Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 12 - Dezember (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- Seite 230 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/6727475-6029143-6074780--1902-4868520- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fällen Juden beschäftigen. Ausschluß jüdischer Angestellter findet sich auch bei Rechtsanwälten und Aerzten. Bei der gegebenen Sachlage müssen die Logen .durch ständige Einwirkung auf ihre Mitglieder auf difc Notwendigkeit der Beschäftigung jüdischer Angestellter hinweisen, ja sie zur Pflicht njachen, wenn ein genügendes Angebot jüdischer Arbeitskräfte vorhanden ist. Es empfiehlt sich deshalb, daß die Leitung der Logen in nicht zu weiten Abständen auf diese Verpflichtung aufmerksam macht, um den Mitgliedern der Logen die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit jüdischer Menschen in ihren Betrieben immer mehr nahe zu legen. II. Ursache der wirtschaftlichen Not ist die vielfach vorhandene,' nicht genügende Ausbildung jüdischer Angestellter, die bei den gegebenen Verhältnissen höhere Ansprüche erfüllen müssen als Nichtjuden. Ip allen Berufen Qualitätsleistungen zu erzielen, muß gerade als wesentliche Aufgabe unserer Zeit zur Heranbildung des jüdische# Menschen erstrebt werden. Die Erfahrung lehrt, daß Gründlichkeit und Genauigkeit im Einzelnen, insbesondere geeignete Spezialisierung bei jüdischen Anwärtern häufig fehlen, weil die Notwendigkeit dieser Erfordernisse nicht immer ausreichend anerkannt wird. III. Auch in der Bekämpfung des Boykotts durch nichtjüdische Unternehmungen können die Logen Hilfe leisten. Voraussetzung dazu ist die Erkenntnis, daß diese eine zentrale Angelegenheit der heutigen Judenheit von den im Wirtschaftsieben maßgebenden Brüdern in mutiger, von persönlichen Rücksichten unbeeinflußter Weise gefördert wird. IV. Die Ehre der: Arbeit wird bei einem erheb-' liehen Teile unserer Freunde noch falsch beurteilt. Ueberkommene Auffassungen über die Ehrenhaftigkeit bestimmter Berufe trüben den Blick. So ist die Ausübungr eines gut rentierenden Handwerks an sich befriedigender und mindestens ebenso ehrenvoll, als das durch die Verhältnisse oft erzwungene oder gequälte und unbefriedigende Suchen eines akademisch gebildeten Mannes nach Praxis. Die Umstellung falscher vorhandener Begriffe’’ kann nur erfolgen, wenn in den Logen durch ganz kurze, aber häufige Darstellung des Wirtschaftslebens und seiner besonderen Ausgestaltung für die jüdische Gemeinschaft praktische Erfahrungen erörtert werden. Daß bei diesen Erörterungen die Zuziehung und Mitarbeit der Frauen unbedingt erforderlich ist, bedarf keines Hinweises. V. Ob die Einrichtung eines Ausschusses für wirtschaftliche Angelegenheiten der Brüder in den einzelnen Logen sich empfiehlt, hängt davon ab, ob im Einzelfalle eine genügende Anzahl arbeitswilliger und arbeitsfreudiger Mitglieder dieses Ausschusses anfzutreiben sind. Lieber kein Ausschuß als ein schlechter oder ein unfleißiger! Die Großloge und die Logeiiverbände könnten jedoch einen solchen Ausschuß ' einsetzen. In jeder Loge sollte ein Bruder mit der Beobachtung der wirtschaftlichen Verhältnisse auf dem Gebiete der Berufswahl und der Berufsausübung betraut werden. VI. Die diesbezügliche Tätigkeit hat nur im Interesse der Logenmitglieder stattzufinden. VII. Die Angehörigen unserer Loge setzen sich in der Regel aus einem bestimmten Teile des * jüdischen Mittelstandes zusammen. Ihre B<e- ,. dürfnisse sind ziemlich konform. Infolgedessen ist die Tätigkeit in ihrem Interesse erleichtert. Es muß dafür Sorge getragen werden, ‘daß * unter selbstverständlicher Heranziehung der allgemeinen Berufsberatungsstellen, des jüdischen Arbeitsamtes' und ähnlicher Einrichtungen Lücken im Wirtschaftsleben ausfindig gemacht werden, die unserer Heranwachsenden Jugend eine lohnende Beschäftigung gewährleisten. Qie Erfahrung-1 lehrt, daß von jeher durch die nun einmal gegebenen Verhältnisse die Juden zur Ausfüllung von ständig aufkommenden und durch die Natur der Wirtschaft gegebenen Lücken berufen gewesen sind. Die Beratung mit klugen, erfahrenen, im Wirtschaftsleben stehenden Männern und Frauen wird hier immer Zukunftsmöglichkeiten ausfindig machen. Kurze Referate über die wirtschaftliche Lage der Juden werden ständig Anregungen für Berufswahl und Berufsausübung geben. j VIII. Alle auf Proletarisierung der Masse der Juden gerichteten Bestrebungen müssen abgelehnt werden. Die an sich schon geschwächte wirtschaftliche Kraft unserer Kreise ist nach Tunlichkeit zu erhalten. Eine Um- | Stellung unserer Gemeinschaft in Bezug auf j Abwanderung in völlig andere Berufskreise ist [ 230