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Der Orden Bne Briss · 1932-04-01 · Nr. 3 - April (4.1932) · p. Seite 26

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1932
Issue
Nr. 3 - April (4.1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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!. Auch in .denjenigen Vereinigungen, die unter programnufiäßigeirf Ausschluß von Religion und I Politik dem Menschheitsgedanken gewidmet waren, Freiinaurerkreisen, Odd Fellowlogen, regte sich J udenfeiadschaft und machte Männern von Würde und Selbstachl ung das Leben unerträglich. Solche Männer waren J u 1 i u s Fenchel, Moritz Jabionski und David W o 1 f f, die bisher einer derartigen Yercinig'u ig angchörten. Sie waren noch immer überzeugt, daß jur eine Differenzierung zu rechtfertigen sei: solche durch Geist und Charakter. Sie traten aus, und ihre Ant'vort-auf ihre Zurücksetzung als Juden war der Plan der Gründung einer jüdischen Körperschaft. Dabei fiel ilir Blick — gewissermaßen von selbst — auf Amerika, wo es seit fast 40 Jahren Vereinigungen nach dem Wunsche ihrer Herzen gab. 25 000 Männer gehörten ihnen an — ^as den Juden als Erfüllung versagt wurde: uneingeschränkte Menschenrechte, das wollten die Gri oder als Forderung erweisen, durch Pflicht, Arbeit, Liehe erweisen, als Juden erweisen: durch Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht, durch Judentum* zur Menschheit. Die aufgenommenen Beziehungen zu Amerika ergaben keine ’ schnelle Lösung. Man hatte Mißtrauen gegen Personen und Verhältnisse.. Uiiter den nern. die sich zunächst unter nicht geringen Schwierigkeiten um den wackeren tatkräftigen 19 Man- Anfangs- Fenchel geschart hatten, waren -keine Propheten“, keine in der Wissenschaft oder Kaufmannswelt bekannten Männer. Die Verhältnisse in Deutschland aber — so fürchteic inan anfangs in Amerika — würden einem :’eiti jüdischen Gesellschaftskörper unüberwindliche Schwierigkeiten bieten. So zogen sich die Vorverhandlungen 11 o Jahr hin, nachdem inzwischen ein Delegierter aus Amerika. Herr Kutnow, im Laufe dieser Zeit nicht das r<-tfo-e \ ertraueu zur Neugriinduii" gewonnen und der mit Vollmacht nach li! monatiircu Korrespondenzen entsandte Herr Kllinger noch bis zum letzt» u Augenblick geschwankt hatte. Ellinger — von ängstlichem Verantwortungsgefühl erfüllt — fürchtete 1 eini Versagen des ersten Versuches in Deutschland einen Fehlschlag füralle Zeiten, eine- Unwiederbringliohkeit. ILi entschied Fenchels Entschlossenheit den Sieg. Er erklärte dem Delegierten, es gäbe nur eine Möglichkeit, von aller Verantwortung frei zu bleiben: den „Freibrief“ zur Logengründung uneröffnet zurückzutragen. Dann aber würde die neue Loge ohne Amerika entstehen. — Drei Tage darauf wurde die „Deutsche Reichsloge“ im Hotel de Saxe zu Berlin gegründet. Jablonski wurde Präsident, Fenchel Vizepräsiden , D. Wolff Mentor. Die erste deutsche Loge eröffnete die Balm des Ordensgebietes des späteren deutschen (Distriktes. Die konstituierende Sitzung.— am 20. März 1182 — verlief wohl unter der Nachwirkung der bisheiigen unbefriedigenden Verhandlungen, der infolge dei Unsicherheit kurzfristigen Vorbereitungen recht stii nmungslos. Nur das rein Offizielle kam zur Verlesung: Freibrief, .Ritual, Gesetze, Gebräuche. Der Delegat gl «übte wohl ohne Geleitwort nach Hause gehen zu können. Erst beim anschließenden Festmahl kam Stimmung hinein: Frohsinn und Freude über ein nach vielen Mühseligkeiten, nach Spott und Hohn und vielfachem Versagen erreichtes Ziel. Jubelnde .Reden wurden gehalten und begeistert aufgenommen. Die erste Zeit verging mit der Beratung der Gesetze. Schon dabei ergaben sich Schwierigkeiten und Unklarheiten. Der weite W eg zwischen Berlin und New York, dem damaligen Sitz der Ordensbehörde; brachte langsame Antworten bei Anfragen. Dann hatte man nicht ganz leichte Arbeit, genügenden Stoff von Interesse in die Sitzungen zu bringen. Es war auch unabweislich, zu werben, wollte man das geringe Häuflein der Brüder zu einiger Bedeutung heranwachsen lassen. Es mutet un6 heute eigentümlich an, wenn wir -hören, daß durch Inserate in der „Vossischen Zeitung“ „achtbare jüdische Herren“ zum Anschluß gesucht, «laß Rabhincrvereinigungen durch Aufrufe gebeten wurden, auf die Loge aufmerksam zu machen, daß gelegentlich die Antwort erteilt wurde, W’ohltätigkeitsveTeine gäbe es genug. Fenchel ließ es £ich nicht verdrießen, auch durch Aufsätze in jüdischen Zeitungen für seine Gründung zu werben. Da kamen Anfragen —■ auch von weit her: aus Ungarn, Asien, Kairo. Unter den ersten, die aus eignem Antrieb der Loge beitraten, war ein junger Anwalt, der durch den Klang seines Namens später einer der „Propheten“ werden sollte: Hermann Staub. Die Deutsche Reichs-Loge wird in der Geschichte des Ordens ihre dauernde Bedeutung als Pionierloge behalten. Die Wirkung, die von jeder , I^oge auf den ihr zugehörigen Kulturkreis jüdischer Menschen ausgeht, war in den ersten J ähren. nach der Gründung — 1882 --- die der Vorbildlichkeit, der geschaffenen Form, der Erleichterung des Zusammenschlusses, der Zuversicht. Die Möglichkeit des .Zusammenfindens auf jüdischer Grundlage im Deutschland der Stöckerzeit war sichtbar für alle erwiesen. Das war damals durchaus nicht so selbstverständlich. Die rasche Folge von anschließenden Logengründungen war ein deutlicher Ausdruck der Pionierwirkung unserer ersten Loge/ ^uch die jüdischen Studentenverbindungen — Yiadrinit und .K. C. die großen jüdischen Organisationen f-— Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen ■ Glaubens, die Zionistische Vereinigung — kamen erst später. Was heute ein Natürliches ist: die Organ isa* tion an sich, war damals ein Ungewöhnliches. Was heute eine kaum zu bewältigende Aufgabe ist: eine Einwirkung auf sozialem Gebiete — schwer und drückend schon allein in ihrer Beschränkung auf den Bruderkreis — konnte damals in einer Epoche des relativen Wohlstandes zu rück treten hinter der Aufgabe des Tages, der Zeit. Sie hieß: Zusammenschluß in Bruder- 26

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