Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 4 (1841)
- Issue
- 10 (10.1841)
- Date
- 1841-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4872516-5427212-5427312--1562-4874025- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hervde« der Große. in gen der Zukunft war Antipater an Rom geknüpft. So war man also sicher, daß zwischen diesem Procurator und dem von ihm beherrschten Bolk kein gutes Einvernehmen aufkommen könne, und daß er die rechte Hand Roms sei, mit welcher dieses seine Beute in Judäa festhalte. So weit war alles klug berechnet. Aber eine Thorheit war es, zu glauben, daß solche Arglist und Gewaltherrschaft auf dir Dauer von Erfolg und Segen sein könne. Die sonst so wohlberechnenden Römer konnten nur darum sich von einem solchen Fehlschluß in den jüdischen Angelegenheiten übereilen lassen, weil sie nicht ahnten, wie tief bei den Juden die Religion und der Glaube das ganze Sein des Volkes durchdrungen habe, und dieses konnten sie nicht ahnen, weil sie die Religion der Juden für eine Abgeschmacktheit und den Glauben des Volkes für stumpfsinnigen Aberglauben hielten. Was aber in ihren Augen nichts als Superstition (Wahn) war, dem konnten sie nicht eine unüberwindliche Macht zuschreiben. Sie glaubten alles Ernstes, man könne den Juden ihren Glauben lassen, als ein altvettelisches Kinderspiel, womit sie sich vergnügen würden ohne zu merken, daß ihrer Rationaleristenz der Lebensnerv abgeschnitten sei. Die ganze folgende Geschichte der Juden zeigt uns den nothwendig gewordenen Kampf zwischen römischer blinder Herrschgewalt und dem unbeugsamen Halten der Juden an dem Glauben der Väter und den Hoffnungen der Zukunft. In einem solchen Kampfe mußte natürlich Rom siegen und das Judenthum erliegen, aber das Völker-besiegende Rom erstarb an seinen Siegen, und das erlegene Judenthum hat seinen unzerstörbaren Glauben siegreich durch die Jahrtausende gerettet.