Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 2 (1839)
- Issue
- 10 (10.1839)
- Date
- 1839-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Zweite« Schreibe» au« Griechenland. 34)1 Wir sehen, daß in den Griechen der Verstand vorherrscht, in einer Weise, die auf'S Aeußerste getrieben, selbst zur Karikatur wurde. In der Politik offenbarten und entwickelten sie jenes Streben nach Gleichheit der Rechte und Befugnisse, wovon wir ein Abbild an dem menschljchen Leibe in den sich gleichgestellten Gliedern er, kennen können, deren keines das andere beherrscht, alle aber in ihrem harmonischen Zusammenwirken ein Ganzes darstellen. Israel hingegen ist Bild und Ausdruck jener andern Richtung, die nicht auf Vernunftschlüsse, sondern auf Glauben fußt und dem Höhern und Übersinnlichen sich zuwendet. Ihrerseits haben auch die Juden dieses Streben, einseitig gefaßt, bis in'ü Zerrbildliche getrieben. Sie standen da als Zeugen eines Verhältnisses, das im menschlichen Organismus sein Gegenbild findet in der Stellung der Leibesglirder zu'dem Haupte, von dem der Leib abhängt, gebraucht und beherrscht wird. Wie die Griechen gleichsam von Natur Freiheit und Gleichheit darstellten, so drückt Israel die Unterwerfung aus und den Gehorsam gegen eine höhere Ordnung und gegen Gott selbst. Wie nun die Griechen von Alters her waren, so sind sie noch, und.mit der Zeit wird sich dieses noch klarer und vollständiger Herausstellen. Die genannten beiden Richtungen und jede an ihrer Stelle bewirken Harmonie und Möglichkeit der Existenz im körperlichen Organismus de« Menschen, und künftig noch sollen sie sich erweisen als das harmonische Leben und Zusammenwirken bedingend auch in der Kirche, als dem geistlichen Leibe Christi, sofernc nämlich jede dieser beiden Strebungen nntcr die Leitung und Regel des Geistes Gottes tritt. Dicß ist die Aufgabe der Christenheit, die sie zwar noch nicht klar begriffen hat, für die sie aber,