Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 8 - August (8.1926)
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 112 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Br. Regierungsbaume Von Br. Rabbiner DrJ ister Max Fraenkel. Goldschmidt. Am 20. Mai dieses Jahres, am zweiten Tage jungen Baumeister vielleicht damals eil Wagnis, des Wochen festes, hat Regierungsbaumeister Max Fraenkel, der Erbauer des Berliner Logenhauses, seit ie Augen zum ewigen Schlummer geschlossen. D iß der herrliche Bau in der KleiststraBe ihm seine Entstehung verdankt, würde es allein schon rechtfertigen, ihm in diesen Blättern mehr al» eine flüchtige Erinnerung zu weihen. Er hat fast ein halbes Jahrhundert in Berlin gelebt ui id gewirkt, eine Reihe hervorragender und mustergültiger Bauwerke wird seinen Namen, die Erinnerung an ihn über das Grab hinaus lesendig erhalten, er hat diesen Namen sich durch rastlose Arbeit, hohe künstlerische Begabur g, den unbeugsamen Idealismus, mit dem er di: höchsten Ziele der Kunst verfolgte, errungen und fest begründet <‘- Als Knabe schon hatte er sein Lebensziel klar ins Auge gefaßt. Einer oberschlesischen Rabbinerfamilie mtstammend und zuerst in seiner Heimatstadt Rybnik, unter Leitung seines Vaters, eines bekannten Pädagogen, dann Sn Breslau vorgebildet, war er, da die Mittel für eine weitere Ausbildung nicht so reich zur Verfügung standen, für die mittler; Baukarriere bestimmt. Er erlernte das Bauti and werk in dem weitverzweigten Betrieb seines Onkels, des allen älteren Berlinern > -wohlbekannten Maurermeisters Joseph Fraenkel. Doch er hatte sich höhere Ziele gesteckt. Nach bestandener R;ifeprüfung betrieber mit rastlosem Eifer sein;Studien und wurde nach glänzend bestandenem Examen als Hilfsarbeiter in das Ministerium dur. öffentlichen Arbeiten berufen, dem er mehr« re Jahre angehört hat, um dann, seinem Stern vertrauend, sich als Architekt in Berlin niederzi lassen. Er er wähl je sich zunächst eine Art Sondergebiet. Durch eine Reihe von Privatkliniken, die er gebaut j hat, und die, vor 30 Jahren noch eine 'ungewöhnliche Erscheinung, neben den staatlichen unjd städtischen Krankenhäusern ins Leben gerufenl wurden, gelang es ihm, die Aufmerksamkeit seiner engeren Fachgenossen und der medizinischen Kreise auf sich zu lenken. So übertrug ihm Oeheimrat Leopold Landau, lein Versuch, der aufs glänzendste gl Ickte. Er pat andere Aufgaben ähnlicher Art, z. B. die Strassmann’sche und Karewski’sche K intk, ebenso glücklich durchgeführt und gelöst Weil er bei seinen Arbeiten mit äußerster Gewissenhaftigkeit sich für jede, auch die geringfügigste Einzelheit selbst einsetzte, weil er, selbst allem Schein abhold, es verstanden hat, i berall Gediegenheit und Schönheit zu gefällij;er Einheit zu verbinden, gewann er das Vertrauen seiner Auftraggeber ebenso wie die uneingeschränkte Anerkennung der LandesmedizinalbC lörde, die es ihm bei Abnahme der Bauten oft genug bestätigt hat, daß die Kliniken in Berfen wie der ganze Komplex der Heilanstalten in Lankwitz den besten staatlichen an die Seiten'Tu stellen sind. “ ' Zwei seiner Schöpfungen gel ören dem Judentum. Die Synagoge in der J^ünchenerstraße in Schöneberg, für eine Priv itgemeitjde errichtet, jetzt im Besitz der Jüdischen Gemeinde, iist in ihren gefälligen Formen, ihrei schlichten Vornehmheit, ein Schmuckstück unter den mittleren Andachtsstätten. Und dann de Logenbau, das Heinj der Berliner Brüder. Ein w undeivoller Rahmen für die weitverzweigte, vielgestaltige Liebesarbeit nicht der Logen allein, rielmehr ein Sammelpunkt, eine Pfiegstätte aller B :$trebungen zur Förderung jüdischer Interessen ur d jüdischen Lebens. Man muß die Vorbereitungen, Entwürfe und Pläne miterlebt und mitverfolgl haben, mit welcher Hingebung, Sorgfalt und Liebe der Heimgegangene sich grade diesem seinem Werke gewidmet hat, wie sehr er beflissen war, die Gedanken, die dieses Bauwerk erf illen und in ihm Leben gewinnen sollten, j übe all j zu verkörpern und in die Erscheinung tret :n zu lassen, und man wird ihm das Zeugnis ni< ht Versagen, ( hier hat die Seele des Schaffenden sich offenbart, diese Schöpfung trägt das Diepräge der Persönlichkeit ihres Schöpfers. j ( Sein Wesen und seine Eiger art hat sich sonst nur den Vertrauten erschlossen. Besonder^ seit dem Weltkrieg, in welchem er gleich zu mit dem er persönlich befreundet war, den Bau Anfang seine Lebenshoffnung, sein einziges Kind seiner Frauenklinik in der Philippstraße, für den verlor, ist er ein Einsamer geworder. Die Arbeit — 112 -! i