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Der nationaldeutsche Jude · 1929-04-01 · Nr. 1/4 (April 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1929
Issue
Nr. 1/4 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Der Einzelnummer 10 Pfennig. mMonaldeutsthe Iuöe Mleiluugsblatl des Verbandes nallonaldeulscherZuden Lv. Dar Mitteilungsblatt erscheint monatlich ~ Sefchäftrstelle des Verbandes und Redaktion des Mitteilungsblattes: Berlin W35, Blumeshof 9, Lei.: Liitzow 5333/34. Bankkonto: Martin Schiff, Berlin WS, Zagerftr. 9. Postscheckkonto Berlin Ar. 111231 Jahrgang \929 Upvil nt. Brzicbung zum dcutfcbcn Volhsbewufstldn. Erziehung zum Volksbewutztsein ist. Erziehung zur Selbstachtung. Schon vom Selbstbewutztsein des einzelnen reden wir nicht nur in dem Sinne, datz er von sich weih, sondern in dem betonteren Sinne, datz er von sich selbst etwas hält und für seine Eigenart Anerkennung fordert. Von einem Volk wird in erhöhtem Matze gelten, datz es sich selber achten und nir seine Individualität Lebenstaum beanspruchen mutz. Das Bewutztsein, einem Volk von hoher eigenartiger Kultur anugehören, ist ein wesentliches Stück des Selbst» das jeder Volksgenosse in sich trägt: es gibt ihm einen erhöhten Gehalt. Datz ein Volk in seinen Gliedern sich selbst bejaht, an den Wert seiner Eeistesart glaubt und für!seine Rechte eintritt, ist ein selbstverständlicher Satz jener höheren Moral, in deres sich um die Beziehungen zwischen groben Kollektivsubjekten handelt. So scheint es, als ob Erziehung zum Volksbewutztsein eine überflüssige Sache wäre. Denn wie das, was ein Volk zum Volke macht, großenteils schon in den naturhaften Schichten des Lebens vorgobildet ist, mützte das Bekenntnis zum eigenen Volkstum von Statur jedem gesunden Giiede innewohnen. Der nationale Geistiwird von der Jugend gleichsam täglich aus der gesamten Lebenslust eingeatmet. In der Tat: nur in Deutschland konnte das Thema ein Problem werden. Niemals würde Man in England oder Nordamerika, in Frankreich oder Italien darüber streiten, ob in einem volksbejahenden Sinne erzogen werden dürfe, und w i e man dazu erziehen könne. Die Sache macht sich dort von selbst. Bei uns aber ist auch die nationale Erziehung mit mannigfacher Problematik belastet. Natürlich ist auch der Deutsche in den Zusammenhang deutscher Art und Sitte, in den geistigen Lebensverband feines Volkes schon hineingeboren. Aber das Eigentümliche tft datz er sehr oft nicht w e i tz, wie deutsch er ist. Und gerade der, der sich am internationalsten gebärdet, ahnt nicht, datz sich darin nur ein charakteristischer Zug seiner Deutschheit auswirkt, zu dem die Angehörigen anderer Völker so nie fähig wären. Nicht also zum Deutschsein müssen wir erziehen, sondern zum Bewutztsein dieser unentrinnbaren Deutschheit aller deutsch Geborenen. Der Ton liegt nicht auf dem Worte Volk, sondern auf dem Wort Bewutztsein. Wie erheben wir das unbewutzte Deutschtum, das in jedem Deutschest schlummert, züm Wissen von sich selbst, zur Selbsterfassung im Sinn von Stolz und Liebe: vor allem: wie können wir schon in der Jugend diese Kraft entbinden? Hue einem Tor trag von Univ.-prof. Dr. Cd. Sprangcr. Das Volksbewutztsein hat zunächst seine geheimnisvolle Grundlage schon in jenem geistigen Medium, das uns am ursprünglichsten aneinander bindet: in der gemeinsamen Sprache. Und zwar ist sie nicht nur ein feingeschliffenes Instrument, sondern ein lebendiges Organ des Volkskörpers. Sie dient nicht nur dem äutzeren Verkehr, sie ist nicht nur der Niederschlag der logischen Gesetzlichkeit in unserem Denken, sondern die zartesten Gemütsbeziehungen, die geheimsten Züge des Volkscharakters sind in sie mit eingeschmolzen. Wer deutsch spricht» ist damit von deutschem Geist und deutscher Seele umweht. Das Teilhaben an dieser Sprache allein bildet uns zu Deutschen. Und Fichte hat ryht gehabt, wenn er in seinen „Reden an die deutsche Nation" den Besitz einer eigenen, ursprünglichen Sprache als die tiefste Wurzel der Deutschheit bezeichnete, zugleich aber die Warnung hinzufügte, datz mit dem Verlust der politischen Selbständigkeit auch dieses Eigenste bedroht sei. Sodann knüpft sich das Volksbewutztsein an eine gemeinsame Heimat, d. h. an ein Stück Boden, in dem man wurzelt. Schon für den Charakter des einzelnen ist es, wichtig und wünschenswert, datz er an einer Scholle hafte. Für eist Volk ist dieser Erdgeruch, dies Bodenständigsein' durchaus unentbehrlich. Selbst Kolonisten, die seit Jahrhunderten ausgewandert und mit einem neuen Boden verwachsen sind, brauchen dies Bewutztsein: es gibt ein Mutterland. das uns in geistigem Sinne mitgehört, und dort sind wir „zu Hause". Das dritte Band, aud dem das Volksbewutztsein Kraft schöpft, ist die geisteinsame Vergangenheit. Und zur Vergangenheit gesellt sich weiter die gemeinsame Gegenwart. Ein Volk! ist verbunden durch seinen gemeinschaftlichen aktuellen Kultstrbesitz: was man ist und was man hat. Leid und Glück, Reichtum und Not, das alles schmiedet uns zusammen. Ein stalrkes Solidaritätsbewutztsein sollte daraus folgen, und in der Tiefe, ungewutzt, selbst ungewollt, ist das auch immer da. Man mutz es nur zu wecken wissen. ' Ist das nun alles? ' j : Offenbar nicht. Das Wichtigste ist noch nicht ausgesprochen. Denn wie wir alle mit unseren stärksten Kräften nicht im Vergangenen, nicht in der Gegenwart, sondern in der Zukunft leben, so auch im Volk. Deshalb gehört zu einem gesunden Volksbewutztsein vor altem, datz ein Volk

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