Das Morgenland
- Journal
- Das Morgenland
- Volume
- 2 (1839)
- Issue
- 5 (5.1839)
- Date
- 1839-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
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Der Prophet Micha 157 Dies» Meinung ist mir wohlbekannt, aber ich kann sie nicht theilen. Es geht nicht ohne Zwang ab, wenn man alle Hoffnungen, welche die Propheten aussprecheu, will als erfüllt zeigen in der bisherigen Geschichte der christlichen Kirche. Ich sehe nicht anders als: entweder müßte man die Worte der Propheten in Zweifel ziehen, oder eS muß dem Volke Gottes auf Erden noch eine bessere Zukunft bevorstrhen. Man erkläre die Verheißungen der Propheten von dem künftigen allgemeinen Frieden noch so sehr geistlich, so ist ja auch im Geistlichen bis jetzt auf Erden noch kein Friede. Unser HErr selbst hat nicht gelehrt, daß JSrael keine weitere Hoffnung habe und daß alles Verheiffene sich beende in einer aus den Heiden gesammelten Kirche. Er hat von dem Heiligthum in Jerusalem vor seinem Leiden Abschied genommen auf Wiedersehen, dann wenn Israel ihn begrüßen werde, alS den »der da kommt im Namen des HErrn.» Matth. 23, 39. Er hat nach seiner Himmelfahrt den fragenden Jüngern — Apostelgesch. t, 6 ff. — nicht geantwortet, es sei ein Wahn, den sie nun bereits ablegen müßten, zu glauben, er werde einst noch »daS Reich Israel aufrichten». Er verweist sie nur zur Geduld. Tollte aber auch Jemand aus dem alten Testamente selbst und aus den Worten und dem ganzen Benehmen Jesu nicht genug Licht schöpfen, und sollte ein Solcher Beweise aus den Schriften der Apostel verlangen, so wird er finden, daß Paulus — Röm. 11, 29. — mit Beziehung auf die, dem Volke JSrael gegebenen Verheißungen erklärt, »Gottes Gaben und Berufung mögen ihn nicht gereuen». *) Endlich ist die Führung GotteS mit diesem Volke so merkwürdig und durch so *) Man vergleiche jenes ganze eilfte La», de« Rimerbrirfes