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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1921-12-01 · 3 (Dezember 1921) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1921
Issue
3 (Dezember 1921)
Date
1921-12-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Berständigungsarbeit. Zwei Artikel aus dem Militär-Wochenblatt. Nr. iz (24. 9. Ll) Berlenmbung der ckLtive« Offiziere und Sanitätsoffiziere der alte« Arme«. Schon die ernste fachwiffenfchaftliche Richtung de», „Militär-Wochenblattes" hält es antisemitischer Betätigung fern, doch kann es sich der Pflicht nicht entziehen, Verleumdungen gegen das alte Osfizierkorps und Sanitätsofstzierkorps zurückzuweisen' auch wenn sie von jüdischer Seite kommen. In der »Hamburger Warte", Freie Deutsche Wochen-, schrish. Nr. Z4, 4. Ausgabe im August, befindet sich folgender Auszug aus dem »Hamburger Familienblatt für die israelitischen Gemeinden Hamburg, Altona, Wandsbeck und Harburg". Ein Or. Felix A. Thetlhaber schreibt dort: „Ich selbst Hab« an der Front niemals so schamlose Fälle von Feigheit beobachtet wie bei aktive» Offizieren. Die geringste Verletzung, barmloseftes Unwohlsein, Arger im Dienst, unbequeme Vorgesetzte waren willkommene Anlässe, sich aus der Front herauszustehlen (!), um dann Jahr und Tag gesund und wohlgemut im Ersatzbataillon den weiteren Krieg im dortigen Kasino (!) zu überstehen! Insbesondere das aktive SanitätSoffizierkorpS hat es meisterhaft verstände», den jüdischen Arzt in-ten Schützengraben zu stecken und im Divisionsstabsquartier oder in der Etappe fick mit den Orden die Heldenbrust schmähen zu lassen." - - Hier;» sei zunächst bemerkt: Die „ordengeschmückten Offiziere der Etappe" waren meist solche, die an der Front zu Krüppeln geschossen, dort dekoriert und nicht mehr frontverwendungsfähig oder schwer krank waren. " Or. Theilhaber hat aüch möglicherweise Fälle von Drückebergerei beobachtet. Sie aber zu verallgemeinern und! dadurch die geschichtliche Wahrheit zu fälschen, verrät eine Gesinnung,' die sich selb,» richtet. Wir find überzeugt, daß diese Angriffe die ernste Mißbilligung aller verständigen Juden finden iverden, besonders derer, die mit uns draußen gekämpft haben. Der Versuch, die Tapferkeit konfessionell zu bewerten, , erscheint uns mehr als gewagt. Das aktive Ofstzierkorps und Sanitätsofstzierkorps haben ungeheure Blutopfer auf dem Altar des Vaterlandes dargebracht. Sie brauchen keinen Vergleich zu scheuen und werden von solchen Verleumdungen nicht berührt. Wir empfehlen Herrn Or. Theilhaber eingehendes Studium des Werkes „Die Juden im Heer", das, nach amtlichen Quellen zusammengestellt, nicht zu seinen für die Juden schmeichelhaften Ergebnissen gelangt. Solch« unbegründeten Beleidigungen find nur dazu geeignet, Gegenwirkung ausznlosen. Über „Antisemitismus", der solch« An- «ürf« abwehrt, braucht sich niemand zu wundern. Er fällt auf den Verleumder selbst zurück. Germamcu», 1l Nr. t6 (stj. ro. 2>.) Eingesandt z» „Verleumdung de» akti»«» Offizier« und Sanitätsoffiziere der alte» Arme«*. In Nr. lg vom 24. 9. 21 des „Militär-Wochenblattes" wird unter oben genannter Überschrift von Ihrem Mitarbeiter „Germanicus" der Aufsatz eiaes Herrn Or. Theilhaber aus dem Hambarger Israelirischen Familienblatt erörtert. In Ihrem Aufsatz findet/ich der Satz: »Wir find überzeugt, daß diese Angriffe die ernste Mißbilligung aller verständigen Juden finden werden." Der unterzeichnet« Verband legt Wert darauf, Ihnen zu bestätigen, daß diese Ihre Annahme bezüglich derjenigen deutschen Juden, die in dem Verband nationaldeutscher Juden e. V. züsammengeschloffen find, durchaus zutrifft. Wir mißbilligen auf das schärfste derartige Ausfälle, wie sie in dem Aufsatz des Herrn Os. Theilhaber enthalten find, und können Ihnen nur recht geben, ivenn Sie die Ansicht aussprechen, daß! durch eine derartige Verallgemeinerung die geschichtliche Wahrheit gefälscht wird. Wir aationaldeutschen Juden, die wir mir dem deutschen Volkstum kulturell unb^rw^-v^. fühlsmaßig unauflöslich verwachsen sind und weder eine Sonderstellung innerhalb dieses Volkstums beanspruchen, noch uns in eine solche hiueindrättgen lassen wollen, wissen genau, daß das aktive Offizier- und Sanitätsoffizierkorps im Kriege durchaus seine Pflicht getan hat, und find weit entfernt davon, Einzelfälle von Pflichtvergeffenheit der Gesamtheit zur Last zu legen. Herr Or. Theilhaber begeht, indem er Einzelerscheinungen,' die ihm vielleicht zufällig bekannt geworden sind, verallgemeinert/ denselben Fehler, der häufig auch den deutschen Juden gegenüber begangen wird und der deshalb gerade von, wie Sie sich mit Recht ausdrücken, »verständigen" deutschen . Juden vermieden wer bin sollte. Es ist in jedem Falle ein Fehler, die Sündfn Einzelner einer ganze« Devölkerungsschicht zur Last zu legen. Das Zahlenmaterial von Otto Armin, „D>ie Juden im Heere", ist sehr angreifbar, wie von Ok Jacob Segall: »Die deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914—18" »rachgewiesen wird. Ehrliebende jüdische Deutsche, die, wie ihre nichtjüdischen Volksgenossen, im Felde voll ihre Schuldigkeit getan haben, werden hierdurch leicht in Versuchung geführt, auch ihrerseits über das Ziel hinauSzuschteßen. Trotzdem bleibt jedoch ein derartig grober Mißgriff, wie ihn Herr Or. Thetlhaber begangen hat, in höchstem Maße bedauerlich. Der von verständigen Juden und Nichtjnden gleichermaßen gehegte Wunsch, alle aufbauenden Kräfte heS deutschen Volkstums zu gemeinsamer Arbeit zusammenzufaffen, muß durch derartige Entgleisungen auf dqs schwerste gefährdet «erden. Mit vorzüglicher Hochachtung Verband nationaldeutscher Juden «. V. Or. Naumann, Haupanann d. Land«, a D, >j SanitäisratOr. Rick. Friedländer, Stabsarztd Res.a-D-

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