Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, Oktober 1930 Nummer 10 (Eingetragener Beretn. eigener Hering ber (Brogloge. gurean: H062, $lei|l|tiage 12. (Helepljoii: &mt $ 5, $arbaro||a 4619. tJoflfdjcifthontfl: flerlin 16333 Bad{brudt famtltdict Brtihel aue btcfen BHttcUunncn bcrbotcn. Wirtschaftsprobleme in der Gegenwart unter dem Gesichtswinkel religiöser Weltanschauung,!; i Von Ltopold Mcrzbach. In der Wirtschaft herrschen nicht nur ökonomische Gesetze, in starkem Malle kommen auch psycho» logische Einflüsse zur. Geltung. Hinter den Ma» schinen, mit deren Hilfe wir produzieren, stehen vonTrieben und Leidenschaften beherrschte Menschen, j Sorgen und Hoffnungen wirken sich in derBeurteilung der Wirtschaftszukunft zu Pessimismus und Opti» mismus aus. Ein Beispiel für den starken Einfluß von Stimmungen auf die Preisbewegung: Während der zwei Stunden eines Börsenverkehrs schwanken ’ oft auch ohne Hinzutritt eines maßgebenden poli» tischen oder wirtschaftlichen Ereignisses die Preise um ein erhebliches. Die Erklärung dafür kann in vielen Fällen nur darin gefunden werden, daß das Urteil über die ökonomische Entwicklung eines Unternehmens oder der gesamten Wirtschaft unter dem Einfluß von Stimmungen schwankt: Ein psychologisches Moment. Wenn man dieses demnach bei der Wirtschafts» betrachtung nicht übersehen darf, ergibt sich aber auch der zwingende Schluß, daß die Weltanschauung der die Wirtschaft treibenden Menschen von maßgebendem Einfluß auf die Gestaltung der Oekonomie ist. Ueber vier Jahre lang war die Produktion fast der gesamten Kulturmenschheit auf die Kriegsführung, also auf Destruktion, eingestellt. Man hat nicht, wie es die Aufgabe der Oekonomie ist, produktive Werte geschaffen. Das mußte zu Ver». armung führen. Auf den Krieg tjiit den Waffen, folgte ein nunmehr über zehn Jährd dauernder Kampf mit Wirtschaftsmitteln. Die Länder schließen «ich gegeneinander ab. Selbst das auf eine jahfhundertlange Tradition cjes Freihanpelsj gestellte England ist nunmehr schutzzöllnerjsch j orientiert. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika betreiben eine scharf gegen die Einfuhr i aus anderen Industrieländern gerichtete Handelspolitik. Von der Natur durch'ihre Bödenbeschaffenheit als Agrarländer prädestinierte Staaten suchen, unter Hintansetzung ihrer natürlichen Bestimmung, sich künstlich zu industrialisieren, statt gemäß den Erfordernissen einer ge6iinden Weltwirtschaft an der billigsten Produktionsstatte z'u produzieren und den Austausch von Industrie- und Agrarprodukten den Gesetzen vernünftiger Wirtschaftsordnung;zu unterstellen. Der Grund einer solchen ‘gegen die Vernunft verstoßenden Handlungsweise. kamt nur der sein: Nach den Erfahrungen des Weltkrieges bedingt eine rationelle (Kriegführung völlige Unabhängigkeit der Nationen in der Kriegsmittelversorgung und die Mögfidikeit, innerhalb der Landesgrenzen alles das zu produzieren, was zu einer siegreichen Beendigung des Krieges nötig ist. Staat und Wirtschaft, Produzenten1 und Konsumenten, Unternehmer] und Arbeiter kämpfen gegen- , einander mii den \Jitteln moderner Organisation und Wirtschaiftstechnik) nicht den schaffenden Kampf, der der Vater aller Dinge ist, sondern den hemmenden. Das Gesamtbild der Wirtschaft zeigt deutlich 163