Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 5 (1842)
- Issue
- 9 (9.1842)
- Date
- 1842-09-01
- Page
- Seite 264 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4872516-5427214-5427334--1939-4874389- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Rrsiorianer. Ml zu verrichten. Es war mir ei» erhebender Gedanke, daß ich mitten in dem weiten Gebiete, in dem der Islam herrscht, mich hier in einem Eckchen christlichen Landes befinde, wo ohne Störung und Furcht das Lob des Erlösers gesungen wird. Nach dem Morgengebete nahm ich die Gelegenheit wahr, mit Manchen mich zu unter, halten, welche da oben blieben oder während des Tages heraufkamen. Auf meine Bitte hin las der Priester ei» uige Abschnitte aus der heil. Schrift öffentlich vor und fügte dem Gelesenen eine Uebersetzung in die Volksspra, che bei. Ich knüpfte einige praktische Bemerkungen an. — Man zeigte mir in der Kirche »inen Taufstein, den, wie man mich ernsthaft versicherte, von Bagdad bis auf diese Stelle der Satan auf dem Rücken hatte hertragen müs, sen. So groß sei die Wundermacht des heiligen Grün, ders der Kirche gewesen, und so groß ist der Aberglaube dieser Leute jetzt noch. Nach dem Frühstücke gingen wir in das, etwa eine halbe Stunde entlegene, große Dorf Gawa,Tehoma. Die Leute versammelten sich in großer Anzahl, um uns zu sehen und Arzneien für die Kranken zu erhalten. Auch hier laS der Priester einige Abschnitte aus der heil. Schrift in der Landessprache vor, die ich mit erklärenden und praktischen Bemerkungen begleitete. Ich wählte diese Derfahrensart öfter während meines Aufenthalts im Gebirge und fand sie für die religiöse Belehrung des Volkes sehr geeignet. Zurrst pflegten die Leute während des Vorlesens unter sich zu sprechen, weil sie nicht ge» wohnt sind ihre Aufmerksamkeit auf ihren Gottesdienst zu richten, da sie die alte Sprache selbst nicht mehr verstehen. Bald aber begann der Vortrag sie zu fcs« srln, und Einige drückten ihre Verwunderung aus, daß ihnen dir Priester noch nie dergleichen gesagt hätten.