Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 10 (Oktober 1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 11 Ve rbandsnacbricbtcn. 1. Berlin. Am 1. Oktober d. 3«. fand der erste Vortragsabend des Winterhalbjahre» statt. Unser Vorstandsmitglied Dr. Manfred Blochert sprach über „Die Lehren des Zionistenkongresser .für unsere Jugend". An der Hand eines mit grober Sorgfalt gesammelten und ausgewerteten Materials das durchweg aus zionistischen Quellen stammt, legte der Redner dar. daß der Kongreß den vöNigen Zusammenbruch der „nationalen Heimstätte" darstellt und dab der von uns längst vorausgesagte Augenblick, in dem England die Maske fallen läht. Nunmehr gekommen ist. Di« Ernennung des christlichen Feldmarschalls Lord Plumez an Stelle des sogenannten Zionisten Sir Herbert Samuel, das erste Auftreten de» neuen Herrn in Palästina (ostentativer Kirchen besuch, geflissentlich kühle Haltung gelegentlich der offuiellen Empfänge, Drohung an die Journalisten. sie bei Verbreitung ungünstiger Nachrichten nach Samoa deportieren zu lassen) und andere Anzeichen beweisen, dab Palästina in Zukunft auch nach auben hin als das behandelt werben wird, was es in der Tat schon seit der Uebertragung des „Mandats" an England war, eine englische Kronkolonie■ mit betont militärischem Charakter, in der jüdische Arbeit nicht ungern gesehen wird, in der aber die Juden niemals auch nur das zahlenmäßig überwiegende, viel weniger das in nationaler Hinsicht maßgebende Element sein werden. Die „Lehren für unsere Jugend" zog der Redner aus dieser Erkenntnis, indem er darauf hinwies, mit wie verwerflichen Mitteln seitens der zionistischen Jugendorganisationen Kinder deutschfühlender Ellern zum Anschlüsse an diese Vereinigungey veranlabt werden. Der Vortrag gipfelte in der Forderung, unsere Jugend über die wahren Verhältnisse in Palästina und innerhalb des Zionismus überhaupt aufzuklären, damit nicht weiterhin junge Menschen durch Voraaukelung trügerischer Zukunftsbilder vom Wege ihres natürlichen Empfindens weggelockt werden können. In der sehr lebhaften Aussprache versuchte ein als Gast erschienener Z i o n i st die Schluhfolgerungen des Hauptredners zu widerlegen, indem er besonders betonte, dab die zionistische Jugend sich nicht so sehr durch praktische Aussichten, als durch Idealismus der „jüdischen Nation" verbunden fühle. Den Ausführungen dieses Redners, deren sachliche Form ausdrücklich anerkannt werden. muß, trat eine Reihe von Verbandsmitgliedern und in besonders bemerkenswerten Darlegungen auch ein nichtjüdischer Gast entgegen. Alle diese Redner arbeiteten mit vielfachen Abwandlungen den Gedanken heraus: Wer aus wirklichem Idealismus und echtem Empfinden Zionist ist, soll es bleiben und nur sich des Hereinredens in deutsche Angelegenheiten enthalten. Die Erkenntnis der Tatsache, daß es Menschen gibt, die wirllich jüdischnational empfinden, entbindet uns deutschfühlende Juden aber nicht von der Pflicht, energische Maßregeln dagegen zu ergreifen, daß zum Anschluß an zionistische Organisationen auch solche Jugendliche verleitet weiden. die von Hause aus durchaus deutsch empfinden und sich den Zionismus nur von geschickten Werbern aufschwatzen lassen. Um solche junge Menschen, die früher oder später ihren Irrtum erkennen müssen, vor Enttäuschung und innerer Zerrissenheit zu bewahren, sind wir genötigt, auch über die praktische Seite des Zionismus aufllären und den Versuchen, durch Vorspiegelung falscher Tatsachen Rekruten der zionistischen Organisation zu werben, mit gröbter Entschiedenheit entgegenzuarbeiten. — — Der nSchste Vortragsabend findet am 4. November d. Js., abends 8 Uhr, im Ebenholzsaal des „Rh ein g old", Potsdamer Str. 3. statt. Herr Reichswirtschaftsgerichtsrat l>r. Joerqes, dessen Aufsätze unter „Stimmen vom anderen Ufer" viel bemerkt worden sind, spricht über „Die Zukunft des Judentums". Gäste sind willkommen, sofern sie durch Mitglieder persönlich eingeführt werden oder besondere Einladungskarten erhalten. Zu Anfang Dezember spricht unser Verbandsmitglied Herr Universitätsprofessor vr. Mar Herrmann über das Thema „Der deutsche Gelehrte'. Zu den Veranstaltungen im November und Dezember ergehen besondere Einladungen. 2. Breslau. Der frühere Vorsitzende der Ortsgruppe. Herr Handelsgerichtsrat Franz Beerel, hat infolge schwerer Krankheit aus dem Vorstand der Ortsgruppe ausscheiden müssen. Die Geschäfte des Vorsitzenden der Orts- .gruppe nimmt vorläufig Herr vr. Perls wahr. Eine Neu- Uonstituierung des Ortegruppenvorstandes wird demnächst Itottfinben. Serrn Beerel, der jahrelang das Amt des Vorsitzenden rtsgruppe bekleidet und seine Tätigkeit mit gröbter Hingevjng an die Sache ausgeübt hat. gebührt der Dank aller. deiHl unsere Bestrebungen am Herzen liegen. Seitens des OrtHtzwlppenvorstandes ist. wie wir hören, eine besondere EhruV^eplant. Sein Amt als Mitglied unseres Hauptoor- Herr Beerel, dem wir recht baldige Herstellun^»n«r Gesundheit wünschen, bei. 3. Wie«. Unser Schwesterverband Wien hat den Verlust zweier werhooller Mitglieder zu beklagen. Im 63. Lebensjahre ftarv Herr Bankier Dominik Wolf, der Oheim unser«! Diener Vorstandsmitglied» Walter Eckstein. Herr Wolf war einer der ersten, der sich in Wien dem Verband nationaldeutscher Juden anschloß. Er hat bis in seine letzten Lebenslage hinein unserer Sache regst« Interesse entaegengel »rächt und für sie so tatkräftig gearbeitet, wie « seine schon sei: längerer Zeit schwer erschütterte Gesundheit gestattete. — 4>»ch ein Jüngerer wurde unseren Wiener Freunden durch den Tod entrissen. Nach schwerem Leiden starb im blühenden Alter von 24 Jahren Herr stucl. jur. Paul KleBinder, der Sohn d« in Wien allgemein verehrten Besitzers und Chefredakteurs der „Wiener Sonn- und Montagszeituy g". Reaierungsrat« Ernst Klebinder. Auch er war ein tapferer Mitkämpfer und ein lieber Freund derer, dse ist Wien unsere gute Sache vertreten. Ehre dem Andenken der beiden Dahingeschieden e n. i Im übrigen sind die Fortschritte, die unsere Sache in Wien macht, sehr erfreulich. Als bester Beweis dafür, wie notwendig gerade dort ein Zusammenschluß der deutschfühlenden Juden ist, kann da»! lebhafte Interesse gelten, das vonXseiten unserer natürlichen Gegner auf beiden Flügeln, den Jüdischnationalen und den Hakehkreuzlern. unserem Schwesteroerband entgegengebracht wiid. Beide Richtungen wetteifern in Verleumdungen und Beschimpfungen, die im Ton« keinerlei Unterschiede aufweisen und wieder einmal zeigen, wie nah« sich auch bezüglich ihrer Auffassung der zulässigen Kampfmethoden die JüviAvölkischen j Und die sogenannten Deutschvölkischen stehen. Sehr bezeichnend ist ein Bubenstreich, den man in den letzten Tagen unserem Wiener Verband gespielt hat. Am 14. Oktober sollte eine VersaiNmluna! stattfinden. Als Redner waren die > Mitglieder unser« Vorstand« Fred Hornik-Harden (Thema: „Nationaldeutsch — nicht deutsch national! Das Programm der deutschfühlenden Juden Oesterreich s") und Robert Pei per! (Thema: „Die Wahrheit über Palästina") angekündigt. Als die Versammlungsbesucher erschienen, fanden sie,den Saal versperrt. Es ergab sich, daß ein angeblicher Beauftragte« unseres Ver? bandes den Sa>al telephonisch abbestellt hatte. Auch an die Zeitungen, welche die Entsendung von Bet hatten, waren g «fälschte Miten, nach denen die Versammlung „wegen ptiefererrten" abgesaqit sein sollte. Unser t nunmehr ein» neue Versammlung auf fen, die unter den erforderlichen Schutz- , _ wird. Es bl eilt abzuwarten, mit welchen neuen Beweisen vornehmer Gesinnung unsere Gegner bei dieser Gelegenheit aufwarten werden. Die anonymen Ankündigungen, in denen sie mit dem Werfen von Stinkbomben und dem Durchprügeln unserer Mitglieder drohen. 1 werden jedenfalls richterstattern zuges t e i l u n g e n ergan» Verhinderung d« H Wiener Veroimd f den 23. Oktober ein matzregeln stattfind nicht ausreichen, druck zu machen. au 4. Freiburfl i. die Veranstalter der Versammlung -Ein- 1 „. .p .. B. Unser langjährig« Mitglied, Herr Direktor Dantel L asker (Rebhaus). ist jetzt seinem Bruder, unserem unvergeblichen Vorstandsmitglied Dr. Albert Lasker, nach langem, schwerem Leiden in den Tod gefolgt. Herr Daniel Lasker war heben seinem Bruder einer der ersten, die sich unserer Bewegung anschlossen. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 5. Rednerkursus» Der erste Kurfusaben nerstag, den 22. Oktober, abend zu Berlin-Schönebem, Heilbronner! schmidt (Untergrundbahn Biktoria-Luise-PIl Platz) statt. Thenta:'..Die jüdische nächste Kursusabend wird um Mille findet am D o n - 8 Uhr pünktlich t r. 6. bei Goldl oder Bayerischer Schule." Der November stattfinden. Meldungen werden an I t e Geschäftsstelle erbeten. Zugelassen sind mir Mitglieder oder Kinder von Mitgliedern. 8. Mitteilungsblatt. Infolge ein« Versehens sind innerhalb einer Ottsgruppe die September-Nummern des Mitteilungsblatt« den Mitgliedern mit großer Verspätung zugestellt worden. Erfahruygsgemäb wird bfi jeder Zustellung des Mitteilungsblatt« auch infolge Postversehens einer Anzahl von Mitgliedern das Blatt nicht rechtzeitig ausgehändigt. Wir bitten unsere Mitglieder dringend, iy jedem derartigen Falle unverzüglich der Geschäftsstelle Mitteilung zu machen, damit das Blatt ngchgeliefert werden kann. Die Versendung d« Mitteilungsblatt« erfolgt regelmäßig etwa um den 20. des Monats. Ist einige Tage nach diesem Zeitpunkte die Zustellung nicht erfolgt, so ist Anfrage Der Vorstand. bei der Geschäftsstelle geboten. „Berlin ohne Juden." Die in der vorigen Nummer angekündigte Besprechung d« „Romans" von Artur Landsbeiger kann erst in der November-Nunsmer zusammen mit anderen Buchbesprechungen erscheinen.