Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 3 (1840)
- Issue
- 5 (5.1840)
- Date
- 1840-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
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Sin Besuch bei de« Erzbischof von Tyr««. 149 Sitte ist, führte uns der Erzbischof, gestützt ans srinen weißen Stock, in seine Kirche. Die Gläubigen knitten vor ihm nieder, und die Jüngern unter ihnen liefen von einem Platze zum andern, um desto öfter seinen Segen zu empfangen. Der Prälat zeigte mir mit einer Art frommer Selbstgefälligkeit seinen ganzen Schatz von Meßgewändern, deren Beschaffenheit leider ganz der Lokalität angemessen war. Die Kapelle ist ein verfallenes Gebäude, gerade groß genug, um die seiner Huth anvertraute Heerde zu fassen. Rach dieser Kirchenschau führte mich sein Bruder zu den prachtvollen Ruinen der alten gothischen Kirche, welche in den letzten Jahren der Kreuzzüge, bald nach ihrer Erbauung zerstört wurde. Sie besteht aus drei Schiffen, und enthielt einst, wie man sagt, das Grabmal Friedrich des ersten, mit dem Zunamen Barbarossa. Ebendaselbst soll auch das Grabmal des Kirchenvaters Origenes gewesen sein. Man kann sich nichts Schöneres und Ergreifenderes denken, als diese großen, offenen Bogengewölbe, diese einzeln stehenden Spitzbögen, und überhaupt diese alterthümliche, christliche Bauart, die hier auf den Trümmern von Tyrus in Ruine« liegt. Dieses Gebäude, ein prachtvolles Denkmal von der Macht der Kreuzfahrer, liegt auf einem Vorgebirge, von welchem ich auf der einen Seite den Damm Alexander des Großen, die großen Wasserleitungen und die Wälle deS alterthümlichen Palätyrus *) erblickte. Auf der andern Seite lag daS Meer mit seinen Felsenriffen und einer Menge schöner Säulen von orientalischem Granit, welche von den Fluthen geschwärzt, in buntem Gewirre durcheinander lagen. Der Punkt, auf welchem ich stank, *) Die erste und älteste Anlage von Tyru« «ar auf dem festen Lande, der Insel, die nachher dir bekannte Stadt diese« Namen« trug, gegenüber. Wahrscheinlich der grisern Sicherheit «egen vor den Angriffen vorderastatischer Eroberer zog stch. schon in unbekannter alter Zeit di« Stadt vom Land« auf die Insel hinüber, und dem Reste, der am Ufer stehen blieb, ward nun der Name Palätyrut »der Alt-Tyru«.