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Der Orden Bne Briss · 1932-12-01 · Nr. 10 - Dezember (12.1932) · p. Seite 154

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1932
Issue
Nr. 10 - Dezember (12.1932)
Date
1932-12-01
Page
Seite 154 (sequence 18)
Language
German
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..Mussolini", Lebensgeschichte von Margherita G■ l'nrjatti. — Verlag Paul List. Leipzig. Preis geb. 9 RN. Zahlreiche Abbildungen. Eine Biographie des Staatsmannes Mussolini dar , wenn ihr schriftstellerischer Wert anerkannt werden kai n, den Anspruch nicht nur auf Aktualität erheben, sondein wird darüber hinaus Geschichtsdokument sein. Denn sehen jetzt darf gesagt werden, daß Mussolinis Leben der Geschichte angehört, wenn immer wir eine geschichtliche- Per: öulichkeit diejenige nennen, deren wirkendes Wollen zi r Umwandlung, mindestens eines Volkes, beigetragen hat Was die vorliegende Biographie so interessant macht, -ist, daß die Biographie Margherita G. Sarfatti von seinen Uranfängen an den Faschismus mitgemacht hat ii i allernächster Nähe seines Begründers. Zum andern hat in dem V orwort dieser Biographie Mussolini seihst bekan lt: „In diesem Buche ist mein Leben...“ „Dieses Buch gefüllt mir,, denn eS stellt mich, ungeachtet der Freundschaft ind der Aibeits- und Ideengemeinschaft, io die nichtige Beziehung zur Zeit, zum Raum und zu den Ereignissen.“ Das Buch ist in dem flüssigrn Stil einer gewandten Journalistin geschrieben, die — ein Vorzug — un rerkennhar mit ihrem ganzen Herzen zu ihrem Stoff steht. Aus der Fülle" des ihr zu Gebote stehenden Stoffes und der begeisterten Hingabe an ihre Schilderung wird esc -klärbar, daß die Reihenfolge der Ereignisse und .Begehenheil en nicht innegehalten wird, weil nicht sie erzählt werden sollen, sondern sie im Ganzen mehr als der Komm'entai zu der zweifellos genialen Persönlichkeit. Mussolinis g< nommen werde." So entsteht eine gewisse Sprunghaftigkeit, die auch dem nicht pedantisch sich an Reihenfolge klammernden Leser den1 klaren überblick durchaus erschweren. Die Verfasserin ‘merkt wohl selbst ihre vielfach* ahsch weifende Erzählerart. wenn sie erklärend darauf hinweist, daß nicht die chronologische Aneinanderreihung der Ereigi isse hei der Schilderung „der menschlichen Einheit“ eines Mannes wie Mussolini ihr als wichtig erscheint, sondern die Darstellung, „die hei jedem Pinselstrich auch die innere Richtung und das W achstum des Gewebes des dar{ estellten Stoffes erkennen läßt.“ Aber abgesehen von solcher Darstellungsart < mpfängt der Leser doch hier den rechten Blick für den Man 1 Mussolini. fiir seine Bedeutung für Italien , und darübe ■ hinaus fiir die Wertung des Faschismus als’ politisches In: trument der Welt. Noch nie ist mir die Geistlosigkeit d«r Nachahmung des italienischen Faschismus, wie sie äugen dicklich in Deutschland geschieht, so zum Bewußtsein gekommen, als hei diesem Buch. Mussolini hat aus der Seele des Italieners heraus den Fasci geschaffen; eine Nacl ahmung in JJaltung- und Gebärde plus tönender Phrasen ist nichts als ein plumpes Abziehbild, das überdies noch srhädlirh i>t. weil es das Wesentliche des deutschen Mens'chi n übertiincht. Mussolini hat aus einem in sich zerklüfteten, arheitsr müden, uninteressierten, blutarmen’ Italien einen Arbeits¬ und Rechtsstaat gemacht, der allen Bürgern, die gewillt sind, an Italiens Größe mitzuarheiten. Raum. Recht, und Freiheit ja. auch Freiheit) gewährt. Seine' Kraft beruht auf der l.iehe zu Italien, sein Ehrgeiz ist Ordnung und Frieden, seine Genialität liegt in dem vor nichts zurückschreckenden ‘Suchen nach der Wahrheit ui d dem Recht. — Solches Wissen vermittelt der Blick aul seinen Aufstieg vom Maurer zum Diktator, den das vor iegende Buch eröffnet. Dr. Devin Schönberger. Ai chen. Abraham Galante, PrJf essog. an der Universität in Konstantinopel: „Turcs et Juifs“ — Historische politische Studie. Verlag Haim, Rozio & Co., Stambul, 1932. 160 Seiten. — „Documents officiels Turcs concernant les Juifs de Turquie“. Verlag Halm,- Rozio & Co., Stambul, 1932. 254 Seiten. — The Jewish Association for the Protection of Girls and Women, Bericht über das Jahr 1931, London, 1932, 109 Seiten. M. Alberton: ..Birobidschan“ die Judenrepublik. — Roman. Verlag: E. Prager, Leipzig-Wien. Auf dem Umschlag des Buches sieht man eine Landkarte des Riesenreiches Rußland, und fern im Osten leuchtet wie ein Stern, ein weißer Fleck auf, in dem jüdisch „Birobidschan“ als Ort erscheint. So geht es dem Juden, dem vielgemarterten, im jüdischen Städtchen der Sowjet-Union. Wie ein Stern leuchtet die Hoffnung auf, aus dem vervielfachten Nichts, aus der gehäuften Null der Existenz herauszukommen . . „ und in dem geheimnisvollen Reiche, in der neuen Judenrepublik, ein neues, größeres, friedliches Leben zü beginnen. Die Träume werden genährt durch Agitation, Ämter und Organisationen, voller Überredungskünste. Übermächtig wirkt die eigene Wunsch-Phantasie, das Sehnen nach Leben, daß ihnen dieses neue Land als1 biblisches Paradies erscheint. Und der mit allen Fesseln an das Städtchen und seine Familie Geklammerte reißt ^sicb .los. Er wandert aus. das Märchenland in Besitz zu nehmen... wie weiland Kanaan! ’ „Wie wird es sein?“ „Wird es sein?“ „Es wird sein!“ . . . das umfängt alle die seltsamen, abenteuerlichen Gestalten, die in dem Sammelzuge der trostlosen Eisenbahn sich zusammenfinden. Sie sind gedrängt, sie sind körperlich geplagt, sie stoßen aneinander bei Tage und in der Nacht. Sie werden erbarmungslos zusammengerüttelt und ... „Es wird sein! Es wird sein!“ das ist ihre Labung und vielleicht inbrünstiges Gebet. Aus der zusammengekeilten Masse scheiden sich die Individuen, die Temperamente. Sie alle kämpfen mfit dem traumhaften Begriffe: Birobidschan. So erleben sie schon auf der unerträglichen Reise ihre betonten Tragödien. Die sind jetzt erst individuell! Aber noch immer leuchte) ihnen ein Stern auf: „Birobidschan . . .“ „Es wird sein!“ . . . ... Sie kommen in ein leeres Land. Sie sollen sich nun einfügen. Sind ratlos. Niemand hat ein Parad^esl vorbereitet. In dem tückischen Lande sollen sie erst die kümmerlichste Notwendigkeit schaffen. Sie sind wie kleine Kinder hinausgestoßen in eine dunkle- Wildnis. Erst sehr langsam' entwickelt sich aus der Not Überlegung, Ruhe, Willen und Kraft, vielfach differenziert. Langsam gehen sie in den Kampf um ein Stück Boden. Rastlose Energie, Verzweiflung, wahnsinniger Wille zum Sieg, Schwäche ... tauchen auf, schlagen jeden anders in seinen Bann. Der Traum zerrinnt „bis die Not Führer gebiert“. „Es wird sein!“ — aber anders als manche es sich gedacht! Öer Stern leuchtet, aber von dunkeln Wolken verschattet. . und immer weiter, weiter entfernt . . .! Träumer dürfen nug'Hm Städtchen sein . . hier müssen neue Juden, neue Menschen geboren werden! Und ein schwaches Mädchen, ein liebliches, beweist es dann für alle ... Es gibt in der Literatur Abenteurerromane, voll ungeheurer Sensation, voller Kämpfe mit wilden Tieren und Menschen.'.. Sie sind fast matt gegen das tiefe, seelische Erleben dieses Buches. Juden, kleine Ghettojuden, sind die .Helden selbst gewählten Schicksals! Juden, die auf Abenteuer in ein niegedachtes Land ziehen! Das ist .der große Wahrheitsbericht und die Kunst Albertons. 154 I I

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