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Der Orden Bne Briss · 1933-10-01 · Nr. 9 - Oktober (10.1933) · p. Seite 114

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1933
Issue
Nr. 9 - Oktober (10.1933)
Date
1933-10-01
Page
Seite 114 (sequence 22)
Language
German
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wünschenswert *äre sie zu erhöhen, nicht wesentlich steigen, wenn nicht die Regierung der Vereinigten Staaten durch Abschaffung der Hoover-Klausel oder durch entgegenkommendere Anwendung in der Praxis die Einwanderung erleichtert und erweitert. Dem Beispiel der Vereinigten Staaten waren auch andere amerikanische Länder gefolgt, nach denen sich auch 1882-ebenfalls ein großer Strom jüdischer Auswanderung ergossen hatte. Im ganzen waren im \ erlauf von 50 Jahren -— 1882 bis 1932 — über drei MiW^* lionen Juden nacji Amerika ausgewandert, von denen . 90% aus Osteuropa stammten, 5—6% aus Deutschland und Österreich (ohne Galiziern und 4—5% aus Ländern außerhalb Europas. Die Bedeutung dieser Zahlen wird am deutlichsten veranschaulicht 'durch den \er-‘ gleich mit den Zahlen der vorangegangenen fünfzig Jahre. In den Jahren 18.30—1880 hatte nämlich die Auswanderung nach Amerika nur 200 000 betragen, wct von 75% aus Deutschland und Österreich-Ungarn (ohne Galizien)-, 20% aus Osteuropa .und 5% aus Ländern außerhalb Europas gekommen waren. Zurzeit hat Amerika eine jüdische Bciülkerung von rund 4 620 000, wovon 4 228 000 in den Vereinigten Staaten, ca. 200 000 in jA^tcntinien und 127 000 in Kanada, 30 000 in Brasilien. 16000 in Mexiko und 8000 in Kuba leben. In den übrigen amerikanischen Ländern sind die Juden mit 1—2000 hzw. mit mehreren-hundert Personen vertreten. Die märchenhafte Schnelligkeit des Anwachsens de4 jiidisclien; Zentrums in Amerika sei an' drei Zahlen veranschaulicht; im Jahre 1&80: 200 000 Juden, 1914:13 000"000 und 1930: 4 620 000. „Es ist gar nicht auszudenken.' wie sich diese Entwicklung vollzogen hätte, hätte nicht der Krieg mit seinen .entsetzlichen, heute ■ noch so stark verspürbaren Auswirkungen eine einschneidende Zaesur bewirkt. Amerika hätte heute sechs, sieben, vielleicht noch mehr Millionen-Juden. Die Hälfte der Juden wäre dört konzentriert. In dem so rasch entstandenen jüdischen Zentrum piflsierte ein mächtiges Leben. Auf den Pampas \on Argentinien,'in den Urwäldern Brasiliens, auf den wei-* ten Flächen von Kanada und der Vereinigten Staaten entstanden ländliche Siedlungen. In den, Großstädten wuchs über Aaclit ein großer Arbeiterstand hervor, der Hunderttausende umfaßt, Auf allen Gebieten der^Wirtschaft, im Bankwesen, der Industrie, im Versicherungswesen, im Handel ibetätigten sich die neueingewandeiten •Elemente Schultet an Schulter mit den bereits eingesessenen Juden. Die unzähligen kleinen Gemeinden, Synagogenvereine und Landsmannschaften setuossen sich zu einheitlichen Verbänden zusammen. Wohlfahrtsinstitutionen, soziale Einrichtungen, kulturelle Unternehmen, Schulen, Klubs usw. wurden geschaffeki und entwickelten sich rasch zu hoher Blüte. Neben) giner weitverbreiteten Presse in der jiddischen Umgangssprache, wurden englisch-jüdische Organe gegründet, tlie jüdische Wissenschaft fand liebevolle Pflege. Ein markantes Denkmal des kulturellen Schaffensdranges vcijbleibt für immer die 12 bändige „Encyclopaedia Jud|ai(ja“. Es ist nicht verwunderlich, daß __ auf dein Boden jüdischer Massenansiedlung und des aufkein?endeu jüdischen Gemeinschaftsbewußtseins der Orden Bne Briss — es ist gerade 90 Jahre her — mit seinen mensjdijieitlichen Zielen erwuchs. , | Es ist noch zu früh, um über den sozialen und kulturellen Aufbau in dem neuen Zentrum ein abscliließendes Wort zu sagen; aber auUeüies muß liier hingewiesen werden: auf die enge Verbundenheit der neuen amerikanischen Bürger mit ihren in Europa surückgebliebenen Stammesbrüdern. Jede neue Kunde van einem Schicksalsschlag, der das Judentum in Euroaa getroffen hat, löste bei den amcrikanisclien'Brüdem (las wärmste Mitempfinden aus. So war es nach KischinCw im Jahre '1903f nach den Pogromen im Jahre 1905, nac^i den ukrainischen Metzeleien im Jahre 1918 usw. Das \merikanisch-Jüdischc Komitee (1906 gegründet) war i:iner der wirkungsvollsten Sachwalter für die in, Osteuropa verfolgten! Juden geworden. Ihm ist es im wesentlichen zu verdanken, daß die Vereinigten Staaten imj Jajirerl?12 den Handelsvertrag mit Rußland lösten ■—i aug Protest gegen j die Diskriminierung von Amerikanern! wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum. | | , Als der Weltkrieg ungeheures Elend über die Juden des Ostens gebracht hatte, entwickelte das amerikanische Judentum großzügige charitative Tätigkeit djuren das besonder ins Leben gerufene „American Joint Distribution Comnfittee“. Groß waren auch die Leistungen (les amerikanischen Judentums für den Aufbau Palästinas. DSfe wirtschaftliche Krise, die zurzeit auf dein amerikanischen Juden schwer lastet, lähmt naturgemäß ihre Aktionskraft. Hoffentlich bessert sich die wirtschaftliche Lage bald derart, daß das gesamte Judentum sich der tätigen Mitarbeit des amerikanischen Judentums erfreut, deren es so dringend bedarf zur Lösung großer, schwerer Aufgaben. Das Bild .Jeremias'* ist der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde, die übrigen Bilder sind'dem Jüdisi hen Lexikon (Herlitx-lliischner) 1 entnommen. Für die Überlassung der Bilder sprechen wir der Jüdischen Gemeinde und dem Jüdischen Verlag besten flank aus. I< 114

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