Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 11 (11.1843)
- Date
- 1843-11-01
- Page
- Seite 344 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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344 Stand der Dinge im Morgenlande. den und daö war nicht möglich. DaS Andringen namentlich von England setzte die griechische Regierung in die größte Verlegenheit, und sie mußte zu den auSgedachtesten Ersparnissen ihre Zuflucht nehmen, und darin weiter gehen, als mit ihrer eigenen Sicherheit verträglich war. Zwar lag nicht alle Schuld an den auswärtigen Forderungen; die griechischen Finanzen würden besser gestanden sein, wenn die Griechen selber in Erfüllung ihrer Pflichten mehr Gewissenhaftigkeit gezeigt hätten. So soll der Staat zwölf Millionen Drachmen ausstehend haben bei den Pächtern der öffentlichen Grundstücke und des Zehntens. Diese Pächter sind in den Provinzen angeseffene begüterte Leute von Ansehen und Einfluß, und daher mag es gekommen sein, daß sie mußten geschont werden und der Staat sie zu pünktlicher Leistung ihrer Verpflichtungen nicht ««halten konnte. Diese und ähnliche Schwierigkeiten drückten immer mehr auf die Regierung deS Königs, alö am 15. September 1843 die Revolution ausbrach, von der wir jetzt zu rede» haben. König Otto war nicht bestimmt, als absoluter Monarch ohne Verfassung über sein Griechenland zu regieren. Doch sollte die Verfassung, welche den Griechen in Aussicht gestellt war, erst mit Zeit und Gelegenheit gegeben werden, denn im ersten Augenblicke des Uebergangs aus dem ChaoS der alten Zustände in die neue Organisation der Dinge war die Einführung einer Repräsentativ-Verfassung nicht thunlich, sie hätte die Gestaltung und Befestigung des neuen Staates erschwert und vielleicht den alten Partei-Hader verewigt; Repräsentativ-Berfassungen setzen schon einen abgeklärten Zustand der Dinge voraus. Die Griechen selber hielten sich längst für vollkommen reif zu einer landständischen Verfassung, und zögerten keinen Augenblick eine solche zu erzwingen, sobald — um