Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- Beilage 1928 (1928)
- Issue
- Juni/Juli (6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 37 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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dem Oedanken der Einigkeit, der jüdischen Weltgemeind zu bekennen und uns selber?u erziehen.! Aus innerer Ueberzeugung heraus wollen wir die Z sUe zur B1dung eines einheitlichen Judentums sein, woll< n lernen und uns bilden, aber | vor allem, um wirk« n zu können, Herbert Felsenthal, Düsseldorf, forder; in seinen Referat »Die Arbeit in den Bünden« die Festsetzurg eines Erziehungsmindestprogramms aus der Erkenntnis, daß der .Verband uQd seine Bünde ein einheitliches Gebilde seien, das eine einheitliche Erziehungsl nie verlangt. Das Erziehungsmindestprogramm müsse von der Vorau >- Setzung ausgehen, daß jedes ßundesmitgliled während seiner aktiven Zeit mit allen der jüdischen Gemeinschaft immanenten Fragen in Berührung komme. Das Minimalprogramm solle zum mindesten das Verständnis jüdisch« r Gegenwarf und das Gefühl der unlösbaren Verbundenheit mit allen Erscheinungsformen des jüdischen Leber s bringen. Als unerläßliche Punkte dieses Programms erscheinen ihm: der Gottesdienst, das Fest, dis. Haus, d<e Gemeinde, die;. Parteien, die Organisationen der Juden in Deutschland, die jüdische Heimstätte in' Palästina, das jüdische Volkstum außerhalbDeutschlandi, ebenso wie die nicht nur jüdischen Fragen: Staat, Eiziehuiig, Wirtschaft. Weiter forderte erTiie Einrichtung von drei Kreisen der Arbeit: den Werbekreis, d:n weitere-1 oder Arbeitskreis und den engeren Kreis oder die Gilde. Der Werbekreis stellt die Verbindung des Vereins mit . der. Oeffentlichkei* dar; der Arbeitskreis diert der Verwirklichung des Erziehungsmindestprogramms; der engere Kreis oder die Oilde dient dem dODpelte 1 Zweck des Lehrens und Lernens, das heißt der f ährerische i Arbeit in weiterem Kreis ohn£ Begrenzung auf einen; eine solche einheitlich; beginnend be der Junggruppe, die in gleicher Richtung, aber mit anderen Mitteln arbeitet, sei im Oeiste unserer Idee'ein einhe tliches Erziehungsergebnis zu erwarten. Dr Julius Herzfeld, Essen,’ging in seinem Referat »Die Arbeit der Jugend in der Gemeinde« von der Erwägung aus, daß die Arbeit in den Bünden notwendigerweise die Mitarbeit in den Gemeinden! zur Folg: haben müsse. Der Jugend müsse aber durch die Gemeindegesetzgebung die Möglichkeit praktischer Mitarbeit gegeben; werden; deshalb sei zu fordern, daß . in Bezui; auf das aktive und passive Wahlrecht in den Lindesverbänden und Gemeinden di'e weitestgehende . Vnpassun;; an die entsprechenden Bestimmungen der Reichsverfassun;« gesichert werden, ln der Frage der Karenzzeit muss: nach Würdigung aller Bedenken ein Zeitraum vo i 6 Monaten als vollauf genügend angesprocheh werder. Erst die$e Voraussetzungen machten die praktische Mi - wjrkung,! vor allem auch an den sozialen Aufgaben der Gemeinden seitens der Jugend möglich. An der Schaffun \ einer auf breitester demokratischer. Grundlage gewählten Gesamtvertretung der deutschen Juden sei die jüdische Jugend ajufs lebhafteste interessiert. j ln einer vierstündigen Debatte wurden die Anregungen and Forderungen der Referate, wie auch die Wef e der bisherigen Bundesarbeit einer eingehendeu Krit k unterzogen. Hinsichtlich der Erziehungsarbeit des Verbandes kam der Wunsch nach Intensivierung und Ausbi u allseitig zum Ausdruck. In Bezug auf die Stejlung d ts Verbandes zu den Fragen der Judehgesetzgebunggelangte bestimmten Bund. Nur durch Erziehungslinie in den Bünden, folgender Antrag Felsenthal,de Jonge mit Stimmenmehrheit zur Annahme; 1. ’ Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden wolle in dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Rechsverhältnisse der Juden jn Preußen, unverzüglich folgende Entschließung aufnehmen: a) Die Wahlfähigkeit beginnt mit dem vollendeten20. Lebensjahre. b) Die Wahlfähigkeit und Wählbarkeit dürfen nicht von einer Karenzzeit abhängig gemacht yrerden. 2. Die nichtpreußischen Landesverbände wollen - dafür Sorge tragen, daß die Bestimmungen der Judengesetze in den einzelnen Ländern einem modernen Jugendwahlrecht Entsprechen, insbesondere die Wahlfähigkeit mit dem 20. Lebensjahre beginnen lassen, sowie Zensus und Karenzzeit abschaffen. * 3. Falls die geforderten Aenderungen von den zuständigen Landesverbänden nicht durchgeführt werden, witd von den Synagogengemeinden gefordert, daß sie die ihen freigestellte Verschärfung der Bestimmungen über Wahlalter, Karenzzeit usw. nicht durchführen. Im Falle, daß das Gememdestatut Bestimmungen enthält, die den Forderungen des Verbandes widersprechen, wird von den Gemeinden gefordert, daß sie unver» züglich eine Satzungsänderung vornehmen. 4. Der V. J.J.D. erwartet von sämtlichen Parteien der Landesverbände und Gemeinden, " a; daß sie ihren ganzen Einfluß für eine Neuregelung ■ im Sinne der Forderungen des V. J. J. D. einsetzen, b) daß sie bei der Aufstellung der Kandidatenlisten für Landesverbände und Gemeinden Vertreter der Jugend an aussichtssreicher Stelle nominieren. 5. ‘ Der V. J. J. D. spricht die Erwartung aus, daß die jüdischen Körperschaften, die die Schaffung eines Reichsverbandes der deutschen Juden vorbereiten, alles daran setzen werden, um in kürzester Zeit eine demokratische Gesamtvertretung der deutschen Juden zu erreichen. In der geschlossenen Delegiertentagung wurde die neue Satzung des Verbandes beraten. Der neugefajlte Tendenzparagraph: »Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands erzieht auf'der Grundlage einer umfassenden Neutralität die in ihm vereinigte Jugend zu bewustem Judentum in gesamtjüdischem Denken und Wollen, im Geiste staatsbürgerlicher Oesinnung« wurde einstimmig angenommen. Die Schaffung eines Kulturamtes wurde beschlossen und die Richtlinien für die Jugendgruppenleitung genehmigt. Als Abschluß der Tagung sprach Rabbiner Dr. Hahn über »Die jüdische Jugend im Weltjugendbund.« Beste jüdische Ueberlieferung fordere von den jüdischen Menschen die Mitwirkung an allen Werken der Zusammenarbeit der Morschheit. Der Jugend falle die Aufgabe zu, zur Sicherung des Friedens jüdische Werte im Weltjugendbund zu verwirklichen und den Weg zur Versachlichung' der Friedensarbeit zu finden, die jüdische Jugend müsse den Weg über die eigene Problematik hinaus ln dem Zusammenwirken und im Zusammengehen mit anders gearteter Jugend suchen,' um dort ihre Idee der' Brüderlichkeit der Menschen zu verwirklichen. Im Anschluß| an die Dresdener Tagung erfolgte auf Einladung der 3 Piager UrO. B. B. Logen, der Herdervereinigung, sowie des Prager Jungendbundes ein Besuch in Prag. Innerhalb dieser Zusammenkunft sprach Prof. Dr. Steinherz über »das jüdische Prag.« ' 38