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Der Orden Bne Briss · 1929-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1929-10-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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So kann das Buch weithin wie ein Schicksal werden. Das geistige Leben, das ganze Menschentum eines Menschen kann davon abhängen, welches Buch zu ihm hinkommt, und Charakter und Würde, ja die Geschichte einer Gesamtheit kanni durch die Bücher geformt werden, die zu ihr hingeführt werden und in ihr bleiben und wohnen. Denn im Letzten entscheidet nicht Wirtschaft oder Politik über das Dasein tind die Zukunft eines Volkes, sondern der Geist, der in ihm Weg und Geltung gewinnt. Jedes Volk, wofern es der Kultur zugehört, ist im Grunde das Volk seiner Bacher,- jede seiner Zeiten ist durch'ihre Bücherj bestimmt. Auch die Geschichte, welche während der vergangenen anderthalb Jahrhunderte.! Judeintum und Juden in allen Ländern hatten, kan^i so durch eine Reihe von Büchern gekennzeichnet' werden,- ohne diese Bücher wäre hier keine neue Geschichte gewesen. Es ist ein Bedeutsames für uns deutsche Juden, daß diese geschichfsvollen Bücher dieser Zeit in deutscher Sprache geschrieben sind Unser besonderer Kulturkreis und unsere besonderie Leistung sind damit für die große jüdische Gesamtheit gestaltend und geschichtsbildend gewordene Namen von Juden der deutschen Sprache, Mendelssohn, Zunz, Graetz, Samson Raphael Hirsch, Geiger, Herzl, Cohen sind Namen, in ’ denen fdie Wege der Entwicklung benannt sind, in welcher! die ganze Judenheit ihr inneres Leben erlangt! hat j Jede Schöpfung der Kunst, jecjes wlahre Buch daher auch, koptmt nicht nur aus einer Größe der Begabung hervor, sondern aus einer Kraft und Stetigkeit des Willens -auch, diesem geduldigen, standhaften Mute zum Werke, Darin unterscheidet sich das scheinbare, nur . äußerlich glänzende Talent von dem echten/ ihm fehlt diese Beharrlichkeit. Ihrer bedarf fede Schöpfung/ denn alles Schaffen ist ein inneres Ringen um ein Werdendes mit all der großen Geduld, .mit allen den Wehen und Leiden, ohne die es kein Gestalten gibt. Und eines kann in' diesem seelischen Kampfe ein Beistand sein: die Gewißheit, die den Schaffenden erfüllt, daß sein Werk Menschen finden wird, die es aufnehmen So wird der Empfängliche, der Verständnisvolle fast zum Helfer am Werke, fast zum Genossen des Meisters, und Verständnislosigkeit, Unempfänglichkeit kann einen Teil der Schuld tragen, wenn ein Werk in seinen Anfängen bleibt, der Meister es nicht zur Vollendung führt. Das Buch und seine Leser und Besitzer gehören in diesem Sinne auch zusammen. Die geistige Höhe, diese Wüijde einer Gesamtheit ist damit jedem, der iht' zugefiört, an vertraut,- ein jeder ist für sie verantwortlich. ■ Uns Juden, die wir seit altem »das( Vollj des Buches« sind, gilt es so vor allem,- umi unsere Schuld und unser Verdienst kann es sidij hier handeln. Von uns Juden in Deutschland, und nicht! nur von den schöpferischen Geistern unter uns, wird es immer abhängen ob wir das deutsche jüdische Buch besitzen, das Buch, in dem ein Stück unserer Geschichte ist. i | Die weltgeschichtliche Bedeutung der Bibel.*) Von Franz Rosenzveig.. i Man wird immer vergebens versuchet!,; die Ausnahmestellung der Bibel, die schein in dem Namen: »Bibel«, »das« Buch, beansprucht ’ wird, in irgendwelchen inhaltlichen Qualitäten aufz'uweisen,- daß irgend ein Superlativ vom Inhalt her auf ein Buch angewendet werden könne, dafür ist schon ein dogmatisches Vor-Urteil erforderlich ^wie denn wirklich im Islam es dogmatisch festgelegt ist, der Koran sei das schönste der Bücher>.| Wissenschaftlich erfaßbar und nachprüfbar istj die Bedeutung* der Bibel allein an ihrer Witkung und ihrem Schicksal. Die weltgeschichtliche Bedeutung also an ihrer weltgeschichtlichen Wirkung und an ihrem weltgeschichtlichen Schicksal. *> Geschrieben als Schlüßabsdinitt des Arti c für den soeben erdiienenen 4. Band des judaica. eis »Bibel« cyclopaedia Geistige Zusammenhänge laufen zwischen den Völkern von den ersten-wirtschaftlichen und kriegerischen Berührungen an, ohne doch einen weltgeschichtlichen Zusammenhang zu stiften. Dazu gehört mehr als das bloße Hinüberfließen der Ein-, flüsse: bewußtes Hinübertragen des Fremden als eines Fremden ins Eigene, — Uebersetzen.. Dieser historische Punkt der Gründung einer Weltliteratur und damit eines übervölkischen Bewußtseins liegt in zwei Ereignissen, von denen zwar das eine nurj symptomatische, das andre aber auch konstitutive! Bedeutung hat, schon unterm vollen Licht der Ge-1 schichte: in den beiden ältesten Liebersetzungen eines Grundbuchs einer Nationalliteratur in eine neue Sprache.' Ungefähr gleichzeitig übersetzte aus, dem Griechischen ein Kriegsgefangener in Rom die Odyssee und übersetzten ins Griechische siedelnde 170 —

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