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Der Sabbath · 1908-04-01 · 4 (4.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
8 (1908)
Issue
4 (4.1908)
Date
1908-04-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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2S Der Sabbath. Verbands-Nachrichten. Bartin, i. Gestern Abend fand die General-Versammlang!des hiesigen ÄH^ins füT Stellenvermittlung und Versicherung gegen Stellenlosigkeit; Schomre Schabbos* statt. Nach dem, von dem Vorsitzenden, Herrn Moritz Merzbach erstatteten Geschäftsbericht, hat der Verein im abgelaafenen Geschäftsjahr (jo Stellungen, davoi 51 kaufmännische and 14 gewerbliche, an 44 männliche, 21 weibliche vermittelt. (Daneben hat der .Verband der S&bbathfrcunde*:׳;' Hjer 28 Stellungen besetzt. Red.) Das vor einem Jahre mit dem ,Verein für Arbeitsnachweis* getroffene L'ebereinkommen hat sich im Wesentlichen bewährt. — Der von den Revisorea geprüfte Kassenbericht zeigt folgende Zahlen aaf: Einnahmen. | Ausgaben. Bestand 81. 12. 06 Jahresbeiträge Yers^hernngsprämien Mk. 146.50 , 490.— . +8- Salaire Mk. 480.— Drucksachen etc. , ' 59.42 Für den .Sabbath* , 100.— Prämien- U eberweisung nach Frankfurt a. M. , 30.— Bestand 31. 12. 07 . 9.08 ilk. 684.511 | Mk. 634.50 Die beantragte Decharge wird erteilt und das Abkommen mit dem Verein für Arbeitsnachweis mit einigen Aenderungen für ein Jahr verlängert. Der bisherige Vorstand wird wieder gewählt und setzt sich zasammen aus den Herren Moritz Merzbach (Vorsitzender), Dr. Ed. Biberfeld (stellv. Vorsitzender), R. Gradenwitz und E. Lazarus (Schriftführer),- .1. Ber (Cassierer), M. Dorn und Drielsma (Beisitzer). Wie$baden, 26. Januar, im Anschlüsse an unseren Bericht in der vorigen• Nummer über eine hier abgebaltene Versammlung der hiesigen Ortsgruppe seien noch die Ausführungen mitg• teilt, die fli rr Dr. metl. Kätner an die Versammlung richtete: ..Maine Damen and Herren 1 Zunächst gestatten Sie, dass ich mich bedwke. Es kommen דב.־< וג-ה in meinen Worten vor. Nach dem lichtvollen Vortrage des verehrten Vorredners, der die Wichtigkert der Sabbath-Weihe in volkswirtschaftlicher und hygienischer Beziehung klar und erschöpfend behandelt bat. muss ich mit den Worten unserer Weisen ausrufen : -ישי• כביד, גג s:s rare ם:׳ ביצד. =“ז א׳ Ein herrlicher Schatz ruht in meiner Schatzkammer und i^atk.heisst er! Fürwahr ein besseres Zeugnis für Bedeutung ■Ubbath könnte Niemand ablegen. Gestatten Sie mir als Arzt e Bemerkungen wirtschaftlicher and hygienischer Natnr daran!nüpfen. Der Herr Redner exempliticierte, wie die strenge lathbeobachtung den Gewerbetreibenden grosse Opfer materieller wirtschaftlicher Art anferlegen, und wie man trotzdem auf verschieden!.׳ Weise an diesem Grundpfeiler des Judentums festbalten könne, ״ich meine hier speziell die sog. Versicherungskäase gegen Schäden, die aus der Sabbathbeobachtung entstehen. Za den Gewerbebetreibenden gehören, wenigstens dem Gesetz nach, auch wir Aörzte; dass Aerzte häutig in die Lage kommen, den Sabbath zu entweihen, und dass auch, wo keine .גששיד r»-Lebensgefahr vorhanden, vom Aut manchmal das verlangt wird, was am ישבת^»»grenzte ist bekannt} *Ich will hier aber von denjenigen AerztenVreden, welche ajs Assistenten in den Kliniken oder wissenschaftlichem•. Laboratorien arbeiten. Ist es schon an und für sich schwer, als Jude dort anzuktommen, so ist es noch vielmehr, wenn die Bedingunndes NichtarbeiteQS am Sabbath daran geknüpft wird. Und nun"erst gar die Medizinalpfekiikanten, die ihr praktisches Jahr absolvieren müssen 1 Vielleicht kann mir der Herr Redner Auskunft darüber geben, ob es sieh nicht auch eine Art Versicherung dagegen bewerkstelligen liesse! Meine Damen und Herren! Es ist sehr wichtig, dass auch Juden wissenschaftlich arbeiten. .Sie haben es ja heute gehört, wie die Jahrtausende alten Sabbathgesetze den Anforderungen der neuesten ׳ Hygieneforschung entsprechen, die immer mehr auf einen Ruhetag dringt. Ja, so ein vollkommener Huhetag, wie der altjndische Sabbath, muss auch von uns Nervenspczialistcn als einzig und mustergültig anerkannt werden. Ein wahres Nervinum! Wir bemühen uns durch alle möglichen Sedativ« den Kranken zur Buhe zu bringen und seine Gedanken abzulenken; häutig aber vergebens. Wenn aber *der. Sabbath des frommen Juden einzieht, und er den Sabbatbrock anzieht, so hat er alle Gedanken und Sorgen des Alltagslebens draussen gelassen — und darf nur an דברי: שיפד. :בך״“ denken, an Dinge, die keinen unmittelbaren praktischen Wert haben, höchstens an רשדך תבנדת, und das ist manchmal sehr problematisch nnd hygitenisch! Meine Damen und Herren : Der Redner erinnerte dann noch wn das Gesetz von 1857, wonach Jüdische Eltern ihre Kinder vom ׳Schulbesuch am Sabbath dispensieren können. Da muss ich ein kleines Intermezzo aas meinem eignen Schalleben — es ist allerdings schon ziemlich lange her — erzählen. Als ich in Pension bei Herrn; Rabbiner Dr. K. war und das lateinische Extemporale gerade auf rer bestimmt wurde, da äusserte der Lehrer, als ich mich zu schreiben weigerte : novum atque ioanditum und forderte die Beibringung eines Zeugnisses. Nach Beibringung eines solchen von Herrn Rabbiner Dr.-J!U.in welchem es hiess, dass 4s den Juden bei Todesstrafe am שבת zu schreiben verboten wäre, sagte der Lehrer sarkastisch zur Klasse: Wir wollen unseren Commiltionen einer solchen Gefahr nicht aussetzen, und deshalb wird das Extemporale auf Dienstag verlegt! Hätten wir damals vom'Gesetz gewusst, brauchten wir am Sabbath überhaupt nicht in die Schnle zu gehen 1 Doch das sind tempi passati .... Meine Damen und Herren!. Ich empfehle der Ortsgruppe Wiesbaden, die Intelligenz für ihre Sache zu gewinnen I Denn הימם ע־ניז ב-אשו, die Intelligenz schreitet voran. Heute kann ich mir gerade jetzt einen Vers ans dem heute vorgelesenen Wochenabschnitt erst recht erklären: rrfnpn דבל העם תאים את. Das ganze Volk sab die Stimmen! kann man denn Stimmen s e h e n? Ja t Unser vorzüglicher Redner des Abends hat so herrlich und eindringlich zu ans gesprochen, dass wir mit unserem geistigen Auge seine Worte, seine Stimme, erfassen und beherzigen lernen, indem wir uns an das יבדר את •דם השבת?1קדשו allzeit erinnern. Das war es, was ich zu bemerken batte!“ m Posen, 4. llärz. Am 14. Janaar d. J. veranstaltete die hiesige Ortsgruppe ihre IIL Monats Versammlung. Nachdem der Delegierte, Herr E. Rzeszewski, einen ausführlichen Bericht über den Delegiertentag gegeben, entspann sich eine weitverzweiste Debatte über die vom Verband der Sabbatbfreande za gründende Darlehnskasse. Der Delegierte, Herr P. P 1 e s s n e r, gab an der Hand des Statutenentwurfes eine Darstellung des Zweckes nnd der Ziele der geplanten Institution; der Entwurf fand allgemeinen Beifall. Bei Erledigung der übrigen Tagesordnung regte Hetr Rotholz die Gründung der »Peah‘ für Posen an. Nach einer lebhaften Diskussion über diesen Punkt wurde eine Kommission, bestehend aas den Herren S. Friedmann, Schild, Kirschbaum, E Rzeszewski und Rotholz zur eingehenden Beratung und ev. Ausführnng dieser Anregung gewählt. — Am 25. Februar d. J. fand die IV. Monatsversammlung der hiesigen Ortsgroppe statt. Die Beteiligung war'eine ausserordentlich rege Nach Eröffnung der Ver- Sammlung durch den Vorsitzenden, Herrn J. Gabriel ergriff Herr Rabbiner Dr. Silberberg -Schlimm das Wort zu einem einstündigen Vortrage ,Die Grundgedanken der Sabbathgesetze*, in welchem er von dem Gedanken ausging, den der Midrasch Bereschitt rabbah in folgende Worte kleidet: R. Simon b. Jochai sagte: Der Sabbath sprach vor dem Heiligen, gelobt sei er: Herr der Welt, alle Tage haben einen Paargenossen (I+IV, II-f V, Ill-f-IV), nur ich habe keinen. Da sagte Gott zu ihm: Israels Gesamtheit ist Dein Paargenösse. Damm sprach Gott zu Israel, als sie am Berge Sinai standen: Gedenket des Wortes, das ich dem Sabbath verheissen habe: Die Gesamtheit Israels ist Dein Piargenosse; darum heisst es: Gedenke des Sabbatbtages, ihn zn heiligen (dich ihm za ver- ׳ mahlen).* Redner erläuterte diesen Midrasch und versuchte zu , zeigen, dass nur Israel den Sabbath heiligen könne, dh. zur Er* i fatsang des Sabbathgedankens in seinem tiefsten Gehalt sei die Vor-! anssetzung, dass man an die göttliche Erlösung Israels aus Egypten und die durch Gottes Macht vollbrachte Volkswerdnng Israels glanbe. Nicht nur זבד■ ימעשה בראשית, sondern vor allem מר?1יציאת נמרים , müsse der Sabbath gehalten werden. Das ist der Grundgei danke des S&bb&thgeistes. Der Grundgedanke der Sabbath-; gesetze im einzelnen entspricht jenem Grandgedanken, wie Redner; an einzelnen Sabbathgesetzen za zeigen versnobt Im besonderen; ging der Vortragende noch auf einzelne אבות נמאסת, auf יסד המאה« 1 und auf einige סיג-Gennd Verbote ein, namentlich קצה« nnd hm עוביין. — Der Herr Redner schloss mit der Mahnung, dass der Verband ן der Sabbathfrennde die Tiefe nnd Heiligkeit des Sabbathgebotes und I der Sabbathgesetze immer mehr erfassen nnd das Erfasste vertreten 1 möchte. — Die ausserordentlich geistreichen Ausführungen des Vor-! tragenden wurden von den zahlreichen Zuhörern mit gespannter . Aufmerksamkeit verfolgt und mit grossem Beifall aufgenommen. — 1 Alsdann berichte'e Herr E. Rzeszewski üher die von der Peah-Kom- 1 mission am 1. Februar ins Leben gerufene ,Peah, Jüdische Brocken״ ( Sammlung Posen“. Aus dem Bericht geht hervor, dass diese lnsti- : tution allgemeinen Beifall und Unterstützung in der Posener Ge*! meinde gefunden hat. Bereits in der 3. Woche des Bestehens musste j ein zweiter Arbeiter zum Einholen und Sortieren der Sachen angestellt werden. Der augenblickliche Ueberschuss beträgt ca. 75 Mk.! und soll zur Reslanic für die Peah verwendet werden Die Lager 1 räume sind von Herrn S. Friedmann für 3 Monate gratis zur Verfügung gestellt worden. Der Referent schloss den Bericht mit ■ der Bitte an die Mitglieder, für die Peah eitrigst za agitieren. Beim 3. Punkt der Tagesordnung wurden verschiedene Mängel hei der Stellenvermittlung besprochen und einige Anregungen zu deren Beseitigung gegeben. Zur Entlastung des Vorstandes soll für dieses Gebiet eine Kommission gewählt werden. Herr Dr. Calvary er• sucht dem Vorstand sich mit den jüdischen Volksscbullehrern Posen» in Verbindung zu geizen, damit die Lehrer die abgehenden jüdischen Schüler auf die Stellenvermittlung des Verbandes der Sabbathfrennde hinweisen. Herr A. Rzeszewski wünscht, dass jeder Monatsvef- Sammlung die angemeldeten nnd unerledigten Vakanzen und Bewerbungsgesuche vorgelegt werden tollen. .Alsdann wurde, die sehr interessante Versammlung durch den Vorsitzenden geschlossen. M. Höchberg U. Fr., im März. Hier sind sämtliche 7 Mitglieder der jüdischen Gemeinde nnserem Verbände beigetreten.

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