung werden wird. Pressburg, 24. Januar. Jm November v. Js. hat die hiesige Stadtvertretung, welcher der neue Gesetzentwurf betreffs der Sonntagsruhe zur Begutachtung Vorgelegen hatte, den Beschluss gefasst, sämtliche Mnnizipien des Landes durch Zirkular zu veranlassen, dass sie vom Landtage die allgemeine, gänzliche Einführung der Sonntagsruhe verlangen. Das Merkwürdige an der Sache ist, dass der vorbereiten le Magistrat, wie auch die Handels- und Gewerbekammer und die Kommissionen nur für die 10 Uhr-Sperre ihr Votum abgaben. Die Wendung in dieser Angelegenheit war von klerikaler Seite inszeniert und trotzdem von zwei jüdischen Stadtrepräsentanten, die die Sache von rein sachlichem Gesichtspunkte behandelten und vertraten (?) —, unterstützt Volles Lob verdient der Gemeinde- und Stadtrepräsentant, Direktor Leopold Ungar, der sofort eine . Gegenaktion einleitete, die darin besteht, dass er eine Petition der . sabbatbhaltenden Juden zur Unterschrift zirkulieren liess, mittelst welcher die Regierung ersucht wird, den status-quo (10 Uhr-Sperre) aufrecht zu erhalten und im Interesse der Volkswirtschaft den , städtischen Repräsentanten-Beschluss zu verwerfen. Hoffen wir, dass . diese Gegenaktion von bestem Erfolge begleitet wird. Klcider$tofffabrikÄÄÄ5.Uertretcr für ©ftu. tDeftpreufcen. ffiefC. Offerten an die Rebaht. b.BI.