Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 6 (1843)
- Issue
- 10 (10.1843)
- Date
- 1843-10-01
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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290 Di« Trennung im Reiche Israel. zu geben: »Mein kleiner Finger ist dicker als d»e Lenden meines Vaters. Hat euch mein Vater ein schweres Joch aufgelegt, so will ich zu demselben noch hinzuthun; hat euch mein Vater mit Geißeln gezüchtigt, so will ich euch mit Skorpionen oder eisernen Hacken züchtigen«. Diese Sprache voll Anmaaßung und Uebertreibung sagte die Schwäche des Königs zu, die sich gerne hinter Kraftäußerungcu verbarg. Rehabeam meinte es gerade m'cht so böse; denn diejenigen, welche wirklich die Absicht haben, mit Skorpionen zu züchtigen, pflegen es gewöhnlich nicht zu sagen, sondern führen die schönsten Redensarten vom Volkswohl im Munde. Am dritten Tage kam nun bcfvhlenermaaßen Jerobeam, doch nicht nur mit wenigen Abgeordneten, sondern mit dem ganzen Haufen seiner Anhänger. Es war ihm wohl nicht um Einschüchterung zu thun, und den Hof zum Nachgeben zu nöthigen — denn dieses wollte er ja gar nicht, — sondern es handelte sich um seine eigene Sicherheit. Denn wenn Rehabeam der Volksversammlung zn Sichen, ihr Haupt abgeschlagen hätte, so würde der übrige Rumpf für ihn nichts gefährliches mehr gehabt haben. Es hatte aber ohne Zweifel im Volk bereits verlautet, es seien im Staatsrathe Gewaltstreiche beliebt worden; der Eine wollte dieses, der Andere jenewissen, und es gab wohl auch dort genug solcher Leute, die sich mit dem Vertrauen hochgestellter Männer brüsteten. Jerobeam wurde gewarnt — wenn nämlich ein Mann der Böses im Schilde führt noch einer Warnung bedarf — und setzte sich in Fassung, Gewalt mit Gewalt zu erwiedern. Der König, von Vorurtheilen eingenommen, erkannte seine Lage noch nicht, als er die wogenden Schaaren schon vor sich versammelt sah, und sprach noch ganz in